IDKO-Workshop 2008 im Bundeskriminalamt

Die heimlichen Helfer

Vor mehr als 35 Jahren wurde die Identifizierungskommission (IDKO) des Bundeskriminalamtes (BKA) gegründet. In der zurückliegenden Zeit konnten bei 25 Unglücken insgesamt 1 943 Opfer durch die IDKO erfolgreich identifiziert werden. Es ist kein Geheimnis, dass die meisten Identifizierungen unter Zuhilfenahme des Zahnstatus erfolgt sind.

Aufgaben der Identifizierungskommission

Die Aufgabe der IDKO ist die Identifizierung von Opfern großer Katastrophen, insbesondere wenn

• im Ausland eine größere Anzahl deutscher Opfer zu vermuten ist

• im Inland die Opferanzahl einen Einsatz der IDKO sinnvoll macht. Im Einsatzfall nimmt die IDKO in Absprache mit den örtlich zuständigen Behörden, denen sie sich einsatzorganisatorisch eingliedert, ihren Arbeitsbereich selbständig wahr.

Von Beginn an hat die IDKO an ihre Arbeit strenge Maßstäbe gesetzt, was ihr international ein hohes Ansehen eingebracht hat. Der IDKO gehören Kriminalbeamte, Rechtsmediziner und Zahnärzte an. Die bedeutendsten Einsätze der jüngeren Vergangenheit waren das Zugunglück von Eschede (1998), der Absturz der Concorde bei Paris (2000), die Flugzeugkollision am Bodensee (2002), die Busunglücke von Siofok, Lyon und Hensies (2003) sowie die Tsunami-Katastrophe in Südostasien vom zweiten Weihnachtstag 2004.

Vorbereitung auf zukünftige Einsätze

Um für mögliche Einsätze bei Bus-, Zugund Flugzeugunglücken oder anderen Katastrophen gerüstet zu sein, versammelten sich am 12. 3. 2008 im BKA in Wiesbaden Kriminalbeamte, Rechtsmediziner und Zahnärzte, um für den Ernstfall aufeinander eingespielt zu sein. Die Leitung dieser eintägigen Tagung lag in den Händen von Kriminaloberrätin Lynn Aspinall und ihrem Team.

Nach der Begrüßung durch den Vizepräsidenten des Bundeskriminalamtes, Prof. Dr. Jürgen Stock, und den Leiter der Abteilung Zentrale Dienste (ZD) des BKA, Peter Henzler, gaben Lynn Aspinall und die Kriminalhauptkommissarin Petra Krumm einen Überblick über die aktuellen Abläufe und Verfahrensweisen im Einsatzfall der IDKO. Wie ein Identifizierungsprozess von der Fotodokumentation über die daktyloskopischen und rechtsmedizinischen Untersuchungsprozesse bis zur Erhebung des Zahnstatus (einschließlich der Anfertigung von Röntgenbissflügelaufnahmen) abläuft, wurde anhand eines Lehrfilms, der unter der Regie von Kriminalhauptkommissarin Martina Kriegeskorte gedreht wurde, eindrucksvoll demonstriert.

Die Bedeutung der elektronischen Datenverarbeitung beim Identifizierungseinsatz mithilfe eines in Skandinavien entwickelten Computerprogramms, welches sich bereits beim Tsunami-Einsatz bestens bewährt hat, wurde von Kriminaloberkommissar Attila Höhn überzeugend präsentiert. Zur Minimierung beziehungsweise Vermeidung von posttraumatischen Belastungsstörungen im Anschluss an ein Großschadensereignis wird den Einsatzkräften eine professionelle psychosoziale Unterstützung (PSU) angeboten: Hierzu stellte die Dipl.- Psychologin Katja Brendler das derzeitige PSU-Konzept der IDKO vor.

Einsatzvorbereitung in Rechts- und Zahnmedizin

Während Univ.-Prof. Dr. Hansjürgen Bratzke vom Institut für Forensische Medizin im Klinikum der Johann-Wolfgang- Goethe Universität Frankfurt durch die Fortbildung der aus ganz Deutschland angereisten Rechtsmediziner führte, wurden die teilnehmenden Zahnmediziner durch Priv.- Doz. Dr. Rüdiger Lessig, Leipzig, und Dr. Dr. Claus Grundmann, Duisburg, in die zahnmedizinischen Einsatzabläufe der IDKO eingeführt. Priv.-Doz. Dr. Lessig erläuterte die zahnärztlichen Tätigkeiten im IDKO-Einsatz anhand von Beispielen undstellte ausgewählte Identifizierungsfälle aus zurückliegenden Einsätzen vor. Dass die Zusammensetzung der dentalen Legierungen Rückschlüsse auf das Heimatland der/des Verstorbenen zulässt, wurde durch eine von Dr. Lessig betreute Dissertation ausführlich belegt. Mithilfe eines Originalkieferpräparats führten KOK Höhn und Dr. Dr. Grundmann die Dateneingabe in die Identifizierungssoftware durch. Die post-mortem Röntgenbefunde (Bissflügelaufnahmen) wurden ebenso in das EDV-System eingepflegt wie ante-mortem erhobene Zahnbefunde und ante-mortem angefertigte Röntgenbilder. So konnten die teilnehmenden Zahnärzte „aktiv” einen aktuellen Fall bearbeiten und zur Identifizierung mithilfe des Zahnstatus führen.

Zusammenfassung

Der eintägige Workshop im BKA hat gezeigt, wie wichtig die regelmäßigen Fortbildungen und Einübungen der Arbeitsabläufe für das IDKO-Team (Kriminalbeamte, Rechtsmediziner und Zahnärzte) sind. Allen Beteiligten ist bewusst, dass eine erfolgreiche Identifizierung unter Umständen entscheidend von den Unterlagen und Informationen abhängen, die die niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzte der Identifizierungskommission im Einsatzfall zur Verfügung stellen. Hierzu zählen – neben dem Zahnstatus – die zahnärztliche Behandlungskarteikarte mit ihren detaillierten Informationen, die verschiedensten zahnärztlichen Röntgenaufnahmen, Heil- und Kostenpläne für Prothetik und Kieferorthopädie, Gipsmodelle, Rechnungen und mehr.

Die Leitung der Identifizierungskommission des Bundeskriminalamtes dankte für die ausgezeichnete Kooperation mit den Deutschen Zahnmedizinern in den zurückliegenden Jahrzehnten. Dieser Dank ist natürlich mit der Hoffnung verbunden, dass die Identifizierungskommission auch bei ihren zukünftigen Einsätzen mit der Unterstützung der Deutschen Zahnärzteschaft rechnen kann.

Dr. Dr. Claus Grundmann
Sachverständiger der
Identifizierungskommission
Viktoriastr. 8, 47166 Duisburg

KOR’in Lynn Aspinall
Leitung der Identifizierungskommission
ZD 37 – IDKO
Bundeskriminalamt
Thaerstr. 11, 65193 Wiesbaden
idko@bka.bund.de

INFO

Tipps zur Mithilfe bei Identifizierungen

Im Falle eines Einsatzes der Identifizierungskommission des Bundeskriminalamtes ist es möglich, dass auch Ihre Zahnarztpraxis von Kriminalbeamten aufgesucht wird, um Gewissheit über eine vermisst gemeldete Person zu erhalten, die zu Lebzeiten von Ihnen zahnärztlich behandelt wurde. Der Zahnarzt sollte den Kriminalbeamten eine Einsichtnahme in die zahnärztliche Karteikarte gewähren, Röntgenbilder, Gipsmodelle und gegebenenfalls weitere Unterlagen, die für eine (zahnärztliche) Identifizierung hilfreich sein können, herausgeben.


 

Weitere Bilder
Bilder schließen