Repetitorium

Adipositas-Chirurgie

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Dem stehen Untersuchungen entgegen, die ein um 58 Prozent erhöhtes Suizidrisiko bei den operierten Patienten berichten. Eine US-Studie, bei der das Schicksal von mehr als 16.000 Patienten nach bariatischer Operation seit 1995 nachverfolgt wurde, stellt zudem den Vorteil auf die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität in Frage. So wurde in der Studie demonstriert, dass trotz Operation deutlich mehr der ehemals stark adipösen Patienten im Beobachtungszeitraum verstarben und dass überproportional häufig eine Herzerkrankung als Todesursache angegeben wurde.

Unter den insgesamt 440 Todesfällen war zudem in 45 Fällen eine nicht natürliche Todesursache festgestellt worden. Darunter fanden sich 16 Suizide, was einer Rate von 4 Prozent entspricht und 14 Drogentode, was 3 Prozent der Todesfälle ausmacht. Beide Parameter waren damit weit häufiger, als anhand der Daten der Normalbevölkerung zu erwarten gewesen wäre.

Auch gibt es Hinweise darauf, dass die Malabsorption auch bei den restriktiven Verfahren nicht unerheblich ist: Es kann zu Störungen der Resorption von Vitaminen und Spurenelementen wie Kalzium und Zink kommen, was neben dem allgemeinen Vitamin- und Mineralstoffmangel auch die Konsequenz hat, eine Osteoporose zu begünstigen.

Das Magenband

Bei den Operationsmethoden gibt es grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten: Das operative Anlegen eines Magenbandes (Gastric Banding) gehört dabei zu den restriktiven Verfahren, also zu den Operationen, durch die praktisch zwangsweise die Nahrungszufuhr begrenzt wird. Entwickelt wurde die Methode von amerikanischen Chirurgen. Inzwischen ist das Legen des Magenbandes auch über einen laparoskopischen Eingriff möglich, was die Operationsrisiken minimiert.

Bei dem Eingriff wird der Magen kurz unterhalb des Überganges von der Speiseröhre durch ein Band eingeschnürt, so das praktisch zwei Bereiche entstehen, ein oberer Magenteil, der sogenannte Vormagen (Pouch), sowie der Restmagen unterhalb der Einschnürung (Stoma).

Durch die Magenverkleinerung wird die Magenwand im Pouch bei der Nahrungsaufnahme erheblich gedehnt und es kommt zu einem weit früheren Sättigungssignal. Der Patient verspürt keinen Hunger mehr und wird damit zwangsläufig die Nahrungszufuhr reduzieren.

Integriert ist üblicherweise ein Ballon, der über ein Portsystem postoperativ befüllt werden kann. Dadurch lässt sich auch im Nachhinein die Enge des Magenbandes noch variieren und damit noch früher ein Sättigungsgefühl beim Essen auslösen. Darüber hinaus befinden sich sogenannte ferngesteuerte Magenbänder, also Vorrichtungen, mit denen sich der Banddurchmesser auch ohne Legen eines Portsystems nach dem operativen Eingriff von außen verändern lässt, noch im experimentellen Stadium.

Nach der Operation erhalten die Patienten zunächst flüssige Kost und werden nach und nach auf feste Nahrung umgestellt. Es kommt in aller Regel zu einer raschen Gewichtsreduktion, da die Patienten durch das Magenband praktisch gezwungen werden, die Nahrung gut zu kauen, was die Reduktion der zugeführten Nahrungsmenge noch unterstützt.

Das Gastric Banding gilt inzwischen als sicheres Operationsverfahren, die perioperative Letalität wird mit unter 0,2 Prozent angegeben. Schwere Komplikationen, beispielsweise eine Dislokation des Bandes als Folge der Aufnahme zu großer Nahrungsmengen, treten nur selten auf, machen dann aber in aller Regel einen erneuten Eingriff notwendig. Die Rate zusätzlicher notwendiger Operationen aufgrund von Komplikationen liegt allerdings insgesamt bei zehn bis 20 Prozent.

Eine Indikation für ein Magenband wird in Deutschland bei einem BMI über 40 kg/m³ sowie bei einem BMI über 35 kg/m³, wenn bereits eine Komorbidität besteht, gesehen. Die Altersgrenzen liegen bei 18 und bei 60 Jahren. Das massive Übergewicht muss bereits länger als fünf Jahre bestehen, es müssen mindestens fünf ernsthafte Diätversuche fehlgeschlagen und eine gute Compliance des Patienten zu erwarten sein.

Wichtig ist eine adäquate Aufklärung des Patienten. Zusätzlich ist vor dem Eingriff eine genaue Ernährungsanalyse erforderlich. Denn, wenn das Übergewicht vorwiegend auf dem Verzehr großer Mengen von Süßigkeiten (Sweat Eater) oder Soft Drinks beruht, wird das Legen eines Magenbandes nicht erfolgreich sein.

Ansonsten ist eine Gewichtsreduktion um 40 bis 60 Prozent in ein bis zwei Jahren realistisch. Mit der Gewichtsreduktion bessern sich im Normalfall ein bestehender Hypertonus, eine Dyslipidämie und auch begleitende Gelenkbeschwerden.

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