Zertifikate kaufen

Mit Risiken und Nebenwirkungen

Zertifikate überschwemmen den Markt. Kaum ein Depot, das ohne diese phantasievoll gestalteten Papiere auskommt. Doch die wenigsten privaten Anleger wissen, ob es sich dabei um Schätze oder Zeitbomben handelt. Denn häufig passiert es, dass die Bankkunden schon beim Kauf über die wirklichen Risiken im Unklaren gelassen bleiben – in unruhigen Zeiten wie jetzt ein gefährliches Unterfangen.

„Diese Krise ist anders – ein Ereignis, wie es ein- oder zweimal pro Jahrhundert vorkommt, tief verwurzelt in den Ängsten vor der Insolvenz großer Finanzinstitutionen“, so schreibt es der ehemalige US-Notenbank-Chef Alan Greenspan in einem Beitrag für die britische Financial Times. Was mit einem Einbruch bei den amerikanischen Hypothekenbanken begann, weitete sich zu einer weltweiten Finanzkrise aus, deren Ende immer noch nicht erreicht ist. Eine Folge davon war der Kurssturz an den Börsen und die Flucht der Anleger aus den Aktien. Da schlug auch für die Besitzer zahlreicher Zertifikate die Stunde der Wahrheit.

Gehen die Börsen auf Talfahrt, zeigt sich, wie stark der Kapitalschutz der Zertifikate tatsächlich ist. Ende Juni wurden an der Stuttgarter Börse an zwei Tagen 2 750 Mal die bei Bonusund Teilschutzzertifikaten eingebauten Sicherheitsgrenzen verletzt. An normalen Tagen passiert es etwa 145 Mal.

So hoch dürften die wenigsten Anleger die Gefahr, dass sie mit Bonuszertifikaten Verluste erleiden könnten, kaum eingeschätzt haben. Zwar führt dieser Crash nicht automatisch zum Totalverlust. Nur verfällt der Bonus am Ende der Laufzeit.

Dabei handelt es sich bei dieser Zertifikate-Gattung noch um eine relativ einfache und durchschaubare Variante. Zusammen mit Discount- und Garantiezertifikaten gehören sie zu den Lieblingen der Anleger. Gern wiegen Bankberater ihre Kunden in scheinbarer Sicherheit, dass sie mit diesen Papieren eigentlich nur gewinnen können. Viele Berater und Verbraucherschützer aber raten vom Kauf solcher Papiere ab. Sie weisen darauf hin, dass es sich bei Zertifikaten in Wirklichkeit um Wetten auf einen Basiswert handelt, der sich in die eine oder andere Richtung entwickeln kann. Und Wetten im Finanzgeschäft sind gefährlich. Denn tatsächlich weiß wirklich niemand, wohin sich die Kurse von Aktien, Indizes oder Rohstoffpreisen entwickeln werden. Die Wetten basieren also auf reiner Spekulation.

Den Hauptgrund sieht Verbraucherschützer Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale eigentlich woanders: „Die Produkte sind nicht das Problem, sondern die Berater, die selbst nicht begreifen, was sie verkaufen und der Kunde, der schon gar nicht begreift, was er sich da einhandelt.“ Um Chancen und Risiken tatsächlich selbst beurteilen zu können, sollten Anleger aber den Aufbau eines Zertifikates verstehen. Erst dann darf es ins Depot wandern. Schon bei den scheinbar einfachen Konstruktionen gibt es viel zu beachten bei Bonus-, Discount- und Garantiezertifikaten.

Glücksspiel um den Bonus

Bonuszertifikate wirken verlockend, für Anleger, die vor dem Kauf einer Aktie zurückschrecken. Das Risiko, dass der Kurs des Papiers fallen könnte und sie einen Wertverlust erleiden könnten, erscheint ihnen zu groß. Ein Bonuszertifikat, dessen Basiswert die gewünschte Aktie ist, verspricht dagegen größere Sicherheit. Unterschreitet das Papier während der gesamten Laufzeit eine bestimmte Schwelle nicht, bekommt der Anleger einen Bonus. Steigt der Kurs mehr als erwartet, streicht er auch den Kursgewinn ein, wenn der Anteil des Kunden nicht mit einem Cap begrenzt ist. Damit ist eine Höchstgrenze des Kurses gemeint, bis zu der Käufer profitieren. Alles was darüber hinausgeht, sowie die Dividende allerdings kassiert der Emittent. Das ist sein Ausgleich für das Sicherheitsnetz, das er bietet.

Die Gefahr bei einem Bonuszertifikat liegt im Sicherheitspuffer. Ist er nicht groß genug, kann in Zeiten stark schwankender Kurse die Untergrenze leicht mal unterschritten werden. Passiert das einmal, ist der Bonus weg. Dann findet sich der sicherheitsbewusste Anleger doch in der Rolle des Aktionärs wieder, allerdings ohne Dividende.

Ein solches Erlebnis hatten Ende Juni die Besitzer von gut 400 Fortis-Bonuszertifikaten, die an der Stuttgarter Börse notiert sind. Die Aktie des belgisch-niederländischen Finanzkonzerns verlor rund 20 Prozent ihres Werts. Bei etwa der Hälfte der Bonuszertifikate reichte der Puffer nicht. Die versprochene Rendite war damit hinfällig.

Inzwischen stellen sich die Emittenten auf die schwankenden Kurse ein und bieten dickere Puffer bei Bonuszertifikaten an. Dennoch sollten sich Anleger vor dem Kauf des Zertifikats darüber im Klaren sein, dass sie eine Put-Option auf den Basiswert kaufen, die über eine Laufzeit von mehreren Jahren halten muss. Und wer kann schon voraussagen, dass der Basiswert sich wie erwartet verhalten wird? In diesen Zeiten niemand!

Bezieht sich das Bonuszertifikat auf nur eine Aktie, bleibt es für den Anleger noch durchschaubar. Wesentlich komplizierter und damit risikoreicher sind Multi-Bonus-Zertifikate. Dabei handelt es sich meist um Basket-Zertifikate, also Körbe mit ausgewählten Aktien. Auch diese Zertifikate sind mit einem Puffer ausgestattet. In solch kombinierten Papieren lassen sich für die Banken attraktive Gebühren verstecken. Der Käufer muss außerdem verschiedene Werte ständig im Blick haben. Verletzt nur einer von ihnen die Bonusschwelle, ist die oft hohe Rendite dahin.

So geschah es Anfang des Jahres mit einem Merrill Lynch Auto-Basket II. Darin enthalten sind General Motors, Ford Fiat und Volkswagen. Außerdem ist das Papier mit einem Cap ausgestattet. In diesem Fall durfte keine der Aktien um mehr als 40 Prozent fallen. Dann hätte der Anleger zum 29. Dezember 2008 eine Bonusrendite von 60 Prozent kassiert. Doch die GM-Aktie unterschritt die Barriere von 23,51 Dollar und der Bonus verfiel.

Ein solches Papier ist generell mit Vorsicht zu genießen. Je mehr Aktien der Korb enthält, desto höher das Risiko. Der Experten-Tipp lautet: Jedes einzelne Papier sollte mit einem Puffer von mindestens 40 bis 60 Prozent ausgestattet sein. Dabei sollten exotische Titel und Indizes aus Schwellenländern sowieso ausgeschlossen sein.

An fallenden Kursen wollen die Emittenten sich und ebenfalls ihre Klientel verdienen lassen. Deshalb bieten sie inzwischen auch Reverse-Bonus-Zertifikate an. Dabei liegt der Schwellenwert nicht unterhalb sondern oberhalb des Ausgangskurses.

Bonuszertifikate eignen sich vor allem für ruhige Börsenzeiten. Nur dann besteht die berechtigte Aussicht auf Erhalt des Bonus. Schwanken die Kurse stark, erhöht sich die Gefahr, dass die Sicherheitsschwelle berührt wird und der Bonus verloren geht. Wer sich dennoch für ein solches Produkt entscheidet, sollte zumindest auf einen starken Puffer achten.

Der Reiz des kleinen Preises

Discountzertifikate ermöglichen den Kauf einer Aktie mit Rabatt. Dafür ist die maximale Gewinnchance begrenzt. Aufgebaut sind diese Papiere aus einem Basiswert meist einer Aktie und dem Verkauf einer Call-Option. Der Erlös aus der Option kommt – nach Abzug eines Gewinnanteils für den Emittenten – dem Anleger in Form eines Discounts zugute. Das heißt: Je attraktiver der Call ist, desto höher fällt der Rabatt aus. Entsprechend interessant ist die Rendite.

So kann es zum Beispiel sein, dass eine Aktie 60 Euro kostet und der Anleger nur 45 Euro zahlen muss. Demzufolge fallen die Verluste des Zertifikats bei einem sinkenden Aktienkurs geringer aus als bei einer direkten Anlage. Fällt der Kurs beispielsweise auf 42 Euro, haben die Aktionäre 30 Prozent verloren, der Zertifikat-Besitzer etwa sieben. Sinkt sie auf nur 55 Euro, macht der Discounter einen Gewinn von 22 Prozent. Steigen die Kurse, verdienen die Anleger bis zum festgelegten Höchstbetrag, dem Cap; legt der Kurs stark zu, verdient der Anleger keinen Cent mehr. Geeignet ist diese Spezies bei stark schwankenden Kursen. Allerdings sollte es sich immer um einen soliden Wert handeln, dessen Kursausschläge in einem seriösen Rahmen stattfinden.

Das wichtigste Auswahlkriterium ist der Basiswert. Das kann ein Index oder eine Aktie sein. Für den Risikopuffer eines Discountzertifikats – das Abgeld – gilt, je höher er ausfällt, desto niedriger ist der Festbetrag im Vergleich zum aktuellen Kurs des Basiswerts. Entsprechend geringer fallen die Gewinnchancen aus. Ebenfalls wichtig ist der so genannte Spread. Damit ist die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs gemeint. Er fällt im Regelfall umso geringer aus, je häufiger das Papier gehandelt wird.

Interessant sind Discountzertifikate in Zeiten leichter Schwankungen. Steigen die Kurse heftig, lohnt es sich eher, den Basiswert direkt zu kaufen, um den vollen Gewinn zu kassieren.

Wo der Zins drin steckt

Vor allem in Krisenzeiten sehnen sich die Anleger nach Sicherheit. Garantierte Rückzahlung des eingesetzten Kapitals versprechen Garantiezertifikate. Sie gehören inzwischen zu den beliebtesten Varianten der Derivate. Um die eingebaute Garantie gewährleisten zu können, kaufen die Banken für einen Teil des eingesetzten Kapitals Zerobonds. Das sind Null-Kupon-Anleihen, bei denen der Zins im Kurs steckt. Dabei richtet sich der Kurs nicht nach nur dem zum Ausgabezeitpunkt herrschenden Zinsniveau sondern auch nach der Laufzeit. Am Ende wird die Anleihe zu 100 Prozent zurückgezahlt. Den Rest des Kapitals verwenden die Emittenten für die Ertragskomponente. Schließlich soll das Zertifikat bei aller Sicherheit auch noch einen Gewinn abwerfen. Dafür werden Optionen auf den jeweiligen Basiswert gekauft. Meistens handelt es sich um Aktienindizes. Bei steigender Börse bringen die Papiere Gewinn, an den Verlusten partizipiert der Anleger nicht. Den Einsatz zurück gibt es nur für den, der bis zum Ende durchhält. Allerdings garantiert nicht jedes Zertifikat die Rückzahlung des vollen Kapitaleinsatzes. Manche Institute zahlen nur 80 oder 95 Prozent der eingezahlten Summe wieder aus, der Ausgabeaufschlag ist in jedem Fall weg.

Der Garantiefall tritt immer erst bei Fälligkeit ein. Entsprechend dem zugrunde liegenden Zerobond haben die meisten Garantiezertifikate eine Laufzeit von mehreren Jahren. Steigt der Index wie zum Beispiel der DAX, gibt es einen Extragewinn.

Steuerlich betrachtet galten die Garantiezertifikate in der Vergangenheit als eher unattraktiv. Denn die Erträge aus dieser Finanzinnovation unterliegen dem persönlichen Steuersatz. Doch mit Einführung der Abgeltungssteuer zum 1. Januar 2009 gilt für dieses Produkt der Abzug von 25 Prozent.

In einem Test untersuchte Finanztest sieben Garantiezertifikate, die ausschließlich in Aktien investierten. Sie wollten herausfinden, wie viel vom Gewinn der Emittent an die Anleger weiter reicht. Sieger war die Schweizer Bank Vontobel. Sie gönnte ihren Kunden 95,1 Prozent des Kursanstiegs des Zertifikats Europa Dividend Protect 100 – Partizipation 100. Sinken die Kurse, bleibt der Kunde nur auf dem Ausgabeaufschlag von 2,5 Prozent sitzen. Zwar gibt die Privatbank die Dividenden nicht an die Anleger weiter, doch zeichnet sich das Zertifikat durch besonders hohe Transparenz aus. Verlierer war die Ikarus Garant Anleihe des Bankhauses HBSC Trinkaus & Burkhardt. Dabei bekommt der Anleger nur 21,5 Prozent vom Anstieg des Basiswertes. Der Grund: Erreicht der DAX einmal in der zweijährigen Laufzeit mindestens 25 Prozent des Startwerts, bekommt der Sparer am Ende der Laufzeit nur eine Rendite von 3,4 Prozent pro Jahr.

Vorbereitung statt Vertrauen

Dieses Beispiel zeigt, wie schwierig es für den Amateur-Anleger ist, die Konstruktion eines Zertifikats zu durchschauen. Simulationsberechnungen, wie Finanztest sie anstellt, kann kaum ein Laie durchführen. Er muss auf die Erklärungen seines Bankberaters vertrauen. Und ist damit häufig verraten und verkauft. Zu oft kommt es vor, dass der angebliche Fachmann selbst die Konstruktion des von ihm angepriesenen Produkts nicht verstanden hat. Er muss verkaufen und hat dafür in den entsprechenden Schulungen die richtigen Schlagworte gelernt. Diese Floskeln sind es auch, die Uwe Wystup, Professor für Quantitative Finance an der Frankfurt School of Finance & Management, anprangert. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung übersetzte er einige davon: „Der Verlust einer Kursverfallsicherung im Bonuszertifikat wird zum Beispiel schön verpackt als ‚Erreichen der Sicherheitsschwelle’. Der Kapitalverfall wegen fallender Kurse wird bezeichnet als ‚voll am Aktienkurs partizipieren.’ Das ist juristisch einwandfrei, aber ist etwa so gehaltvoll wie eine Büttenrede.“

Und fast immer zieht das Versprechen „Kleiner Einsatz bringt die Möglichkeit eines großen Gewinns“. Denn Zertifikate erlauben für relativ wenig Geld die Teilnahme privater Anleger an Märkten, wo hoch gewettet wird, und die ihnen normalerweise verschlossen sind.

Wollen sie sich dort engagieren, erfordert dieser Schritt eine sehr gute Vorbereitung. Mündige Anleger lesen sich das gesamte Informationsmaterial durch. Das ist nötig, denn die Hinweise auf die Gefahrenquellen stehen meistens am Ende des Kleingedruckten. Voraussetzung für das Verständnis ist natürlich das Erlernen der Terminologie. Einige Banken und Emittenten reichen an ihre Kunden sehr gutes Informationsmaterial aus. Ohne ausreichendes Wissen sollte sich niemand auf das Abenteuer Zertifikate einlassen. So sieht es auch Uwe Wystup: „Bei allen Vorteilen von Zertifikaten muss man festhalten, dass sie nicht zu den einfachsten Assets (Anlagemöglichkeiten) zählen, sondern ein gewisses zeitliches und intellektuelles Engagement verlangen.“

Marlene Endruweit
m.endruweit@netcologne.de

INFO

Nützliche Adressen im Internet

Deutsches Derivate Institut: www.ddi.de
Derivate Forum: www.derivate-forum.de
Ratingagentur Scope: www.scope.de
European Derivates Group: www.derivates-group.de
FWW: www.fww-ratings.de
Finanzinformationen: www.finanztreff.de
Portal für Zertifikate und Optionen: www.scoach.de

Alles über Zertifikate: www.zertifikateweb.de

INFO

Sicherheit gefragt

Komplizierte Konstruktionen und mangelnde Transparenz sind die Hauptkritikpunkte der Anlegerschützer an den Zertifikaten. Den Amateuren unter den Investoren dürfte es kaum gelingen, Produkte einer Gattung von verschiedenen Emittenten miteinander zu vergleichen. Hilfestellung geben dabei die Ratingagenturen. Drei Firmen versuchen sich jetzt daran, die mehr als 330 000 Zertifikate zu bewerten.

• Die Berliner Scope untersucht seit drei Jahren Zertifikate. Seit vier Monaten profitieren auch die privaten Anleger davon. Diese können die Urteile über 140 000 Produkten auf mehr als 1 000 Basiswerten ein-sehen. Die Höchstnote sind fünf Sterne. Als Kriterien fließen ein: das Chance-Risiko-Verhältnis inklusive der Kosten, die Handelsqualität und die Bonität des Emittenten. Anlegerschützer Thomas Bieler hat Bedenken, ihm geht die Beurteilung nicht tief genug.

• Sieben von 18 Mitgliedern des Deutschen Derivate Verbands (DDV) finanzieren das Rating der European Derivates Group (EDG). Mit dabei sind BNP Parisbas, Deutsche und Dresdner Bank, Goldman Sachs, Sal. Oppenheim und die WGZ Bank. Bei diesem Rating wird nach wissenschaftlichen Methoden recherchiert und bewertet. Die Anleger werden in fünf Risikoklassen von sicherheitsorientiert bis spekulativ eingeteilt. Für jede dieser Klassen be-kommt ein Zertifikat eine spezielle Rating-Note. Demnach darf ein spekulatives Produkt nicht mit einer guten Note im sicherheitsorientierten Bereich auftauchen. Das Team um Lutz Johanning, Professor für Kapitalmarktforschung an der WHU Otto-Beisheim School, bezieht die Kosten, die Handelbarkeit, die Bereitstellung von Informationen und die Bonität des Emittenten in ein Teilurteil mit ein. Ergänzend geben sie eine Einschätzung des Produktrisikos mit dazu. Prognosen geben sie nicht ab. Aussagekräftiger werden die Urteile, wenn sich alle Emittenten daran beteiligen. Trotz der Finanzierung  durch die Verkäufer hält sich die Agentur für unabhängig.

• Der Dritte im Bunde, der Münchner Finanzdienstleister FWW, analysiert nur Neuemissionen. Sein Urteil ist kostenpflichtig. Verbraucherschützer wie Thomas Bieler betrachten die Ratingnoten mit gemischten Gefühlen: „Sie können eine Orientierungshilfe sein, mehr aber auch nicht.“ Für ihn und seine Kollegen ist es die Frage, ob Zertifikate überhaupt in ein Depot gehören. Denn in guten Zeiten bekommt der Anleger nicht den vollen Gewinn und in schlechten Zeiten verliert er mehr als nötig. Denn über eines müssen sich Anleger im Klaren sein: Das Zertifikat kann nur so gutsein wie der Emittent. Macht er Pleite, ist das Geld verloren. Der Einlagensicherungsfonds der deutschen Banken kommt nicht für diese Inhaberschuldverschreibungen auf. Deshalb kommt es auf die Bonität des Emittenten an. Auch die wird von verschiedenen Rating-Agenturen beurteilt. In die Wahl kommen nur solche mit Bestnoten. Einsehen können Anleger die Noten auf den Internetseiten der beiden Derivate-Verbände Deutsches Derivate Institut und Derivate Forum. Ist die Emittentin eine Tochtergesellschaft beispielsweise einer Großbank, sollte eine Garantieerklärung der Mutter vorliegen. Doch trotz aller Sicherheitsvorkehrungen bleibt immer ein Risiko.

TIPPS

Wissenswerte für den Kauf:

1. Informationen über den Emittenteneinholen. Wird er insolvent, nützt auch eine garantierte Auszahlung nichts mehr.

2. Kosten prüfen: Ausgabeaufschlag, Spread (Differenz zwischen An- und Verkauf) und Managementgebühren prüfen.

3. Verkaufsprospekt lesen. Gibt es bei der Bank oder auf der Homepage des Emittenten im Internet. Veränderungen in der Zusammensetzung von Aktienkörben müssen angezeigt werden. Auch wenn die Unterlagen schwierig zu lesen sind, finden sich doch hier alle Informationen, die für die Beurteilung wichtig sind.

4. Den Basiswert prüfen. Die Entwicklung des Wertes muss nachvollziehbar sein. Zusammengesetzte Werte wie zum Beispiel Baskets oder exotische Indizes und ähnliches sollten nicht in Frage kommen.

5. Ein Limit setzen. Damit gibt der Käufer die Grenzen für den Preis des Zertifikats an, innerhalb derer er kaufen möchte.

6. Prüfen, ob der Kauf eines Zertifikats mit langer Laufzeit sinnvoll ist. Denn wer kann schon sagen, ob eingebaute Schwellen nicht unter- oder überschritten werden. Höchst gefährlich wird es,wenn gleich mehrere Basiswerte zählen.