11. European Congress of Dentomaxillofacial Radiology

Europäische Richtlinien zur Dosisminimierung

Rund 250 Teilnehmer besuchten die diesjährige, alle zwei Jahre turnusmäßig an einem anderen europäischen Veranstaltungsort stattfindende Tagung der „European Academy for DentoMaxilloFacial Radiology (ECDMFR)“, die diesmal in Budapest stattfand.

Wie nicht anders zu erwarten, war das Hauptthema diesmal die digitale Volumentomographie, im Englischen als Cone-Beam Computed Tomographie bezeichnet.

Von insgesamt 183 wissenschaftlichen Kurzvorträgen und Postern hatten 70 (rund 40 Prozent) unmittelbar mit dieser Thematik zu tun. Dies zeigt deutlich die immens gestiegene Wichtigkeit dreidimensionaler Röntgendiagnostik auch in der Dentomaxillofazialen Radiologie. Erwähnenswert ist hierbei ein von der Europäischen Union mit rund 2,4 Millionen Euro gefördertes, internationales Kooperationsprojekt der Universitäten Manchester, Leuven, Belgien, Athen, Malmö, Vilniu in Litauen und Cluj-Napoca in Rumänien. Dieses unter der Abkürzung „Sendentexct“ (www.sedentexct.eu) firmierende Großprojekt soll europäische Richtlinien für den sinnvollen und dosisoptimierten Einsatz der DVT-Technik erarbeiten. Die Mitgliederversammlung am Abschlusstag zeigte leider einmal wieder die geringe Beteiligung deutscher Kollegen an der ECDMFR. Gerade neun deutschen Mitgliedern stehen über 50 türkische und 60 griechische gegenüber. In diesem Kontext erscheint es auch nicht verwunderlich, dass das oben genannte SEDENTEXTCT-Projekt (wieder einmal) ohne deutsche Beteiligung stattfinden wird. Diese Entwicklung stimmt angesichts der immer größer werdenden Herausforderungen in der Dentomaxillofazialen Radiologie sehr nachdenklich. Vor Ort in Budapest waren aus Deutschland nur sehr wenige Teilnehmer.

Volumentomographie

Erfreulich ist vor allem vor diesem Hintergrund, dass es Dr. Edgar Hirsch, Leipzig, gelang, für die Jahrestagung im Jahr 2012 den Zuschlag für Leipzig als Austragungsort zu erhalten. Leipzig machte damit im direkten Wettbewerb das Rennen gegen die schwedischen Mitbewerber aus Umeå, was einen schönen Erfolg für die deutsche Bewerbung darstellt.

Auch am Abschlusstag waren aktuelle Entwicklungen zum Thema der DVT das Hauptgespräch. Eingeleitet wurde ein Round-Table-Gespräch unter der Überschrift „Cone-Beam CT Debate“ von einem Vortrag zum Thema „Cone-Beam CT – The Swedish Experience“ durch Prof. Hans- Göran Gröndahl, Göteborg, Schweden. Prof. Gröndahl bereitete, ganz anders als sein Kollege Dale Miles aus den USA in seinem Übersichtsvortrag, die Thematik mit der gebotenen Distanz des Wissenschaftlers und streng an den Fakten orientiert auf. Die Quintessenz von Gröndahl war, dass die DVT eine hervorragende Technik darstelle, aber der sinnvolle Einsatz im Angesicht der deutlich erhöhten Röntgendosis oberstes Gebot wäre. Zwar könne man prinzipiell alles mit der DVT röntgen, so Gröndahl, doch dass sei so „wie wenn man einem Kind einen Hammer schenkt: plötzlich braucht es für alles einen Hammer“. Auch würde er niemals ein DVT kaufen, welches nicht eine Einblendung ungefähr auf die interessierende Region zulasse.

Innerhalb der Abschlussveranstaltung stand unter der Leitung von Eric Whaites vom Kings College in London eine Abstimmung mit der SEDENTEXCT-Gruppe hinsichtlich einiger prinzipieller Arbeitspunkte auf der Tagesordnung. Diese umfassten unter anderem die generelle Indikationsstellung, Dosisreduktion durch verschiedene Maßnahmen, Ausbildung und mehr. Alle diese Punkte wurden innerhalb des Auditoriums diskutiert, dabei wurde ein prinzipieller Konsens hinsichtlich der Arbeitsthemen erreicht.

Insgesamt war der 11. ECDMFR-Kongress in Budapest ein großer Erfolg, was nicht zuletzt auf die gute Organisation des ungarischen Teams vor Ort zurückzuführen war.

Termin 2010

Der nächste europäische Kongress wird 2010 in der Türkei stattfinden. Hinweisen sollte man in diesem Rahmen aber auch unbedingt auf den internationalen Kongress der International Association for Dentomaxillofacial Radiology (IADMFR) in Amsterdam (28. Juni bis 2. Juli 2009), wo eine noch größere und zudem sehr internationale Teilnehmerschaft den aktuellen Wissensstand in diesem Fachgebiet wissenschaftlich diskutieren wird.

PD Dr. Dirk Schulze
1. Vorsitzender der ARö
Leiter Sektion Röntgen
Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und
Kieferheilkunde
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und
Gesichtschirurgie
Plastische Operationen
Hugstetter Str. 55
79106 Freiburg