Deutsche Gesellschaft für Zahnärztliche Schlafmedizin (DGZS)

Tagung für einen guten Schlaf

Das 8. Symposium für zahnärztliche Schlafmedizin der DGZS fand im Oktober dieses Jahres bereits das dritte Mal als Satellitensymposium der 16. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung (DGSM) statt.

Wie bereits in den vergangenen Jahren, fand am Vortag des Symposiums der DGZS-Kurs „Zahnärztliche Schlafmedizin“ statt. Er wurde von der Präsidentin Dr. Susanne Schwarting, Kiel, und Prof. Dr. Geert Mayer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin (DGSM), eröffnet. Beide Referenten forderten in ihren Ausführungen weitere wissenschaftliche Forschung im Hinblick auf evidenzbasierte Therapiekonzepte.

Als Hauptvortrag des Symposiums berichtete Prof. Dr. Alan Lowe, Vancouver über das Thema: „Oral appliances for the treatment of sleep apnea – 20 years of scientific research“. Das vorgestellte von ihm erfundene Klearway Gerät ist eine titrierbare intraorale Protrusionsschiene. Die durchschnittliche Tragezeit konnte in Studien mit durchschnittlich 6,8 Stunden pro Nacht belegt werden. Die Ergebnisse des Vancouver Versuchs zeigen, dass die große Mehrheit der Patienten eine Protrusionsschiene als begleitende Behandlung wahrnehmen können. Sie bevorzugen die Schienen gegenüber einer nCPAP-Therapie (nasal Continuous Positive Airway Pressure), und die Therapie erscheint sicher und effektiv.

Dazu zeigte er anhand etlicher Patientenfälle die Spätfolgen durch nCPAP-Therapie in der Kiefer- und Gesichtsentwicklung.

Darüber hinaus wurde dem Hauptreferenten der DGZS, Prof. Dr. Alan Lowe, Vancouver, vorab eine „Special Lecture“ auf dem Kongress der DGSM eingerichtet.

Die Präsidentin der DGZS, Dr. Susanne Schwarting, legte ihren Kongressbericht der American Society of Dental Sleep Medicine vor. Dabei stellte sie die aktuellen Leitlinien der amerikanischen Gesellschaft bei der Therapie der SBAS (Schlafbezogene Atmungsstörungen) mit Unterkieferprotrusionsschienen vor. In diesen ist der gesamte Therapieverlauf zur Qualitätssicherung festgelegt. Es erfolgt zunächst eine Polysomnografie vor dem Einsetzen einer Protrusionsschiene. Dies wird nur durch Zahnmediziner mit besonderer Fortbildung vollzogen, mit dem Ziel eines normalen AHI (Apnoe-Hypopnoe-Index) bei regulärer Sauerstoffsättigung. Die Indikation liegt bei habituellem Schnarchen, leichter bis mittelgradiger OSA und bei CPAPnon-Compliance auch bei schwergradiger OSA (Obstruktive Schlafapnoe).

Dr. Margit Bacher, Tübingen, stellte in ihrem Vortrag die Tübinger Atmungsplatte bei der Pierre Robin Sequenz Neugeborener vor. Unter endoskopischer Kontrolle wird dabei die Ausrichtung und Form einer individuellen Platte mit einem verlängerten Sporn zur Verhinderung der retralen und kaudalen Verlagerung der Zunge gestaltet. Das Atmungsproblem im Schlaf normalisiert sich daraufhin, und die Notfallversorgung mit einem Tracheostoma entfällt.

Dr. Jürgen Heitmann, Marburg, berichtete über die seit rund 30 Jahren abgestufte Versorgung der Patienten mit schlafbezogenen Atmungsstörungen (SBAS), die auch in den S2-Leitlinien abgebildet sind. In den letzten Jahren wird seitens der Kostenträger eine Verlagerung des Versorgungsschwerpunktes in ambulante Strukturen angestrebt. Inwieweit die angestrebten Maßnahmen in der Tat gesundheitsökonomisch sinnvoll sind, insbesondere wenn die sogenannten indirekten und intangiblen Kosten berücksichtigt werden, muss kritisch hinterfragt werden.

PD Dr. Ingo Fietze, Berlin, 2. Vorsitzender der DGSM , hat in der Arbeitsgruppe der DGSM mitgearbeitet, die den Stellenwert der Nicht-nCPAP-Verfahren in der Therapie des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms (OSAS) evidenzbasiert bewertet hat (Somnologie 2006). In seinem Vortrag stellte er die verschiedenen Verfahren vor (konservative Maßnahmen, Gewichtsreduktion, Lagetherapie, medikamentöse Therapie, Zungenmuskelstimulation, Nasendilatatoren, Rachenöl, Schnarchbrillen). Die Datenlage stellte sich für die meisten Nicht-nCPAP-Verfahren als sehr unbefriedigend dar. Ausreichende Untersuchungen liegen lediglich für die Unterkieferprotrusionsschienen vor, die beim leichten bis allenfalls mittelgradigen OSAS eine signifikante Besserung der Atmung bewirken können. Bei Patienten mit leichtgradiger Schlafapnoe mit klinischer Symptomatik und Patienten mit mittelgradiger Schlafapnoe ohne klinische Symptomatik sollte der Schlafmediziner immer die Verordnung einer Protrusionsschiene in Erwägung ziehen.

Schlafmedizin aus Sicht des Kinderarztes

Die interdisziplinären Therapieansätze in der Behandlung einer obstruktiven Atemstörung im Schlaf wurden von Dr. Michael Urschitz, Tübingen, anhand der Fragestellung im Titel seines Vortrags „Was erwartet der pädiatrische Schlafmediziner von Zahnmedizinern?“ beschrieben. Die Prävalenz bei sieben- bis achtjährigen Kindern im Hinblick auf ein habituelles Schnarchen liegt bei rund 10,1 Prozent, die einer obstruktiven Schlaf Atemstörung bei drei Prozent . Als wesentliche Ursachen werden Kieferanomalien sowie Veränderungen nasaler Strukturen beschrieben. Hinzu kommen Passivrauchen, Hypotonie Übergewicht, Asthma bronchiale sowie Frühgeborene. Er forderte daher gemeinsame Leitlinie und Fortbildungen zur praktisch-klinischen Diagnostik und Therapie von Schlafmedizinern, Kinderärzten, HNO-Ärzten und Zahnmedizinern.

Eine aktuelle Untersuchung zu klinischen Aspekten der Basismaterialien von Protrusionsschienen referierte PD Dr. Edmund Rose, Freiburg. Er zeigte den Einfluss der Reinigungslösungen auf die Festigkeit, die Tendenzen zur Verfärbung, die zytotoxischen Eigenschaften und die Retentionseigenschaften der Werkstoffe in einem Abzugsversuch. Da die verwendeten Materialien unterschiedliche biologische und mechanische Eigenschaften haben, forderte er vertiefende werkstoffliche Kenntnisse bei ihrem Dauereinsatz.

Prof. Dr. Martin Konermann, Kassel, rief in seinem preisgekrönten Vortrag zum Thema Schlaf und Urogenitalsystem zum offenen Ansprechen der Problematik auf, um einen therapeutischen Zugang zu erlangen. Die Häufigkeit der erektilen Dysfunktion liegt bei 19 Prozent der deutschen Männer zwischen 30 bis 80 Jahren. Die Perfusionssteigerung der Genitalorgane ist REM-Schlaf assoziiert, gerade dieser nimmt jedoch ohnehin mit zunehmendem Alter ab. Hinzu kommt, dass die obstruktive Schlafapnoe zur organischen Beeinträchtigung und Nervenbeeinträchtigung der erektilen Funktion führt.

Frage nach der Finanzierbarkeit

Mit großem Interesse wurde der Vortrag von Dipl.-Ing. Norbert Kamps, Xanten, Fachberater für die Hilfsmittelversorgung beim Medizinischen Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS e.V.), aufgenommen. Aussagefähige Unterlagen zur Beantragung einer Beratung im Gemeinsamen Bundesausschuss liegen vor. Dem G-BA steht offen, eine positive Entscheidung zu treffen und die Behandlungsmodalitäten in die Richtlinien aufzunehmen, damit die entsprechenden ärztlichen und zahnärztlichen Leistungen im EBM und im BEMA abgebildet werden. Über die Zuordnung der Produkte zu den zahntechnischen Leistungen oder Hilfsmitteln ist dann von den zuständigen Gremien zu entscheiden.

Preisverleihung

Die Verleihung des 4. Meier-Ewert-Preises an Prof. Alan Lowe, Vancouver, erfolgte im direkten Anschluss an sein Referat. Als Erfinder der Klearway® Protrusionsschiene für den Unterkiefer hat er die Gewissheit, dass jede Nacht rund 27 000 Patienten mit seinem Gerät zu Bett gehen. Schon früh setzte er auf ein zweiteiliges individuell angefertigtes und adjustierbares Gerät.

Termin 2009

Nach diesen vielen Eindrücken und fachlichen Synergismen, darf man gespannt sein, was die nächste Jahrestagung vom 12. bis 14. Oktober 2009 in Leipzig an Neuerungen bringt.

Dr. med. dent. Markus Heise
Deutsche Gesellschaft Zahnärztliche Schlafmedizin
Alte Jakobstraße 77, 10179 Berlin
www.dgzs.de

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