Eine alternative Lösung

Die Deckprothese mit intraradikulären Teleskopen

Radikuläre Teleskope sind eine seit über zwanzig Jahren bewährte alternative Methode, um bei der Versorgung mit einer Deckprothese selbst „hoffnungslose“ Zähne mittel- bis langfristig zu erhalten und den Sitz der Prothese entscheidend zu verbessern. Das Verfahren stellt eine relativ preiswerte Alternative zu Implantaten dar und eignet sich insbesondere für ältere Patienten, wie hier am Beispiel eines hundertjährigen Patienten gezeigt wird.

Standardlösung: Implantate und Deckprothese

Die Deckprothese (Coverdenture) ist schon lange das Mittel der Wahl, wenn es darum geht, durch Parodontitis, Karies oder Abrasion vorgeschädigte und bereits stark geschwächte Zahnwurzeln zu erhalten. Die einfachste Methode besteht dabei in einer Versorgung der Zahnwurzeln mit einer Amalgam- oder Kunststofffüllung. Auch unterschiedliche Formen extraradikulärer Geschiebesysteme kommen im Zusammenhang mit Deckprothesen zur Anwendung. Insbesondere für ältere Menschen ist deren Handhabung und Reinigung angesichts der im Alter abnehmenden manuellen Geschicklichkeit aber oft zu kompliziert.

Sowohl die daraus resultierenden Reinigungsdefizite als auch der bei extraradikulären Aufbauten unweigerlich auftretende Jiggling-Effekt führen zu weiteren parodontalen Schäden, zunehmender Lockerung der Wurzeln und letztlich Verlust. Zum längerfristigen Erhalt der noch verbliebenen Wurzeln sind diese Methoden ungeeignet. In aller Regel kann man die Entfernung der Wurzeln so lediglich ein paar Jahre hinauszögern.

Verstärkt setzen in jüngerer Zeit viele Kolleginnen und Kollegen deshalb gleich auf die Entfernung der Wurzeln und die anschließende Versorgung mit Implantaten.

Tatsächlich sind Implantate im Prinzip eine sehr gute und dauerhafte Lösung, kommen aber nicht immer in Frage. Manche Patienten scheuen die aufwendige Behandlung oder die hohen Kosten oder lehnen aus anderen Gründen ein Implantat ab.

Die Alternative: Intraradikuläre Teleskope

Ein Verfahren, das wir bereits vor über dreißig Jahren eingeführt und seitdem verbessert und vereinfacht haben, versucht, vorgeschädigte Zahnwurzeln zu erhalten und eine gute langfristige Haltbarkeit mit geringem Behandlungsaufwand, günstigen Kosten und guter Funktionalität zu verbinden. Dabei kommen intraradikuläre Geschiebe zum Einsatz. Anders als bei den meisten extraradikulären Geschieben ist dadurch die Hauptbelastung axial und die Höhe über der Wurzel zur Vermeidung von Jiggling sehr gering.

Die Methode ist im Prinzip recht einfach: Zunächst wird der Zahn parodontal und endodontisch behandelt und die Zahnkrone abgetrennt. Danach wird der Zahn ähnlich wie für einen Goldaufbau präpariert. Anschließend nimmt man einen Abdruck, anhand dessen der Techniker eine Wurzelstiftkappe herstellt. In diese Wurzelkappe wird dann ein Loch gefräst. An der Prothese wird ein Stift angelötet, der genau in das Loch in der Wurzelkappe passt (siehe Abbildung).

Fallbeispiel

In dieser Veröffentlichung wollen wir exemplarisch den Fall eines hundertjährigen Patienten vorstellen. Da sein Kieferkamm bereits stark atrophiert ist, hätte eine einfache Prothese nur schwer den nötigen Halt und Kaukomfort bieten können. Aufgrund des altersbedingt reduzierten Allgemeinzustandes des Patienten kamen eine aufwendige Implantatversorgung oder reinigungsintensive Geschiebelösungen nicht in Frage. Deshalb wurde nur ein einzelnes intraradikuläres Teleskop verwendet. Obwohl eigentlich auch ein Implantat auf der gegenüberliegenden Seite indiziert gewesen wäre, um der Prothese noch mehr Halt zu bieten, ist der Patient mit dieser Minimal-Lösung, die nun schon seit zwei Jahren hält, sehr zufrieden.

Diskussion

Da der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung bekanntlich zunimmt, haben es die Zahnärzte immer öfter mit Patienten zu tun, deren Zähne durch Parodontitis, Karies und Abrasion geschwächt sind und zum Teil als „hoffnungslos“ klassifiziert werden. Viel zu oft werden solche Zähne einfach entfernt. Die inzwischen auch statistisch bewerteten Langzeitergebnisse über fünfundzwanzig Jahre zeigen, dass mit intraradikulären Teleskopen sogar „hoffnungslose“ Wurzeln mittel- bis langfristig erhalten werden können.

Der hier präsentierte Fall kommt mit nur einem intraradikulären Teleskop aus. Besser im Hinblick auf Prothesenhalt und Langlebigkeit sind Fälle, die mehrere Wurzeln einbeziehen und mit intraradikulären Teleskopen versehen, so dass sich die Belastung gleichmäßiger verteilt und die Teleskope „gegeneinander“ aktivierbar sind.

Weitere Indikationen sind herausnehmbare Brücken und Kombinationen mit Implantaten oder anderen Arten von Teleskopen. Die Methode bietet alles in allem eine ebenso einfache wie kostengünstige und langlebige Alternative zu Implantaten oder den üblichen Coverdenture-Lösungen.

Dr. medic stom. (R) Elian Cunea
Rolf Wechtenbruch
Mühlheimer Str. 146, 47057 Duisburg
elian.cunea@praxis-cunea.de

Abbildungen zum Teil aus: Cunea E, Haastert
B, Kuroczik J, Cunea Antic K, Haumann H,
Wechtenbruch R: Intraradikuläre Teleskope
(Coverdenture). DZZ 53, 317-323 (2008).


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