Zahnärztekammer Hamburg

Besuch aus Tschechien

Politischer Meinungsaustausch über die regionalen Grenzen hinweg – der BZÄK Vizepräsident und Präsident der Zahnärztekammer Hamburg, Prof. Dr. Wolfgang Sprekels, traf den tschechischen Kammerpräsidenten Dr. Jirí Pekárek.

In Hamburg begrüßte Prof. Dr. Wolfgang Sprekels, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer und Kammerpräsident von Hamburg, am letzten Juniwochenende den Präsidenten der Tschechischen Zahnärztekammer, Dr. Jirí Pekárek, zu einem politischen und fachlichen Informationsaustausch. Die beiden Standesführer kennen sich schon seit Jahren aus ihren umfangreichen Aufgaben auf internationaler Ebene: Dr. Pekárek als Mitglied des Rates der Fédération Dentaire Internationale (FDI) und als Vorstandsmitglied des Council of European Dentists (CED) und Prof. Sprekels als Leiter der deutschen FDI-Delegation sowie als Vizepräsident des CED. Der Gast wurde von Dr. Jirí Zemen, Tschechisches Vorstandsmitglied für Internationale Arbeit, begleitet.

Einen Schwerpunkt nahmen die aktuellen politischen Beratungen in Brüssel ein. Die lang diskutierte EU-Richtlinie über Patientenmobilität wurde inzwischen von der neuen Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou vorgestellt (siehe Bericht Seite 76) in diesem Heft). Sprekels und Pekárek waren sich in ihrer Bewertung einig, dass diese Richtlinie langfristig von größerem Einfluss auf die nationalen Gesundheitssysteme sein wird.

Patientensicherheit

Weiteres aktuelles Thema in Brüssel ist die Patientensicherheit. Der CED hat sich mit dem Thema bereits intensiv befasst und auf seiner Vollversammlung im Mai eine umfangreiche Entschließung hierzu verfasst. Darin werden der Stellenwert der Prävention und die Maßnahmen im Rahmen der Qualitätssicherung betont. Es wird zugleich deutlich gemacht, dass die von der Kommission gewünschte grenzüberschreitende Behandlung Gefahren für die Patientensicherheit mitbringt. Positiv hoben beide Standespolitiker die jüngst in Brüssel erzielten zahnärztlichen Erfolg beim Amalgam und beim Bleaching hervor. Sprekels und Pekárek betonten, dass gerade diese beiden Themen für die zahnärztlichen Praxen von praktischer Bedeutung sind. Bei der immer wieder zu hörenden Argumentation, dass Brüssel den normalen Zahnarzt nicht betreffe, könnten gerade diesen beiden Themen als Beispiel für die Bedeutung der Brüsseler Arbeit herangezogen werden.

Gemeinsame Arbeit

Weiteres Thema der Beratungen war die gemeinsame Arbeit im Vorstand des CED sowie die Zusammenarbeit zwischen Bundeszahnärztekammer und CED. Beide Organisationen haben gerade einen Kooperationsvertrag über die gemeinsame Nutzung des Brüsseler Büros geschlossen. Darin geregelt ist nicht nur die gemeinsame Nutzung der Räume, sondern auch die Zusammenarbeit der Mitarbeiter von BZÄK und CED. Im Hinblick auf das Ausscheiden des ersten und bislang einzigen Mitarbeiters des CED, des englischen Juristen Mark Beamish, stand eine Diskussion an, ob der Wechsel zum Anlass für Veränderungen in der Zusammenarbeit genommen werden sollte. Man war sich aber einig, dass sich die Zusammenarbeit in der bisherigen Form bewährt hat. Sprekels konnte seinen tschechischen Gast informieren, dass eine bestens geeignete Nachfolgerin als „EU Affairs Officer“ gefunden worden sei.

Sorgen in Tschechien

Die tschechischen Zahnärztevertreter sprachen aber auch über ihre Sorgen, die zahnärztliche Versorgung in Tschechien in den kommenden Jahren aufrechtzuhalten. Sieht man sich die aktuellen Zahlen und insbesondere die abzusehende Entwicklung an, sind die Befürchtungen sehr berechtigt. Schon heute stehen bei einer Bevölkerung von mehr als 10 Millionen nur rund 7000 behandelnd tätige Zahnärzte zur Verfügung. Dramatisch sind die Zahlen aber erst unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung. Zwei Drittel der Zahnärzte sind über 50 Jahre alt, werden also in den nächsten Jahren aus dem Beruf ausscheiden. Ihnen gegenüber stehen zu wenige Absolventen der Zahnmedizin. In Studien wird davon ausgegangen, dass bis zum Jahre 2022 ein Drittel weniger Zahnärzte zur Verfügung stehen als heute.

Dr. Peter Kurz
Hauptgeschäftsführer der Zahnärztekammer
Hamburg
Möllner Landstraße 31
22111 Hamburg