Garantieprodukte

Mit Sicherheit teuer

Höchstmögliche Rendite mit 100-prozentiger Sicherheit – das ist der Traum aller Anleger. Vor allem in Krisenzeiten schätzen sie den Schutz ihres Kapitals. Fondsanbieter wissen das und bieten entsprechende Produkte. Auch die Zertifikate-Bauer halten viele Angebote bereit. Ihnen sind die Gewinne sicher, der Anleger hat das Nachsehen. Dabei kann er sich seinen Wunsch nach sicherer Rendite einfach und kostengünstig selbst erfüllen.

Drei Begriffe bestimmen die Geldanlage: Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit. Der Anleger entscheidet, welches Ziel für ihn das Wichtigste ist. Denn von vorneherein steht fest: Alle Ziele lassen sich auf keinen Fall gleichzeitig erreichen. Der Anleger muss also entscheiden, welches für ihn Priorität besitzt. Die beiden anderen Vorgaben stehen dahinter zurück.

Die Prioritäten aufgelistet

Wünscht er sich vor allem Sicherheit, beispielsweise für die Finanzierung der Ausbildung des Sohnes oder der Tochter, dann verzichtet er automatisch auf eine besonders attraktive Rendite. Wer hingegen ständig über sein Erspartes oder zumindest über einen Teil davon verfügen will, sucht sich das beste Angebot für Tagesgeld. Setzt der Sparer vor allem auf eine hohe Rendite, nimmt er das Risiko eines Verlustes bewusst mit in Kauf.

Diese Erkenntnisse vermittelt ein seriöser Bankberater seinem Kunden gleich zur Eröffnung des Gespräches.

Doch so mancher Experte wartet mit der vermeintlichen Optimallösung auf: ein Garantieprodukt. Es soll angeblich als Allheilmittel dazu dienen, alle Ziele gleichzeitig zu erreichen. Besonders in Krisenzeiten werden Anleger anfällig für solche Versprechungen.

Das befürchtet auch Dr. Andreas Beck, Vorstand des Instituts für Vermögensaufbau in München: „Ich glaube, dass viele Anleger in diesem Jahr auf Garantieprodukte zurückgreifen werden.“

Die Statistik des Bundesverbandes Investment und Asset-Management (BVI) bestätigt das. Während Aktien- und Geldmarktfonds über Abflüsse klagen, legten die Garantiefonds zu. So verzeichnete der Verband Ende 2007 172 Garantiefonds mit einem Gesamtvolumen von 18,66 Milliarden Euro. Ende November 2008 hatten 172 Garantiefonds 24,6 Milliarden Euro auf den Konten.

Bei den wertgesicherten Fonds sehen die Zahlen nicht so günstig aus. Zwar stieg ihre Anzahl im selben Zeitraum um drei Fonds auf 76. Das Volumen reduzierte sich aber leicht von 3,62 Milliarden auf 3,5 Milliarden Euro.

Auch unter den Zertifikaten erwiesen sich die Garantiepapiere noch als die stabilste Version der Wettscheine. Alle wichtigen Fondsgesellschaften bieten Fonds mit Sicherheitsnetzen an.

Das grundlegende Versprechen ist der Erhalt des eingesetzten Kapitals. Der Sparer will am Ende mindestens seinen Einsatz wieder zurückbekommen. Es gibt verschiedene Varianten.

•  Fonds mit Geld-zurück-Garantie:

Fonds, die ein Versprechen auf Kapitalerhalt beinhalten, bieten den Anlegern die größte Sicherheit. Zu einem festgelegten Datum zahlt der Emittent zumindest die eingezahlte Summe minus Ausgabeaufschlag zurück. Um in den Genuss der Garantie zu kommen, muss der Anleger seine Anteile bis zu diesem Termin halten, nur dann zieht das Garantieversprechen. Verkaufen kann er seine Papiere jederzeit. In diesem Fall muss er sich aber mit dem Tageskurs zufrieden geben und einen eventuellen Verlust einstecken.

Damit das Fonds-Management sein Garantieversprechen überhaupt einlösen kann, muss es den größten Teil des Fondsvermögens in sichere Zinspapiere investieren. Mit dem Rest wird gespielt. Dieses Geld fließt in höher rentierliche Anlagen wie Indizes oder Aktienkörbe. Da es sich dabei aber um relativ kleine Summen – etwa ein Drittel – handelt, kann die Rendite am Ende nicht besonders üppig ausfallen. Sicherheit kostet eben Gewinn. Und je höher die Garantie ausfällt, desto niedriger die Rendite.

Der Anleger muss sich also mit einer niedrigen Partizipationsrate zufrieden geben. Diese Messzahl gibt an, in welcher Höhe der Anleger von den Kurssteigerungen profitiert. Liegt die Partizipationsrate bei 60 Prozent, und steigen die Kurse um 40 Prozent, bleibt der Anleger auf der Gewinner-Seite. Legen die Kurse weiter zu, sind die Garantiefonds schnell abgehängt. Anleger können diese Fonds häufig nur zu Beginn der Laufzeit während der Emissionsphase kaufen. Danach gibt der Fonds keine Anteile mehr aus. Sie haben eine feste Laufzeit. Unter anderen bieten die Fondsgesellschaft der Sparkassen Deka, die Union Investment oder auch die DWS solche Zielsparfonds an.

• Wertsicherungsfonds mit Höchststandsgarantie

Diese Variante nennt einen Stichtag – das kann das Quartalsende oder der letzte Freitag im Monat oder irgendein anderes vorher festgelegtes Datum sein. Der Kurs, den der Fonds an diesem Tag erreicht, wird bis zum nächsten Stichtag garantiert. Liegt der neue Wert dann unter dem alten Stand, gilt der alte Wert. Fällt der Kurs des Fonds, steigen clevere Anleger ein und kassieren die Differenz zum Garantiewert am Ende der Laufzeit.

• Wertsicherungsfonds mit unterer Grenze

Bei diesem Modell akzeptieren die Anteilskäufer zum Beispiel einen maximalen Wertverlust pro Jahr. Eine Garantie, die vor weiteren Kursverlusten schützt, gibt es dabei nicht. Der Manager mischt je nach Börsenlage Renten und Aktien. In unsicheren Zeiten, wie jetzt, dürften diese Fonds ihren Schwerpunkt auf Renten legen. Steigen die Aktienkurse wieder, hinken diese Fonds hinterher. Wertsicherungsfonds haben zum Beispiel die Cominvest und die Schweizer UBS im Programm.

 Als Alternative zu den Fonds bieten auch Garantiezertifikate einen gewissen Schutz vor dem Verlust des eingesetzten Kapitals. Wie die Statistik des Deutsche Derivate Verbands zeigt, setzen viele Anleger auf diese Papiere. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Zertifikat-Varianten, halten sich die Garantie-Papiere mit einem Rückgang von nur 1,4 Prozent in 2008 ziemlich stabil. Auf sie entfällt inzwischen mehr als die Hälfte des Marktvolumens. Anfang des Jahres war es nur ein Drittel. Der Grund für den Erfolg liegt in dem Versprechen, dass die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals am Ende der Laufzeit zu 100 Prozent erfolgt – in diesen Zeiten ein gewichtiges Argument. Wie bei den Fonds gilt auch hier die Devise: Der größte Teil des Kapitals wandert in eine möglichst sichere Anlage. Dabei fällt die Wahl meistens auf einen Zerobond.

Für diese Null-Kupon-Anleihen werden keine Zinsen gezahlt. Diese verstecken sich sozusagen im Kurs. Sie werden mit einem Abschlag vom Nennwert emittiert. Im Lauf der Zeit steigt der Kurs. Die Rückzahlung erfolgt dann zu 100 Prozent. So kostet zum Beispiel ein Zerobond bei der Emission nur 80 Euro, am Ende bekommt der Anleger aber 100 Euro ausgezahlt. Die 20 Euro Differenz sind der Gewinn, also quasi die Zinsen. Da diese 20 Euro garantiert sind, nimmt der Emittent diesen Betrag und investiert ihn in Optionen, die höhere Gewinne versprechen. Ein Teil der 20 Euro kann auch als Gebühren in die Taschen des Emittenten wandern.

Doch nicht alle Garantiezertifikate, die auf einem Zerobond und auf derselben Option basieren, zeigen die gleiche Kursentwicklung. Das kann zum einen an den Kursen des jeweiligen Zerobonds liegen. Dessen Entwicklung verläuft nicht unbedingt linear. Er reagiert auf Zinsentwicklungen und auf die Bonität des Emittenten. Eine Kennzahl dafür ist der sogenannte Credit Spread. Damit ist die Differenz gemeint zwischen den Zinsen, die für Staatsanleihen gezahlt werden und den Zinsen, die ein Unternehmen zahlen muss, um Geld am Markt aufnehmen zu können. Je kleiner die Differenz, desto höher die Bonität des Emittenten. Umgekehrt müssen Banken mit geringer Bonität höhere Zinsen zahlen, damit sie sich Geld leihen können. Die Gläubiger lassen sich ihre Risikobereitschaft honorieren. Anleger, die Geld in Garantiezertifikaten anlegen wollen, können sich auf der Homepage des DDV (www.deutscher-derivate-Verband.de) informieren: unter der Rubrik Transparenz das Stichwort „Bonität: Credit Spreads“ anklicken. Dort gibt es eine Liste der Emittenten mit einer Bonitätsbeurteilung.

Unbezwingbares Dreieck

Alle diese Fonds und Zertifikate wollen das Dreieck von Verfügbarkeit, Rendite und Sicherheit aushebeln. Dass diese Strategie eigentlich nie funktioniert, zeigt das Ergebnis einer Studie der Frankfurt School of Finance Management. Sie stammt zwar aus dem Jahr 2007. Die Ergebnisse haben ihre Gültigkeit aber nicht verloren. Unterschiedliche Marktszenarien wurden zugrunde gelegt und die Entwicklung von Garantiefonds und -zertifikaten im Vergleich zu Produkten ohne Garantie beobachtet. Sie zeigen, dass bei einer Anlagedauer von 25 Jahren das Garantieversprechen zirka 50 Prozent der Rendite frisst.

Laut Professor Uwe Wystup, Leiter der Untersuchung, gibt es zwei Gründe, weshalb Anleger sich von Garantieversprechen locken lassen. Zum einen fürchten sie einen plötzlichen Börsencrash und zum anderen drückt die Befürchtung, dass das Vermögen aufgrund von ungünstigen Kursverläufen abschmilzt. Dabei steht er den Garantieprodukten nicht generell ablehnend gegenüber. Sein Fazit lautet: „Garantieprodukte machen Sinn für kurz- und mittelfristige Anlagezeiträume. Aber wer etwas für seine Altersvorsorge tun will, kann auf eine Garantie getrost verzichten. Das ist ganz ähnlich wie bei der Kraftfahrzeugversicherung. Wer 25 Jahre das gleiche Auto fährt, wird irgendwann auch keine Vollkaskoversicherung mehr abschließen.“ Im Verlauf eines langen Zeitraumes glättet der Markt die Schwankungen.

Verwirrende Gestaltung

Hinzu kommt, dass die meisten Anleger kompliziert gestaltete Fonds und vor allem Zertifikate häufig nicht verstehen. Wie denn auch, benötigen die Mathematiker Tage, um ein solches Produkt zu kreieren. Experten wie Martin Weber, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaft und Finanzwirtschaft an der Universität Mannheim, fordern mehr Transparenz, damit die Anleger wissen, wie hoch die Kosten für die Garantie sind.

Aus den gleichen Gründen lehnt Werner Hedrich, Leiter der Fondsresearch-Abteilung beim Analysehaus Morningstar, Garantieprodukte ab. Seiner Meinung nach ist ihre Gestaltung zu kompliziert und die Produkte nicht vergleichbar.

Eine Absage erteilt auch Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart, den Fonds und Zertifikaten mit eingebauter Garantie. In seinem Buch „Lexikon der Finanzirrtümer“, das er zusammen mit Werner Bareis herausgegeben hat, nimmt er sich auch die Garantiefonds vor. Ein Kritikpunkt ist, dass die Fonds, die meistens eine Laufzeit von acht bis zehn Jahren haben, die Inflation nicht berücksichtigten. So rechnet er vor: „1 000 Euro sind nach zehn Jahren bei einer Inflation von drei Prozent nur noch knapp 750 Euro wert.“ Auch Zertifikate finden keine Gnade: „Oft wird der Schutz dadurch bezahlt, dass Anleger auf Dividenden verzichten müssen. An den Kursteigerungen des zugrunde liegenden Index nehmen die Anleger oft nur zu einem gewissen Prozentsatz teil. Dazu kommt das Emittentenrisiko. Im Gegensatz zum Garantiefonds ist bei einem Konkurs des Anbieters ein Zertifikat nicht besonders abgesichert.“

Nauhauser empfiehlt Anlegern, die ihren Kapitaleinsatz gern absichern möchten, einen Garantiefonds der Marke Eigenbau. Das Rezept sieht so aus: Eine Hälfte fließt in sichere Anlagen, zum Beispiel in Bundesanleihen oder auf ein Festgeldkonto bei einer Direktbank. Dort gibt es derzeit (Anfang Januar 2009) noch gute 4,5 Prozent Zinsen. Die andere Hälfte wandert in einen Indexfonds. Dabei sollte die Wahl zum Beispiel auf den MSCI Europe, MSCI World oder den Stoxx 600 fallen. Damit ist der Anleger breit genug aufgestellt, und die Gebühren betragen nur zirka 0,5 Prozent. Zwar wenden Kritiker ein, dass auch diese Fonds zur Absicherung in Swaps oder Zertifikate investieren. Doch Nauhauser sieht darin kein Problem: „Sie dürfen maximal zehn Prozent des Kapitals dafür nutzen. Die meisten begnügen sich mit zwei bis drei Prozent.“ Ein Emittentenrisiko gebe es aber immer.

Marlene Endruweit
m.endruweit@netcologne.de

zm-Info

Hilfe für den Bau eines Garantiefonds

Niels Nauhauser hat eine Tabelle zusammengestellt, die Hilfestellung beim Bau eines eigenen Garantiefonds bietet. Sie zeigt eine Vermögensaufteilung zwischen festverzinslichen Geldanlagen und Aktienfonds, um selbst bei einem Totalverlust des Aktienfonds nach fünf beziehungsweise zehn Jahren das ursprüngliche Kapital zu erhalten. Ein Totalverlust ist bei einem weltweit anlegenden Fond ohne besondere Brancheschwerpunkte schwer vorstellbar. Der Verbraucherschützer rechnet vor: „Wer beispielsweise 10 000 Euro über fünf Jahre garantiert erhalten möchte, legt einen Teil des Geldes ohne größeres Verlustrisiko an. In Frage kommen beispielsweise ein Festgeldkonto oder auch Bundeswertpapiere. Bei vier Prozent Zinsen braucht ein Anleger dazu rund 8 200 Euro, die nach fünf Jahren auf 10 000 Euro angewachsen sind. Bleiben rund 1 800 Euro übrig, die zum Beispiel in einen Aktienfonds investiert werden können. Die Endrendite setzt sich dann aus den Erträgen der sicheren Anlage und der Aktienperformance zusammen. Garantiefondsanbieter machen es auch nicht anders.“

Anlagedauer

Bei 3 % Zinsen

Bei 4 % Zinsen

Bei 5 % Zinsen

5 Jahre

86 % Festgeld

14 % Aktien

74 % Festgeld

26 % Aktien

82 % Festgeld

18 % Aktien

10 Jahre

68 % Festgeld

32 % Aktien

78 % Festgeld

22 % Aktien

61 % Festgeld

39 % Aktien

Quelle: Werner Bareis/ Niels Nauhauser: Lexikon der Finanzirrtümer, Econ Verlag

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