Behandlung von Lymphomen

Heilung ist ein realistisches Ziel

Bei verschiedenen Lymphom-Formen ist ein langfristiges Überleben und sogar eine Heilung der Patienten inzwischen Realität geworden. Die Onkologen arbeiten deshalb zunehmend an Strategien, wie die Behandlung verträglicher zu gestalten ist, wie sich also Nebenwirkungen vermeiden lassen ohne Heilungschancen aufzugeben. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Antikörper Rituximab.

Das Drei-Jahres-Überleben liegt beim aggressiven Non-Hodgkin-Lymphom inzwischen bei 97 Prozent, was noch vor gut zehn Jahren undenkbar war. „Bei Patienten mit günstiger Prognose erreichen wir sogar 100 Prozent“, betonte Professor Dr. Michael Pfreundschuh aus Homburg/Saar bei einer Pressekonferenz in Frankfurt.

Antikörper hat die Therapie revolutioniert

Die verbesserten Behandlungs- und sogar Heilungschancen sind nach Pfreundschuh vor allem dem Antikörper Rituximab zu verdanken. „Er hat die Lymphomtherapie regelrecht revolutioniert“, meinte der Onkologe. Rituximab richtet sich nach seinen Angaben gezielt gegen ein Antigen auf der Zelloberfläche, und zwar gegen CD20, das von Lymphomzellen besonders stark exprimiert wird.

Der Antikörper, der vor zehn Jahren für die Therapie von Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) zugelassen wurde, blockiert das Antigen, was eindrucksvolle Ergebnisse zur Folge hat: So können durch die Kombination mit der Chemotherapie bei aggressiven Lymphomen fast doppelt so viele Patienten geheilt werden wie mit einer Chemotherapie alleine. Bei Patienten mit follikulärem Lymphom wird durch die zusätzliche Gabe des Antikörpers außerdem eine deutliche Verlängerung des Überlebens erwirkt. Die bislang tödlich verlaufende Erkrankung ist damit laut Professor Dr. Wolfgang Hiddemann aus München auf dem besten Weg zu einer chronischen Erkrankung zu werden.

„Die Ergebnisse sind so gut, dass wir nun bei aggressiven B-Zell-Lymphomen erstmals prüfen können, ob bei Patienten mit günstiger Prognose nicht weniger aggressive Schemata ausreichen, ohne Heilungschancen zu vergeben“, sagte der Hämatologe. So wird derzeit in Studien geprüft, ob bei guter Prognose und der Behandlung mit den üblichen sechs Zyklen des gut verträglichen Rituximab nicht auch vier statt sechs Zyklen der Standard-Chemotherapie zur Heilung reichen. Bei Patienten mit ungünstiger Prognose, also solchen mit großer Tumormasse oder besonderen Risikofaktoren wird hingegen geprüft, ob nicht durch eine dosisdichtere Chemotherapie die derzeitigen Heilungschancen, die bei 75 Prozent liegen, noch gebessert werden können.

Hoffnung auf weitere Heilungserfolge

Doch auch beim schwerer zu behandelnden nicht aggressiv wachsenden follikulären Lymphom ist eine Heilung möglicherweise nicht ausgeschlossen, wie die Experten vermuten: „Wir planen eine Studie, in der dieses Ziel bei bislang als unheilbar geltenden Patienten angepeilt wird“, so Hiddemann. In der Untersuchung sollen Patienten mit follikulärem Lymphom mit allen Therapieelementen behandelt werden, von denen bekannt ist, dass sie gegen Lymphome wirksam sind. Die Patienten werden eine Kombination von Rituximab und der Standard-Chemotherapie erhalten und anschließend eine Hochdosischemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation. Danach soll sich außerdem noch eine Erhaltungstherapie mit Rituximab anschließen. Die geplante Studie soll in Kürze anlaufen.

Christine Vetter
Merkenicher Straße 224
50735 Köln


 

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