Repetitorium

Adipositas-Chirurgie

Hohe Komorbidität, weniger Lebenserwartung

Dabei leiden in Deutschland nach dem letzten Gesundheitssurvey aus dem Jahre 2003 ein bis knapp zwei Prozent der Bevölkerung an einer massiven Adipositas. Das entspricht mehr als 800 000 Menschen. Sie weisen ein sehr hohes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen bis hin zu Herzinfarkt und Schlaganfall auf, sind aber auch für eine Schlaf-Apnoe und degenerative Skeletterkrankungen stark gefährdet.

Die Komorbidität ist bei der morbiden Adipositas nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Das Mortalitätsrisiko der Betroffenen ist um das Sechs- bis Zwölffache gegenüber der Normalbevölkerung erhöht. Die Lebenserwartung verkürzt sich dadurch bei Männern im Mittel um zwölf und bei Frauen um neun Jahre.

Ziel ist es, die Mortalität zu senken

Deutlich bessern ließe sich das Sterblichkeitsrisiko, wenn frühzeitig adäquat interveniert und beispielsweise durch einen operativen Eingriff das Körpergewicht drastisch reduziert wird, so der Chirurg. Allerdings werden pro Jahr hierzulande nur rund 1 200 bariatrische Operationen durchgeführt. Nach einer Erhebung des Bundesverbandes der Medizintechnologie (BVMed) liegt die Pro-Kopf-Rate der Operationen in Deutschland bei 3,6 Eingriffen. In anderen Ländern ist sie deutlich höher: So liegt die Pro-Kopf-Rate der Eingriffe in Österreich bei 23,5 und in Frankreich sogar bei 26,9.

Dass sich die Adipositas-Chirurgie aber sowohl für den Patienten wie auch die Krankenkassen lohnt, hat ein aktueller HTA-Bericht (Health Technology Assessment) des Deutschen Institutes für Medizinische Dokumentation (DIMDI) ergeben. Dazu wurden 25 medizinische und sieben gesundheitsökonomische Studien zur Adipositas-Chirurgie ausgewertet. Das Berichtsergebnis: Extrem Dicke profitieren mit einer reduzierten Komorbidität und vor allem einem Rückgang des Diabetes. „Eine Reduktion der Mortalität kann angenommen werden“, heißt es abschließend in dem Bericht. Die Adipositas-Chirurgie erweise sich zudem als kosteneffektiv.

Sie reduziert darüber hinaus das Schnarchen und bessert Schlaf-Apnoe, wie eine spanische Studie dokumentiert. Eine österreichische Untersuchung belegt darüber hinaus deutliche hormonelle Verschiebungen nach einer Adipositas-Operation, die eindeutig günstige metabolische Folgen haben. Demnach brauchen acht von zehn stark adipösen Diabetikern nach der Operation keine blutzuckersenkenden Medikamente mehr.

Optimistischer als der HTA-Bericht fällt hinsichtlich der Minderung der Übersterblichkeit extrem adipöser Menschen das Ergebnis der SOS-Studie (Swedish Obese Study) aus, die für bariatische Operationen klare Überlebensvorteile belegt. In die Studie wurden rund 4 000 Patienten mit einem BMI von mehr als 34 eingeschlossen. Die Hälfte von ihnen wurde operiert, die andere Hälfte erhielt eine konservative Behandlung. Die Kontrollgruppe nahm im Mittel zwei Prozent des Körpergewichtes ab, die operierten Patienten allerdings 32 Prozent (Magenbypass). Im Verlaufe der zehnjährigen Nachbeobachtung ereigneten sich in der Kontroll-Gruppe 129 Todesfälle gegenüber nur 101 Todesfällen in der Gruppe der operierten Patienten. Demnach kann rund jeder vierte bis sogar jeder dritte Todesfall durch die Operation verhindert werden.

Weitere Bilder
Bilder schließen