Google Street View

Stadtgeschehen unter der Lupe

Mit Google Street View sind die Straßen von New York und Paris nur ein paar Mausklicks entfernt. Virtuelle Rundfahrten durch deutsche Städte bereitet der Internetriese gerade vor. Datenschützer fürchten Angriffe auf die Privatsphäre.

Landstriche und Städte aus der Vogelperspektive zeigt bereits der virtuelle Globus „Google Earth“, zoombare Landkarten und Straßenpläne liefert der Webaltas „Google Maps“. Mit dem Zusatzmodul „Street View“ wechselt der User jetzt die Perspektive: Er kann nicht nur Reiserouten planen, sondern sie auch gleich virtuell abfahren. Anfang Juli tauchten Kamerateams des Webgiganten erstmals in Berlin, Frankfurt und München auf. Ihre Aufgabe: Mit Kleinwagen und spezieller Technik durch die Viertel zu fahren und mit Digitalkameras Straßenzüge komplett abzufotografieren. Tausende Einzelbilder im Sekundentakt, die später zu Panoramabildern mit 360-Grad-Rundblick zusammengesetzt werden und dann in der weltweiten Datenbank landen.

Aus dem Nachbarland Frankreich gibt es solche 3-D-Ansichten bereits. Zur Tour de France startete Google das Feature in Europa. Ob Champs-Elysées, Dörfer oder Bergstraßen – die User aus aller Welt konnten die über 3 500 Kilometer lange Strecke vom PC aus abradeln.

Gymnastik im Garten

In den USA lassen sich bereits 40 Großstädte komplett erkunden. Von Bildschirmen rund um den Globus laufen Internetnutzer über die Golden Gate Bridge oder mitten durch den New Yorker Central Park. Oder sie sehen einer rüstigen Rentnerin zu, wie sie in ihrem Vorgarten angestrengt Gymnastikübungen macht.

Die Street View-Fotos sind eingefrorene Momentaufnahmen des Alltags. Passanten mit verrutschten Hosen, Einbrecher an Fenstern und Löschaktionen der Feuerwehr füllen USBlogs wie http://www.streetviewfun.com oder http://blog.wired.com.

Beschwerden von ahnungslos abgelichteten Personen häufen sich. Sie fühlen sich in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt und wollen die Schnappschüsse aus Street View daher entfernen lassen. Eine Kleinstadt in Minnesota verbannte die Google-Kameras ganz aus ihrem Revier. Ebenso das US-Verteidigungsministerium: Mit dem Verweis auf eine „potenzielle Sicherheitsbedrohung“ verbot das Pentagon Aufnahmen auf Militärbasen.

Daten, Pixel und Probleme

Mittlerweile lässt der Suchmaschinenbetreiber eine spezielle Software über die Bilder laufen: „Face Blurring“ pixelt automatisch Gesichter, Autokennzeichen und Hausnummern. Die Technik funktioniere aber nicht immer, kritisieren Betroffene und Datenschützer.

Eine Gefährdung sieht der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar selbst dann, wenn sensible Details für die Nutzer unkenntlich gemacht werden. Der Anbieter habe die Daten trotzdem noch, warnt er: „Wer garantiert, dass staatliche Stellen oder Unternehmen im In- und Ausland die gespeicherten Bilddaten nicht erhalten können?“ Kürzlich habe ein US-Bezirksgericht angeordnet, die Nutzerdaten des Googleeigenen Videoportals Youtube an ein TVUnternehmen herauszugeben.

Mit Street View werden persönliche Lebensumstände laut Schaar intensiver ausgeleuchtet als dies zuvor der Fall war. Er fürchtet, dass die Bilder mit personenbezogenen Daten wie Adressdatenbanken verknüpft werden. Dies sei mühelos möglich.

So ist es seiner Meinung nach durchaus denkbar, dass Renovierungsfirmen die Bewohner von offenbar sanierungsbedürftigen Häusern mit Werbung überschütten oder Kriminelle den Dienst nutzen, um Objekte auszuspähen. Offen sei, wie sensible Einrichtungen wie Frauenhäuser geschützt werden. „Brisant wäre es auch, wenn die Bilder für Bonitätsbewertungen herangezogen würden und negative Konsequenzen bei der Kreditvergabe oder bei sonstigen Geschäftsabschlüssen hätten“, sagt Schaar. Anders sieht das Google-Pressesprecher Stefan Keuchel. „Wenn man glaubt, dass etwa Banken von Google abhängig sind, um über Kreditwünsche zu entscheiden, ist das reichlich naiv“, sagt er.

Schaar jedenfalls fordert gesetzliche Begrenzungen: Geodaten sollten nur nach vorheriger Einwilligung des Betroffenen genutzt werden dürfen.

Der Bundestag berät im Herbst ohnehin über verbesserte Datenschutzregeln. Ob Google die deutschen Panoramabilder unterdessen schon ins Netz stellt, ist ungewiss. Schließlich will der Internetgigant Deutschlands Straßen laut Keuchel nur von ihrer Sonnenseite zeigen. Bei Regen schicke er die Kameras nicht raus.

http://maps.google.com/help/maps/ streetview

 


 

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