Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

Roboter sollen dem Menschen dienen, für ihn arbeiten. Auf dieser Basis hat Karel Capek, Science-Fiction-Autor und „Erfinder“ dieser Begrifflichkeit, zu Beginn des letzten Jahrhunderts dieses Wort geprägt: Das aus dem Slavischen stammende „Robota“ heißt nichts anderes als „Arbeit“.

Generationen von Science-Fiction-Autoren haben inzwischen an diesem die Menschheit faszinierenden Motiv gearbeitet. Capeks Roboter nennt man heute – weil sie mit quasi biologischem Werdegang in Tanks gezüchtet und nicht als Automaten gebaut wurden – „Androiden“. Der Roboter, so vermenschlicht er in der Literatur auch dargestellt wird – der Pole Stanislav Lem beispielsweise hat dem „Seelenleben“ dieser Automaten ein ganzes „Märchen“-Buch gewidmet – ist aber Maschine, Automat.

Diese physikalischen Wunderwerke halten mehr und mehr Eingang in unseren Alltag. Maschinen übernehmen Tätigkeiten, die vormals der Mensch vollziehen musste. Dabei wird deutlich: je mehr Perfektion diese Automaten aufweisen, je „menschlicher“ sie uns erscheinen, desto größer wird die Angst, dass die Maschine zum Konkurrenten wird, letztlich – so die absolute Überspitzung – auch in Bereichen, die menschliches Verhalten und Gefühlsleben betreffen. Ein Thema besonderer Art, das mit Grund dafür ist, dass Roboter von der Industrie auch gern als Spielzeuge, sozusagen als Gewöhnungstherapie, dem Menschen angeboten werden. Vielleicht ein Zeichen, dass man sich auf „große Zeiten“ vorbereitet.

Dennoch: Der Nimbus des Roboters ist überhöht, er ist – Hollywood zum Trotz – nach wie vor eine helfende Maschine. Dort, wo es sinnvoller Einsatz ist, wie einige Erfolge im Bereich der (zahn-)medizinischen Lehre und Praxis inzwischen durchaus belegen, akzeptiert und nutzt der Mensch die Maschine. Er hat ja auch Dampfmaschine, Telefon, Auto oder Computer in seinen Alltag integriert.

Ob die Menschheit bald „reif“ sein wird, Automaten auch im pflegerischen Bereich zu akzeptieren, ist wohl eher fragwürdig. Zu kalt-metallisch, zu seelenlos erscheint uns ein hilfloser Lebensabend im Kreise von Automaten.

Mit Skepsis beurteilen Menschen auch nach wie vor die Vorstellung, dass ärztliche Aufgaben von den Maschinen übernommen werden – abgesehen vielleicht von den technisch komplexen Anlagen, die dem handelnden Arzt den diagnostischen und therapeutischen Alltag erleichtern.

Dass inzwischen auch Phantome in der zahnmedizinischen Lehre für die Studenten auf robotisches Niveau gebracht werden, ist ganz in diesem Sinne. Der Patient will den geübten (Zahn-)Arzt, das Üben am Patienten wünscht sich wohl niemand.

An der zunehmenden Technisierung und zunehmenden Komplexität des für den Menschen agierenden „intelligenten“ Maschinenparks ändert das wenig: Die Zahl der Helfer im Alltag steigt Jahr für Jahr – und zwar in Millionensprüngen. Sie erobern die Welt, nicht nur Industrieanlagen, sondern längst auch Kinderzimmer, Wohnzimmer und Küche. Sie patrouillieren in öffentlichen Anlagen und führen Krieg. Grenzen sind den Erfindern – noch – keine gesetzt.

Uns bleibt die Hoffnung, dass das pikant angerichtete Androiden-Schwein aus Douglas Adams' Roman „Das Restaurant am Rande des Universums“, das uns seinen eigenen leckeren Schinken feilbietet, das bleibt, was es heute noch ist: „Science Fiction“.

Die meisten von uns behalten die Hoffnung, dass auch künftig der Roboter zwar denkt, aber der Mensch ihn weiterhin lenkt.

Ihr

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur