Herz-Kreislauferkrankung

Medikamentöser Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall

Nicht nur durch eine gesündere Lebensweise und durch die konsequente Behandlung von Hypertonie und Hyperlipidämie lässt sich kardiovaskulären Ereignissen vorbeugen. Auch unabhängig vom Blutdruck können Wirkstoffe, wie Ramipril und Telmisartan, die üblicherweise zur Blutdrucksenkung eingesetzt werden, einer neuen Studie zufolge einen direkten Herz- und Gefäßschutz bewirken.

Herz-Kreislauferkrankungen stellen nach wie vor die Haupttodesursache in der westlichen Welt dar. Einen gewissen Schutz vor kardiovaskulären Komplikationen können Risikopatienten erfahren, wenn sie mit Wirkstoffen wie dem Kalziumantagonisten Ramipril oder mit dem Angiotensin 1-Antagonisten Telmisartan behandelt werden. Das hat die ONTARGET-Studie (ONgoing Telmisartan Alone and in combination with Ramipril Global Endpoint Trial), eine groß angelegte Doppelblindstudie ergeben, deren Ergebnis jetzt erstmals bei der 57. Jahrestagung des American College of Cardiology (ACC) in Chicago vorgestellt wurde.

In der Studie wurden mehr als 25 000 Frauen und Männer über 55 Jahre mit normalen Blutdruckwerten, die bereits eine Koronare Herzerkrankung, einen Diabetes mellitus und/oder eine periphere arterielle Verschlusskrankheit aufwiesen oder die einen Schlaganfall hinter sich hatten, fünf Jahre lang mit 80 mg Telmisartan, 10 mg Ramipril oder einer Kombination der beiden Medikamente behandelt. Es zeigte sich, dass bei den Patienten, die mit Telmisartan behandelt wurden, ebenso viele Herzund Gefäßkomplikationen auftraten wie unter Ramipril, dessen kardioprotektive Wirksamkeit bereits in früheren Studien gut dokumentiert wurde.

So war bereits vor Jahren in der HOPE-Studie (Heart Outcome Prevention Evaluation Study) nachgewiesen worden, dass Ramipril unabhängig vom Blutdruck die Rate an Herzinfarkten und Schlaganfällen um gut 20 Prozent senkt.

„Die gleiche Schutzwirkung wird offenbar durch Telmisartan vermittelt“, berichtete Professor Dr. Michael Böhm aus Homburg. Keinen weiteren Vorteil aber brachte nach dem Ergebnis der ONTARGET-Studie die Kombination der beiden Substanzen.

Hohe Schutzwirkung bei guter Verträglichkeit

Bei gleicher Schutzwirkung hat der Angiotensin 1-Antagonist nach Böhm zudem einen deutlichen Pluspunkt: „In der Studie wurden eindeutige Vorteile bei der Verträglichkeit gesehen. Es trat vor allem sehr viel seltener Husten auf und auch die Gefahr eines Angioödems war viel geringer“.

Die bessere Verträglichkeit aber erleichtert laut Dr. Sarah Jarvis, London, die langfristige Einnahme: „Wir haben gerade in der Sekundärprävention mit der Compliance der Patienten zu kämpfen. Je besser verträglich die Medikamente sind, umso eher werden sie tatsächlich langfristig eingenommen, wie dies für einen effektiven Gefäßschutz erforderlich ist.“

„ONTARGET ist eine Meilensteinstudie zur Sekundärprävention“, fasste Böhm zusammen. Denn die Studie hat die bislang größte Zahl an Risikopatienten in einer Industriegesellschaft untersucht. Es ist eine Proof of Concept-Studie, da sie beweist, dass die Annahme stimmt, durch eine Hemmung des Renin-Angiotensin-Systems (RAAS) mit einem AT1-Antagonisten blutdruckunabhängig das kardiovaskuläre Risiko minimieren zu können. Bei der Interpretation der Daten aber ist nach Böhm Vorsicht geboten: „Es ist nicht zulässig, von einem Klasseneffekt auszugehen und die Daten ungeprüft auf andere Wirkstoffe, die das RAAS hemmen, zu übertragen.“

Christine Vetter
Merkenicher Straße 224
50935 Köln