Jahrestagung der Neuen Arbeitsgruppe für Parodontologie

Regenerative Therapie – gestern und heute

Die Jahrestagung der Neuen Arbeitsgruppe für Parodontologie (NAgP) war für das zweite Wochenende im November in Nijmegen in den Niederlanden geplant. Unglücklicherweise war die Resonanz auf dieses Angebot so schwach, dass die Tagung in Nijmegen abgesagt werden musste. Das Thema oder die Referenten können aber nicht der Grund gewesen sein.

Denn, nachdem sich Oberstarzt Dr. Thomas Eger, ehemaliger 1. Vorsitzender der NAgP, erboten hatte, die Tagung in kleinerem Rahmen in Koblenz am Bundeswehrzentralkrankenhaus (BwZKH) auszurichten und auf diese Weise zu retten, meldeten sich mehr als 150 Kolleginnen und Kollegen zur 16. NAgP-Jahrestagung an. Eine vollbesetzte Aula des Bundeswehrzentralkrankenhauses war das Resultat.

Parodontale Wundheilung und Regeneration

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch den 1. Vorsitzenden der NAgP Prof. Dr. Dr. Anton Sculean, Bern. Prof. Sculean sprach zunächst dem Leiter der Fachzahnärztlichen Untersuchungsstelle Parodontologie am BwZKH Koblenz Oberstarzt Dr. Thomas Eger großen Dank aus, ohne dessen Einsatz diese Jahrestagung nicht hätte stattfinden können.

Anschließend hielt Prof. Dr. Dr. Sculean selbst zum Einstieg in die Thematik das Referat über „Parodontale Wundheilung und Regeneration“. Er begann bei der Anatomie des Zahnhalteapparats und spannte einen Bogen über Reparation und Regeneration bis zur Bewertung der verfügbaren Evidenz. Die Frage, ob das regenerierte Parodont dem intakten Parodont histologisch ebenbürtig ist, beantwortete Prof. Sculean mit einem eindeutigen „Ja“.

Lappentechniken und Begriffsdefinitionen

Im Folgereferat bearbeitete Dr. Thomas Eger, BwZKH Koblenz, das Thema „Nicht chirurgische und chirurgische Parodontaltherapie“. Dr. Eger thematisierte beginnend bei der historischen Entwicklung der Parodontaltherapie die Indikationen und Kontraindikationen chirurgischer Techniken bis hin zu den einzelnen Lappentechniken und deren Anwendung. Dabei stellte er deutlich heraus, dass regenerative Therapie nur das „Sahnehäubchen“ auf der Basis solider Parodontaltherapie ist. Ohne gründliche antiinfektiöse Therapie und regelmäßige Nachsorge hat regenerative Therapie langfristig keinen Sinn. In den Pausenzeiten fanden die im Vortragssaal ausgestellten insgesamt 13 Poster aus Leipzig, Heidelberg, Frankfurt und Timisoara (Rumänien) reges Interesse.

Knochenersatzmaterialien bei regenerativer Therapie

Prof. Dr. Michael Christgau, Düsseldorf/Universität Regensburg, setzte sich mit diesem schwierigen Thema auseinander. Er gab einen umfassenden Überblick über die aktuell auf dem Markt befindlichen Materialien und deren Evidenz. Der Referent zog die Schlussfolgerung, dass es ein ideales Knochenersatzmaterial, das alle gewünschten Anforderungen erfüllt, derzeit noch nicht gibt. Zur Erzielung parodontaler Regeneration sind Membranen oder Schmelz-Matrix-Proteine geeignet.

Knochenersatzmaterialien selbst tragen wenig zur Regeneration bei. Sie können aber die Wunde stabilisieren und so einen Kollaps der Membran beziehungsweise des Lappens in einen Defekt verhindern. Die Frage, welches Knochersatzmaterial nun zur Anwendung kommen sollte, wurde mit der Empfehlung, autologen Knochen oder xenogenes Knochenersatzmaterial in Kombination mit einer Membran oder mit Schmelzmatrixprotein zu verwenden, beantwortet. Bisher fehlt allerdings ein histologischer Beweis für die Überlegenheit einer solchen Kombinationstherapie. Insgesamt bleiben viele Fragen zur Thematik offen.

Langzeitergebnisse bei infraalveolären Defekten

Im Anschluss stellte Prof. Dr. Peter Eickholz, Frankfurt am Main, die zurzeit überhaupt verfügbaren Daten aus der Literatur vor. Er konnte, veranschaulicht auch durch eigene Patientenfälle, zeigen, dass die Ergebnisse auch fünf und zehn Jahre nach regenerativer Therapie mit Membranen oder Schmelzmatrixproteinen stabil sind. Allerdings existieren bestimmte Risikofaktoren, die diese Stabilität negativ beeinflussen können. Hier erwähnte er explizit das Rauchen, unregelmäßig wahrgenommene unterstützende Parodontaltherapie (UPT) und keine UPT in einer Spezialistenpraxis. Anschließend wurde der Referent mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet.

Regenerative Rezessionsdeckung

PD Dr. Hägewald, Berlin, stellte anhand vieler Patientenfälle die Methodik und Therapieergebnisse des koronalen Verschiebelappens bis zu sieben Jahre nach Operation dar. Der koronale Verschiebelappen mit zusätzlicher Anwendung von Schmelzmatrixprotein führt insgesamt zu stabileren Ergebnissen als das Vorgehen ohne Schmelzmatrixprotein. Dies gilt im Besonderen bei präoperativen Rezessionstiefen größer als vier Millimeter.

Langzeitergebnisse nach Furkationsbehandlung

In Vertretung für Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen bearbeitete PD Dr. James Deschner, beide Bonn, dieses Thema, zu dem es bisher nur sehr wenige wissenschaftliche Daten gibt. Jeweils eine Studie berichtet stabile Fünfund Zehn-Jahresergebnisse nach gesteuerter Geweberegeneration von Grad-II-Furkationsdefekten.

In diesem Kontext stellte PD Dr. Deschner noch ein eigenes Forschungsteilprojekt zum Einfluss funktioneller Belastung auf die parodontale Wundheilung bei regenerativer Therapie mit Schmelzmatrixproteinen als Teil einer DFG-geförderten Studie über Ursachen- und Folgen von Parodontopathien vor.

Integration regenerativer Therapie als Praxiskonzept

Im abschließenden Vortrag des Tages stellten Dr. Christina Tietmann und Dr. Frank Bröseler, Aachen, dar, wie regenerative Verfahren in den Praxisalltag des niedergelassenen Zahnarztes integriert werden können. Es wurde klar, dass regenerative Therapie in der Praxis nur nach konsequenter antiinfektiöser Therapie und unter Voraussetzung sachgerechter unterstützender Nachsorge erfolgreich realisiert werden kann. Nur eine Praxis, die beides auch infrastrukturell bewältigen kann, hat mit parodontaler Regeneration Erfolg. Zum Abschluss der Tagung erfolgte noch eine rege Diskussion der vorangegangenen Vorträge mit den Referenten.

NAgP-Förderpreis

Mit den NAgP-Förderpreisen 2008 wurden folgende Präsentationen prämiert: Der mit 500 Euro dotierte erste Preis ging an Dr. Bernadette Pretzl für eine Arbeitsgruppe von den Universitäten Heidelberg und Frankfurt am Main (Pretzl, B., Wiedemann, D., Cosgarea, R., Kim, T.-S., Kaltschmitt, J., Eickholz, P. „Was kostet es, einen parodontal erkrankten Zahn zehn Jahre lang zu erhalten?“). Der zweite Preis wurde geteilt und ging an Jasmin Wehner und Yasemin Siegelin, beide Frankfurt. Sie beschäftigten sich mit der Thematik „Wechselwirkung zwischen Serum-Entzündungsparametern und parodontaler Entzündung“.

Ausblick auf 2009

Auch im Jahr 2009 kann man sich auf Veranstaltungen der NAgP freuen: Die 15. Frühjahrstagung der NAgP wird zusammen mit dem 17. Symposium Parodontologie am 24. 4. 2009 in Koblenz am Bundeswehrzentralkrankenhaus stattfinden zum Thema „Dentinhypersensibilität und freiliegender Zahnhals: Ursachen und therapeutische Möglichkeiten“. Die 17. Jahrestagung der NAgP ist für den 12. 9. 2009 geplant. In Würzburg wird dann die Frage gestellt werden: „Wie viel Plaque verträgt das Parodont auf Dauer? Langzeiterfolg durch unterstützende Parodontitistherapie“.

Dr. Katrin Himmer
Poliklinik für Parodontologie,
Zentrum der Zahn-, Mund-,
und Kieferheilkunde (Carolinum)
Klinikum der Johann Wolfgang
Goethe-Universität Frankfurt
Theodor-Stern-Kai 7
60590 Frankfurt am Main

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