Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

dass Compliance zwischen Patient und Arzt wichtig ist, stellt wohl so gut wie kein Fachmann in Frage. Selbstverständlich gilt für das Zusammenspiel zwischen Zahnarzt und Patient das Gleiche. Aber was ist mit der Compliance zwischen Arzt und Zahnarzt? Oder gar einem „Dream-Team“, denkend und handelnd als Konsultationseinheit aus Patient, Zahnarzt und Arzt?

Medizinisch liegt es eigentlich auf der Hand: Folge- oder auch systemische Erkrankungen erfordern interdisziplinäre Zusammenarbeit. Wie wichtig sie für das Verständnis von Abhängigkeiten verschiedener Krankheitsbilder – und damit letztlich auch für das Wohl von Patienten – sein kann, verdeutlichen zum Beispiel die in diesem Heft ausführlich dargestellten Interdependenzen zweier Krankheiten, die in den letzten Jahren mehr und mehr in den Fokus fachlichen wie öffentlichen Interesses geraten: Parodontitiden und Diabetes.

Der Umgang von Diabetikern mit ihrer Krankheit erfordert von Anfang an ein hohes Maß an Disziplin. Gerade Typ 1-Kranke werden dezidiert aufgeklärt und im Umgang mit ihrer Krankheit geschult.

Dass Parodontitiden zum Umkreis assoziierter Krankheiten des Diabetes zählen, bestätigen zahlreiche Querschnittsstudien. Danach ist das Risiko für die Entstehung einer Parodontitis bei Diabetikern um das rund Dreifache erhöht. Umgekehrt wird immer deutlicher, dass parodontale Erkrankungen auch ein erhöhtes Risiko für diabetesassoziierte Komplikationen darstellen.

Und ebenso wichtig: Eine effektive PAR-Therapie wirkt sich auch positiv auf die glykämische Einstellung parodontal erkrankter Diabetiker aus. Deswegen fordern die Autoren unserer Titelgeschichte: Die Behandlung von Parodontopathien muss integraler Bestandteil des Diabetesmanagements werden. Eine am konkreten wissenschaftlichen Wissensstand aufgezeigte Maßgabe, die anschaulich belegt, dass an der Akzeptanz einer systemisch ganzheitlichen Sicht zahnärztlicher Aufgaben im gesamtmedizinischen Spektrum kein Weg vorbei gehen kann.

Also doch Hoffnung auf mehr Verständnis für die Forderung nach Compliance im Dreier-Team Patient, Zahnarzt und Arzt? Die Fakten sprechen jedenfalls dafür, dem Patienten sollte man es wünschen.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur