Repetitorium

Tabakentwöhnung

Auch wenn das Rauchen in vielen Restaurants und Gaststätten inzwischen kaum mehr möglich ist und Zigaretten immer teurer werden, ist die Zahl der Raucher kaum gesunken. Dabei gibt es inzwischen zahlreiche Programme und Hilfsmittel, welche die Tabakentwöhnung unterstützen.

Aus zahnärztlicher wie auch aus allgemeinärztlicher Sicht birgt das Rauchen viele Gefahren. Der chronische Nikotinabusus leistet in erster Linie dem Lungenkrebs, aber auch Lippen- und Mundbodenkrebs Vorschub sowie weiteren Krebserkrankungen in anderen Körperregionen. Er schädigt außerdem Herz und Gefäße und bahnt somit Herzinfarkt und Schlaganfall, aber auch Thromboembolien und der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit den Weg. Vor allem langjährige Raucher lassen sich davon kaum abschrecken. Sie nehmen sogar die früher oder später auftretende chronische Bronchitis kaum mehr als Krankheit wahr, sondern tun diese als Bagatelle ab.

Sucht und kein Laster

Obwohl die Gesundheitsgefahren allseits gut bekannt sind, können nach wie vor rund 20 Millionen Menschen hierzulande den Griff zur Zigarette nicht lassen. Denn das Rauchen ist kein „einfaches Laster“, sondern eine Sucht. Allein mit Gefahrenaufdrucken auf der Zigarettenschachtel, mit Rauchverboten in öffentlich zugänglichen Räumen und mit einer Erhöhung der Tabaksteuer ist sie nicht zu bekämpfen.


Aus Sicht der Zahnmedizin

Die Tatsache, dass Rauchen sich auch negativ auf orale Strukturen auswirkt, bedarf keiner Diskussion mehr. Daher sollte die Aufklärung darüber zum zahnärztlichen Betreuungskonzept gehören, insbesondere wenn sich hieraus negative Aspekte für den Krankheitsbeziehungsweise Behandlungsverlauf (wie postoperative Wundheilungsstörungen, Mundschleimhautveränderungen, Parodontalerkrankungen, Implantate) ergeben.

Inwieweit sich Zahnärzte oder Zahnmedizinische Fachangestellte im Rahmen von Entwöhnungsprogrammen engagieren wollen oder sollten, wurde im Rahmen von klinischen Studien untersucht. Das Interesse an dieser Thematik war mit rund 46 Prozent Rücklauf entsprechender Fragebögen in Kanada und über 60 Prozent in Schweden relativ hoch. Es zeigte sich, dass vor allem Zahnärztinnen, jüngere Kollegen und Dentalhygienikerinnen Patienten nach ihren Rauchgewohnheiten fragen, ihnen Entwöhnungsprogramme vorschlagen und sie bei der Entwöhnung unterstützen.

Aktive Unterstützung wird allerdings nur sehr selten angeboten, insbesondere von Zahnärzten mit Hemmungen hinsichtlich psychosozialer Interventionen. Als problematisch wird darüber hinaus die Tatsache angesehen, dass sich viele Zahnärzte (70 Prozent) als unzureichend ausgebildet einstufen, um adäquate Hilfe anbieten zu können. Zur eigenen Information und Fortbildung kann unter anderem die Leitlinie zu tabakbedingten Störungen „Leitlinie Tabakentwöhnung“ der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie und der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde herangezogen werden.

Empfehlungen für abhängige Patienten durch einen Arzt oder Zahnarzt beziehungsweise Assistenzpersonal sollten sich auf fundierte Therapien beziehen, die einer qualitätssichernden Beurteilung standhalten, wirtschaftlich und praktikabel sind. Die Entscheidung bezüglich der angebotenen pharmakologischen Begleitmaßnahmen sollte fachlich adäquat begleitet werden, um entsprechend den Rauchcharakteristika und dem Grad der Nikotinabhängigkeit ein geeignetes Verfahren auszuwählen.


Dr. Dr. Monika Daubländer
Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Klinik und Poliklinik für Zahn-,
Mund- und Kieferkrankheiten
Augustusplatz 2
551131 Mainz


Raucher brauchen Hilfe, wenn sie zum Nichtraucher werden wollen. Es wurden daher zahlreiche Hilfsmittel und Programme entwickelt, wobei Ärzte wie auch Zahnärzte aktiv dazu beitragen können, ihren Patienten über solche Möglichkeiten die Tabakentwöhnung schmackhaft zu machen.

Strukturiertes Fünf-Termine-Modell

So hat beispielsweise der Pneumologe Dr. Thomas Hering aus Berlin ein strukturiertes Programm zur Tabakentwöhnung entwickelt, das sich insbesondere für den Einsatz in der Arztpraxis eignet und zudem als IGeLLeistung abgerechnet werden kann. Das Programm beinhaltet fünf Arzt-Patienten-Gespräche und setzt auf die Kombination psychosozialer Unterstützung und pharmakologischer Begleitung. Die Erfolgschancen liegen laut Hering bei rund 30 Prozent über ein Jahr.

Unabhängig davon, ob das Fünf-Termine-Modell oder ein anderes Programm zur Tabakentwöhnung gewählt wird, sollte der Ansatz nach Hering stets beide Suchtkomponenten angehen, und zwar die Rezeptor gebundene Nikotinsucht sowie die konditionierte verhaltensgeprägte Sucht. Richtet sich die Entwöhnungsstrategie gegen beide Komponenten, so sind die Erfolgsaussichten deutlich besser als beim „kalten Entzug“ – wie er von vielen Rauchern zum Beispiel nach den guten Silvestervorsätzen versucht wird.

Weitere Bilder
Bilder schließen