Gesunder Betrieb

Eine neue Schule für den Rücken

Rund 80 Prozent der Bevölkerung leiden im Laufe ihres Lebens unter Rückenschmerzen. Mit der „Neuen Rückschule“ hat die Konföderation der deutschen Rückenschulen eine ganzheitliche Präventionsstrategie vorgelegt.

Rückenschmerzen hat fast jeder von uns schon einmal erfahren. Ein steifer Nacken oder leichte Verspannungen sind meist schon nach kurzer Zeit vergessen, doch schnell werden daraus chronische Schmerzen. Auch viele Zahnärzte sind laut einer repräsentativen Studie des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) betroffen. Rund 40 Prozent der befragten Zahnärzte gaben an, dass sie am Erhebungstag Nacken- oder Rückenschmerzen hatten. Frauen waren um zehn Prozent häufiger betroffen.

Auf die Beeinträchtigungen des Einzelnen folgen laut Bundesgesundheitsministerium Kosten in Milliardenhöhe: Ausgaben für Behandlung, Arbeitsausfälle und Frühberentungen belasten das Gesundheitsystem und die Wirtschaft.

Konzept für Körper und Psyche

Wissenschaftliche Studien zeigen der Konföderation der deutschen Rückenschulen (KddR) zufolge vielfältige Ursachen für das Volksleiden. Grund seien vielfach Muskelverspannungen, die durch Fehlhaltungen, einseitige Belastung und zu wenig Bewegung entständen. Zudem genügten Alltagsprodukte wie Büromöbel oder Matratzen häufig nicht den medizinischen Anforderungen und förderten die Genese.

Untersuchungen belegten jedoch auch: Es reicht nicht, lediglich auf körperliche Faktoren zu schauen, um den Schmerz dauerhaft zu bannen. Psychische Faktoren wie Stress, Angst, Arbeitsunzufriedenheit und Depression begünstigen, dass die Beschwerden chronisch werden. Die Konförderation entwickelte mit der „Neuen Rückenschule“ ein Konzept, das sowohl körperliche als auch mentale Aspekte einschließt.

Arbeitsunzufriedenheit und Depression begünstigen, dass die Beschwerden chronisch werden. Die Konförderation entwickelte mit der „Neuen Rückenschule“ ein Konzept, das sowohl körperliche als auch mentale Aspekte einschließt.

Balance zwischen Freude und Pflicht

Das Konzept setzt auf Verhaltens- und Verhältnisprävention: Die Kursteilnehmer sollen gesundheitsgefährdende Gewohnheiten ändern, Risiken in ihrer Umwelt kontrollieren und reduzieren. Mithilfe pädagogischpsychologischer Vermittlungsstrategien appellieren die Rückenschullehrer an die Eigenverantwortlichkeit und die Fähigkeit zum selbstwirksamen Handeln. „Bei Verhaltensänderungen des Menschen spielen Schmerzvermeidung und Lustgewinn eine wichtige Rolle“, betonte Sportwissenschaftler Dr. Udo Niesten-Dietrich. Das Schulungskonzept zielt daher auf die langfristige Balance zwischen Freude und Pflicht.

Aktivität im Alltag

Im Kurs lernen die Teilnehmer, dass Rückenschmerzen meistens nicht dramatisch sind und nur selten ernsthafte Erkrankungen nach sich ziehen. Sie lernen Strategien der Stressbewältigung und erfahren, wie sie regelmäßige körperliche Aktivität in ihren Alltag integrieren können.

Der Kursleiter vermittelt ihnen, wie sie ihr persönliches Umfeld, ob am Arbeitsplatz oder zu Hause, rückenfreundlich gestalten können. Hilfreich sei etwa das Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken (AGR) für ergonomische und orthopädische Produkte.

Übungen für zwischendurch

Um Rückenschmerzen vorzubeugen und bereits bestehende Beschwerden zu lindern, empfehlen KddK und AGK einen Mix aus Dehn-, Kräftigungs- und Koordinationsübungen. Zum Einstieg und Aufwärmen eigne sich einfaches Dehnen gut. Hier zwei ausgewählte Übungen:

1. Für die Schultern:
Umfassen Sie mit der einen Hand das Gelenk der anderen und ziehen den Arm über den Kopf zur Gegenseite. Halten Sie die Spannung etwa zehn Sekunden und wiederholen die Übung mit dem zweiten Arm.

2. Für die Oberarmmuskeln:
Strecken Sie einen Arm senkrecht nach oben und beugen den Ellbogen so weit wie möglich hinter den Kopf. Anschließend mit der anderen Hand den Ellbogen in Richtung der gegenüberliegenden Schulter ziehen. Spannung etwa zehn Sekunden halten und dann den Arm wechseln.

Ob mit Turnstab, Hanteln, Gymnastikmatte, Thera-Band oder Powerball – die Konföderation hat verschiedene Übungen für Rücken, Wirbelsäule, seitliche Rumpfmuskulatur sowie Schulter- und Brustmuskeln zusammengestellt. Mehr dazu gibt es unter www.agr-ev.de/uebungen. jr

Infos über die KddR: http://www.kddr.de
Medien für Betroffene: http://www.agr-ev.de/betroffene/medien

INFO

Konföderation der deutschen Rückenschulen

Die Konföderation der deutschen Rückenschulen (KddR) ist ein Zusammenschluss von neun Fachverbänden des Gesundheitssports und der Bewegungstherapie in Deutschland. Diese vertreten nach eigenen Angaben bundesweit rund 60000 Physiotherapeuten, Sport- und Gymnastiklehrer, Sportwissenschaftler und Orthopäden. Ziel des 2004 mit Unterstützung der Bertelsmann-Stiftung gegründeten Bündnisses war es, die Ausbildung zum Rückenschullehrer zu vereinheitlichen sowie die Prävention zu verbessern. Das Ergebnis ist die Neue Rückenschule. Sie fungiert als bundesweite Richtlinie und Qualitätsstandard.  

INFO

Ausfallgrund Nummer eins

Immer mehr Arbeitnehmer fehlen wegen Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems, berichtet die Barmer. Die Ausfalltage hätten sich gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent erhöht. Mit 23,5 Prozent Anteil am Krankenstand belegten Rückenleiden den Spitzenplatz im Gesundheitsreport für 2007. Zudem verursachten sie mit einem jährlichen Bruttowertschöpfungsverlust von 15,5 Milliarden Euro enorme volkswirtschaftliche Kosten.

Die Zahl chronisch Rückenkranker steigt – nach den Kassendaten von rund 1,4 Millionen Versicherten – mit dem Alter sprunghaft an: Zwischen 41 und 59 Jahren machen sie unter den Muskel-Skelett-Erkrankungen gut 60 Prozent der Fehlzeiten aus. Bei Berufstätigen bis 29 Jahre sind es dagegen rund fünf Prozent. Zwischen 30 und 44 Jahren wächst ihr Anteil bereits auf über 22 Prozent.

Mehr dazu: http://www.barmer-unternehmen.de
 

 

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