Salz-Wasser-Haushalt

Salzspeicher in der Haut entdeckt

Bislang wurde angenommen, Kochsalz könne nur im Zusammenhang mit Flüssigkeit im Organismus aufgenommen und gespeichert werden. Aktuellen Befunden zufolge gibt es allerdings auch die Möglichkeit, Salz unabhängig von Flüssigkeit in der Haut zu speichern.

Der Salzkonsum des Menschen ist immer wieder Gegenstand von Debatten und häufig wird kritisiert, der moderne Mensch nehme zuviel Kochsalz zu sich, was das Risiko einer Hypertonie erhöhe. „Solche Diskussionen werden oftmals unwissenschaftlich, unausgewogen und tendenziös geführt“, berichtete Professor Dr. Karl-Ludwig Resch aus Bad Elster bei einer Pressekonferenz anlässlich des Kardiologenkongresses in Mannheim.

Unkritische Warnungen vor dem Salzkonsum

Immer wieder wird nach seinen Worten vor den angeblichen Gefahren des Salzkonsums gewarnt, ohne dass bislang aber wissenschaftlich belegt wäre, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Salzverzehr und der Blutdruckhöhe gibt. „Es gibt vielmehr mehrere wissenschaftlich fundierte Cochrane-Analysen, die klar dokumentieren, dass die erhobenen Daten einen solchen Zusammenhang eben nicht ergeben“, so Resch.

Dass unabhängig von den Auswirkungen auf den Blutdruck in Sachen Salz, Salzaufnahme und Salzausscheidung noch viele Fragen offen sind, machte in Mannheim Privatdozent Dr. Jens Titze aus Erlangen deutlich. Allgemein wird nach seinen Worten davon ausgegangen, dass Salz, das zuviel verzehrt wurde, beim gesunden Organismus über die Nieren wieder ausgeschieden wird. Die Untersuchungen des Mediziners aber weisen darauf hin, dass es wahrscheinlich einen Flüssigkeitsunabhängigen Salzspeicher in unserer Haut gibt.

Zuckermolekül speichert Natriumionen

So scheint ein Überschuss an Salz spezifische Veränderungen der extrazellulären Bindegewebsmatrix des interstitielles Raumes zu bewirken. Die Bindegewebsmatrix besteht nach Titze aus langkettigen Zuckermolekülen, die bei einem Salzüberschuss ihre Struktur offenbar so verändern, dass ihr polyanionischer Charakter verstärkt wird und sie infolge einer vermehrten negativen Ladungsdichte positiv geladene Natrium-Ionen einlagern können. Bei verminderter Kochsalzaufnahme scheint sich der Prozess umzukehren, die negative Ladungsdichte verringert sich und es kommt zur Mobilisierung von Natrium-Ionen aus der Matrix.

„Welche funktionelle Bedeutung der Salzspeicher besitzt, ist uns bislang noch nicht bekannt“, räumte der Wissenschaftler ein. Der Speichermechanismus könnte ein Tribut an den Übergang der Lebewesen aus dem Meerwasser an das Land sein. Denn mit diesem Übergang trat ein Salzmangel ein, auf den die Evolution möglicherweise mit der Entwicklung eines Salzspeichers reagiert hat.

Christine Vetter
Merkenicher Straße 224
50935 Köln