Zahnärztliche Versorgung in Großbritannien

Die Lage wird deutlich schlechter

Jeder zweite Patient in Großbritannien besucht nicht länger regelmäßig einen Zahnarzt. Das geht aus aktuellen Zahlen des Londoner Gesundheitsministeriums hervor. Demnach ist die Versorgungslage trotz vieler Versprechungen der Labour-Regierung in den vergangenen fünf Jahren deutlich schlechter geworden.

 

 

Laut Londoner Gesundheitsministerium haben allein in den vergangenen zwei Jahren landesweit rund zwei Millionen Patienten ihren Zugang zu einem Zahnarzt des staatlichen Gesundheitsdienstes (National Health Service, NHS) verloren. Grund dafür ist oftmals, dass wenn sich ein älterer NHS-Zahnarzt zur Ruhe setzt, kein Nachfolger gefunden werden kann. Dann wird die Praxis entweder geschlossen oder ein privat praktizierender Kollege übernimmt das Zepter. Viele Patienten können sich Privatbehandlungen nicht leisten.

Die Arbeitsplatzsituation und die Verdienstmöglichkeiten für Zahnärzte, die im staatlichen Gesundheitsdienst praktizieren, sind nach wie vor deutlich schlechter als in der Privatzahnmedizin. Zwar hatte der ehemalige Premierminister Tony Blair während seiner Regierungszeit mehrfach versprochen, die Versorgungslage zu verbessern. Das ist allerdings bisher offenbar nicht geschehen, wie zahnärztliche Berufsverbände und Patientenorganisationen wiederholt feststellten.

Rechnung an den Premierminister

„Wir kennen Patienten, die ihre Rechnungen vom privaten Zahnarzt mittlerweile aus Protest direkt in die Downing Street zu Händen Premierminister Gordon Brown schicken“, so ein Sprecher der „Patients Association“ (PA) in London. Laut PA haben inzwischen rund 50 Prozent der britischen Patienten keinerlei Zugang mehr zur staatlichen Zahnmedizin. Damit sei die Versorgungslage „schlechter als je zuvor“. Die PA verlangt von Gesundheitsminister Alan Johnson mehr Finanzmittel und die Schaffung attraktiverer Rahmenbedingungen, um junge Zahnärzte zu motivieren, anstatt in privater Praxis unter staatlicher Regie zu arbeiten. Das dürfte laut Experten allerdings nicht leicht sein, da private Zahnärzte im Königreich überdurchschnittlich gut verdienen.

Stiefmütterlich behandelt

NHS-Zahnärzte praktizieren seit dem 1. April 2006 unter neuen Bedingungen, die im „NHS-Arbeitsvertrag 2006“ festgeschrieben sind. Das Londoner Gesundheitsministerium argumentiert, dieser neue Vertrag verbessere die Verdienst- und Karrierechancen „erheblich“. Zahnärztliche Berufsverbände widersprechen dieser Aussage. „Staatliche Zahnärzte werden von den Gesundheitspolitikern nach wie vor stiefmütterlich behandelt“, so ein Sprecher des britischen Zahnärztebundes (British Dental Association, BDA) in London.

Arndt Striegler
Grove House
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