Repetitorium

Die Myasthenia gravis

Behandlungsmöglichkeiten

Als Basistherapeutika kommen Cholinesterasehemmer zum Einsatz. Vor allem der Wirkstoff Pyridostigmin, der den Abbau des Neurotransmitters Acetylcholin hemmt. Dadurch erhöht sich dessen Konzentration im synaptischen Spalt, was die Erregungsübertragung bessert und den Nervenimpuls verstärkt. Es handelt sich dabei aber um eine rein symptomatische Behandlung.

Üblicherweise wird daher gleichzeitig eine immunsuppressive Therapie durchgeführt. Diese ist ebenfalls nicht kausal wirksam, richtet sich aber direkt an der Pathophysiologie aus. Behandelt werden kann mit Glukokortikoiden oder speziellen Immunsuppressiva wie dem Azathioprin. In schweren Fällen ist zudem eine Plasmapherese als Therapieoption zu erwägen. Dabei werden die Autoantikörper regelrecht aus dem Blut herausgewaschen, wodurch sich die Immunreaktion rasch reduziert.

Eine weitere Behandlungsoption ist die Thymektomie, da der Thymusdrüse eine pathogenetische Beteiligung zugesprochen wird. Patienten unter 60 Jahren, bei denen keine entsprechende Kontraindikation vorliegt, wird deshalb häufig zur chirurgischen Entfernung des Thymus geraten. Bei frühzeitiger Thymektomie sind sogar Heilungen beschrieben und das bei bis zu 30 Prozent der Patienten. Bei einem weiteren Drittel stellt sich eine nachhaltige Besserung der Autoimmunerkrankung nach der Operation ein, während die Erkrankung wie auch der Krankheitsverlauf bei den übrigen Patienten unbeeinflusst bleibt.

Hoch variabler Krankheitsverlauf

Die Prognose der Myasthenie ist in aller Regel gut, wobei die Betroffenen sogar realistischerweise darauf hoffen dürfen, dass sich die Beschwerden im weiteren Verlauf eher abschwächen als verstärken. In aller Regel lässt sich die Störung zudem gut behandeln und die Patienten können ein weitestgehend normales Leben führen und die Mehrzahl von ihnen bleibt durchaus berufsfähig. Adäquat behandelt ist die Myasthenie heutzutage im Normalfall nicht mehr mit einer eingeschränkten Lebenserwartung assoziiert. Allerdings sind die Symptome meist nicht vollständig zu beheben, sodass gewisse Einschränkungen der körperlichen Belastbarkeit bestehen bleiben.

Häufig ist dazu eine lebenslange medikamentöse Behandlung notwendig. Andererseits kann bei nachlassender Krankheitsaktivitäten, wie sie oft nach einer Thymektomie zu sehen ist, auch eine Reduktion der Therapie möglich werden. Diese sollte immer nur mit höchster Vorsicht erfolgen, wegen der Gefahr der Induktion einer myasthenen Krise. Umgekehrt ist jedoch auch eine Überdosierung problematisch, da diese den Patienten in eine cholinerge Krise treiben kann, die ebenso wie die myasthene Krise einen Notfall darstellt und eine intensivmedizinische Behandlung erfordert. Eine gute neurologische Überwachung ist deshalb unverzichtbar.

Die Autorin der Rubrik „Repetitorium“ ist gerne bereit, Fragen zu ihren Beiträgen zu beantworten
Christine Vetter
Merkenicher Str. 224
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