Interaktive Fortbildung

Bisshebung – konservierend und prothetisch gelöst

Der Verlust der ursprünglichen vertikalen Dimension, wie er im Zuge von Attrition und Abrasion auftritt, kann abgesehen von allgemeinästhetischen und zahnästhetischen Beeinträchtigungen auch negative gesundheitliche Auswirkungen haben [Rivera-Morales & Mohl, 1991]. Eine Wiederherstellung der ursprünglichen vertikalen Relation mithilfe prothetischer oder restaurativer Maßnahmen erfordert meist eine umfassende Therapie, da alle Zähne und deren unterschiedlicher Therapiebedarf bei der Planung berücksichtigt werden müssen [Allen, 2003]. Im folgenden Fallbericht werden unterschiedliche restaurative (Kompositrestaurationen, Keramikonlays) und prothetische (Kronen- und Brückenversorgung) Maßnahmen vorgestellt.

Eine sorgfältige Behandlungsplanung sowie eine vorherige Austestung der neu definierten Bisshöhe sind hierbei von besonderer Bedeutung.

Patientenfall

Eine 57-jährige Patientin wurde von ihrem Hauszahnarzt zur „Entfernung des beherdeten Zahnes 46“ in die Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde überwiesen. Akut bestanden keine Schmerzen, die Patientin berichtete jedoch von einer gelegentlich auftretenden Kälteempfindlichkeit im Frontzahnbereich. Das Hauptanliegen der Patientin selbst war der Wunsch nach einer ästhetischen Verbesserung, da sie befürchtete, dass ihre „gelblichen, abgeschliffenen Unterkieferschneidezähne“ sie insgesamt älter erscheinen ließen.

Anamnese

Die allgemeine Anamnese der Patientin war unauffällig. Bezüglich der zahnmedizinischen Vorgeschichte berichtete die Patientin, dass vor einem halben Jahr die VMK-Kronen der Zähne 12, 11 und 21 aus ästhetischen Gründen, die Vollgusskrone des Zahnes 26 aufgrund von Sekundärkaries erneuert worden waren. An Zahn 16 war vom Hauszahnarzt eine Wurzelkanalbehandlung begonnen worden.

Befund

Extraoraler Befund Auffällig waren ausgeprägte Nasolabialfalten sowie ein in Okklusion verkürztes unteres Gesichtsdrittel (Abbildung 1)

Funktionsbefund

Es waren keine Anzeichen kraniomandibulärer Dysfunktionen erkennbar. Auffällig war lediglich ein großer Interokklusalabstand von fünf Millimetern (mm).

Intraoraler Befund

Die Befundaufnahme ergab ein prothetisch und konservierend insuffizient versorgtes Gebiss bei guter Mundhygiene (API: 32 Prozent, SBI: 25 Prozent). An diversen Kronenrändern lag eine Sekundärkaries vor (siehe Befundblatt Abbildung 2).

Die Zähne 13, 44 sowie die Unterkieferfrontzähne (von Zahn 33 auf 43) zeigten kleine Kompositfüllungen auf, ansonsten waren sie kariesfrei, wiesen jedoch massive Abrasionen mit Dentinexposition auf (Abbildung 3). Sowohl die neu angefertigten Oberkieferfrontzahnkronen als auch die abradierten Unterkieferschneidezähne waren klinisch zu kurz. Zudem lag ein ausgeprägter Tiefbiss vor (Abbildung 1). Die parodontale Untersuchung ergab einen altersentsprechenden Befund mit lokalisierter Gingivitis an den Kronenrändern im Oberkieferfrontzahnbereich.

Röntgenologischer Befund (Abbildung 4)

An den Zähnen 46 und 45 waren apikale Läsionen bei röntgenologisch insuffizienter endodontischer Versorgung erkennbar. Zahn 24 war kariös zerstört. Zahn 48 war retiniert und in enger Beziehung zum N. alveolaris inferior verlagert, ohne Anzeichen von peridentalen Entzündungen.

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