Deutsche Gesellschaft für Laserzahnheilkunde e.V. im Rahmen des Deutschen Zahnärztetages

Evidenzbasierte Laserzahnheilkunde – Wunsch oder Wirklichkeit

Die wissenschaftlichen Schwerpunktthemen des diesjährigen Deutschen Zahnärztetages in Stuttgart „Ästhetik und Laser“ boten den Besuchern ein interdisziplinäres Kongressprogramm mit seit Langem kontrovers diskutierten Fragestellungen. Die DGZMK hatte sich nicht gescheut, zwei „jüngere“ wissenschaftliche Fachgesellschaften mit der Gestaltung des wissenschaftlichen Programms zu beauftragen, die sich mit Themenbereichen auseinandersetzen, deren Bedeutung für die zahnärztliche Praxis umstritten ist.

Die Deutsche Gesellschaft für Laserzahnheilkunde (DGL) wurde 1991 in Stuttgart gegründet und ist mit über 650 Mitgliedern zurzeit die größte und älteste Europäische Gesellschaft dieser Art. Die Assoziation der DGL mit der DGZMK erfolgte vor vier Jahren. Der Kongress in Stuttgart war die erste Gelegenheit, sich im Rahmen der deutschen wissenschaftlichen Zahnheilkunde einem großen Besucherkreis vorzustellen.

Seit dem Bau der ersten Lasergeräte in den 60er-Jahren, hat man sich in der Wissenschaft zwar bereits mit potenziellen Anwendungsmöglichkeiten auseinandergesetzt, erst in den 80er-Jahren haben jedoch klinische Anwendungen Eingang in die Zahnheilkunde gefunden. Zunächst waren es vor allem Indikationen im chirurgischen Bereich beziehungsweise zum Laserschweißen in der Zahntechnik. Nur wenige Spezialisten verfügten über entsprechende Hardware und das benötigte Know-how. In den letzten zehn Jahren hat sich die Verbreitung von Lasertechnologien stark beschleunigt. Zur Anwendung in der Chirurgie beziehungsweise der Zahntechnik sind Anwendungen im Bereich der Diagnostik, der Kariestherapie, Endodontie, Parodontologie, antimikrobiellen Therapie, der Analgesie und Förderung der Wundheilung hinzu gekommen. Für die Zahnheilkunde steht in der Zwischenzeit eine größere Anzahl unterschiedlicher Therapiegeräte zur Verfügung. Bisher sind allerdings nur wenige Spezialisten mit den Möglichkeiten der Laseranwendung vertraut. Oft überwiegt noch die Skepsis vor dieser unbekannten Technologie. Daher wurde von der DGL zu Beginn des Kongresses ein Workshop „Praxis der Laseranwendung für Neueinsteiger“ initiiert, in dem grundlegende Informationen für laserinteressierte Kollegen vermittelt werden sollten. Ein Spezialistenteam der DGL stellte nach einer Einführung in die Grundlagen der Lasertechnik Anwendungen in der Diagnostik, der Kariestherapie sowie in der Endodontie und Parodontologie vor. Abgerundet wurde dieses Programm mit klinischen Beispielen für Laseranwendungen in der Chirurgie und Implantologie. Das Referententeam bemühte sich vor allem darum, praxisrelevante Anwendungen vorzustellen. Ziel dieser Veranstaltung war es, den Kollegen aus der Praxis eine Entscheidungshilfe zu geben, ob es sich im individuellen Fall anbietet, sich mit dieser Thematik intensiver zu beschäftigen.

Es gibt keinen „Generalistenlaser“

Im Rahmen des Hauptprogramms erfolgte zunächst durch den Präsidenten der Gesellschaft, Prof. Dr. Norbert Gutknecht, Aachen, eine wissenschaftliche Standortbestimmung zur Entwicklung von Laseranwendungen in der Zahnheilkunde. Ausgehend von ersten Berichten von vor mehr als 20 Jahren ist ein systematischer Wissenszuwachs zu beobachten, der sich vor allem in einer exponentiellen Zunahme von Publikationen in angesehenen gerankten Fachzeitschriften belegen lässt. Es wurde herausgestellt, dass es zurzeit „den Laser“ nicht gibt, der für ein umfassendes Indikationsspektrum genutzt werden kann. Vielmehr werden unterschiedliche laseroptische Technologien für jeweils spezifische Anwendungsindikationen benutzt. Die Einsicht, dass Lasertechnologien, die zur Entfernung der Karies geeignet sind, nicht auch gleichzeitig zur Tumortherapie dienen können, ist eine Grundvoraussetzung für eine patientengerechte und sichere Anwendung.

Diesem grundlegenden Statement zur Entwicklung der Lasertechnologie schlossen sich Präsentationen zu den unterschiedlichsten praktischen Anwendungsmöglichkeiten an. Für den Bereich der Parodontologie wurden neben resektiven Maßnahmen (Gingivoplastik) Möglichkeiten vorgestellt, Konkremente und Biofilm von der Wurzeloberfläche im Sinne eines Scalings zu entfernen. Die Möglichkeiten der antimikrobiellen photodynamischen Therapie zur Desinfektion von Zahnfleischtaschen wurden ebenfalls diskutiert. Anhand einer großen Zahl von inzwischen vorliegenden Studien konnte die Evidenz der vorgestellten Indikationen belegt werden. Wie bei vielen neu eingeführten Techniken besteht hier noch Nachholbedarf in Bezug auf Langzeitstudien, die sich über mehr als vier oder zehn Jahre erstrecken.

Lasereinsatz bei der Bleichtechnik

Dem Leitthema des Zahnärztetages „Ästhetik“ folgend, wurden die Möglichkeiten des laserassistierten Bleichens diskutiert. Anhand von Fallbeispielen wurde das klinische Vorgehen demonstriert. Gleichzeitig wurden aber auch die physikalischen Hintergründe dieser Technik kritisch hinterfragt. Hierbei zeigte sich, dass durch Laserenergie zwar der Bleichprozess beschleunigt werden kann, das Endergebnis konventionellen Techniken allerdings nicht unbedingt überlegen ist. Insbesondere ist zu berücksichtigen, dass Nebenwirkungen, wie überempfindliche Zahnhälse, in erhöhtem Maße bei diesem Vorgehen auftreten können.

Am Beispiel von Cerec-Veneers konnte demonstriert werden, dass heute Laser auch zur gezielten Abtragung von Zahnhartgewebe im Sinne einer Präparation genutzt werden können.

Einsatz in der ästhetischen Chirurgie

Ein weites Indikationsfeld findet die Lasertechnologie mittlerweile auch in der plastischen Chirurgie. Neben den klassischen Anwendungen im Rahmen der Gewebeexcision ergeben sich mithilfe der Lasertechnik für den Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen neue Möglichkeiten im Rahmen der exoralen Narbenkorrektur und Hautstraffung.

Ein problematisches Thema ist sicherlich die Auseinandersetzung mit der Anwendung von Lasern niedriger Leistungsdichte (Softlasertherapie) im Rahmen der sogenannten Biostimulation oder Laseranalgesie. Anhand vieler wissenschaftlicher Studien wurde versucht, mögliche Wirkungsmechanismen zu erläutern, beziehungsweise die Wirksamkeit dieser Therapie im Praxisalltag zu belegen. Den Abschluss des wissenschaftlichen Hauptprogramms bildete ein Statement zur Dokumentation von Laseranwendungen und zum Verhalten im Rahmen von Begutachtungsverfahren. In diesem Zusammenhang spielt eine nachvollziehbare Aufzeichnung der Behandlungsnotwendigkeit, der Aufklärung des Patienten und des Behandlungsablaufes eine entscheidende Rolle.

Im Rahmen eines Praktikerforums wurden hygienische Aspekte bei der Anwendung von Lasern diskutiert. Bisher liegen für diesen Bereich nur wenige Erfahrungen in Bezug auf die Anwendung der neuen RKIRichtlinien vor. Anhand einer Reihe von Beispielen konnte die Problematik einer hygienischen Aufbereitung von Laserhandstücken und Fasern dargestellt werden. In diesem Fall ist insbesondere die Industrie aufgefordert, preisgünstige Lösungen zu finden. Im Anschluss daran wurde die Integration einer laserunterstützten Kariesdiagnostik und -behandlung in ein Praxiskonzept vorgestellt.

Im Rahmen der themenbezogenen Kurzvorträge wurden Aspekte zur laseroptischen Erkennung approximaler Kariesdefekte, Laseranwendungen im Bereich der Periimplantitistherapie, die Behandlung von vaskulären Anomalien in der Mundhöhle und experimentelle Technologien zu Kavitätenpräparation vorgestellt.

Obwohl die Laserzahnheilkunde bis heute eher eine bescheidene Bedeutung für die Zahnheilkunde hat, war das Interesse der Kongressbesucher an den Veranstaltungen der DGL im Rahmen des Zahnärztetages überraschend groß. Dies zeigten auch die Diskussionsbeiträge sowie die Nachfrage nach weiteren Informations- und Fortbildungsveranstaltungen der Fachgesellschaft. Die DGL wird sich in diesem Zusammenhang in Zukunft darum bemühen, ein hochwertiges industrieunabhängiges Curriculum für interessierte Kollegen anzubieten.

Prof. Dr. M. Frentzen
Welschnonnenstraße 17
53111 Bonn

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