Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

ob altersbedingte Veränderungen im orofacialen Bereich, sogenannte „Alterskrankheiten“ und deren Folgen, ob geänderte Behandlungs-, Betreuungs- und Begleitungsbedingungen älterer Menschen in und außerhalb der zahnärztlichen Praxis: Das Feld der Seniorenzahnmedizin ist weit umfangreicher, als es Nichtmedizinern auf den ersten Blick erscheinen mag. Selbst der Hinweis, Alterszahnheilkunde sei nicht erst mit der Erkenntnis einer fortschreitenden Alterung unserer Gesellschaft „erfunden“ worden, hilft wohl kaum über die grundsätzlich wachsenden Probleme altersgerechter Behandlung und Betreuung hinweg. Hier spricht schon die Statistik für eine rechtzeitige Befassung mit den künftigen Notwendigkeiten.

Die Gesellschaft muss sich bewusst machen: Nicht erst FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher hat mit seinem „Methusalem-Komplott“ die Bedingungen verklart. Handlungsbedarf gibt es in allen Bereichen, auch jenseits von offensichtlichen wie der stationären und ambulanten Altenpflege.

Sicherlich kann der ZahnMediziner sich die Kenntnisse einer altersgerechten Behandlung dieser Gesellschaftsgruppe aneignen. Damit ist es aber nicht getan. Dieser Behandlungssektor ist mitunter aufwändig. Er erfordert die Schaffung besonderer Voraussetzungen, braucht ein besonderes Maß an Geduld und Zeit – und das nicht nur in der externen Betreuung von pflegebedürftigen Menschen in Altenheimen.

Künftig wird es nicht ausreichen, dass die sogenannten „Go-gos“ und „Slow-Gos“ unter den Älteren vielleicht länger auf ihren Ruhestand warten müssen als heute noch üblich. Wir müssen uns als Gesellschaft auch darauf vorbereiten, dass medizinischer Fortschritt und längere Lebensspanne zwangsläufig zu einem steigenden Betreuungsbedarf in vielen Bereichen, auch dem der ZahnMedizin führen werden.

Dieses Wissen braucht alles andere als den Übergang zur Tagesordnung. Es muss gesagt werden: Humanitäres Handeln impliziert Rücksichtnahme, erfordert Aufwand und kostet auch Geld. Das haben die Menschen, die über lange Jahre einen Beitrag zum Funktionieren unserer Gesellschaft geleistet haben, sich verdient. Hier ist es mit Vorzeigeprojekten altersgerechten Wohnens noch lange nicht getan.

In der ZahnMedizin ist die Notwendigkeit, sich mit dieser wichtigen Thematik zu befassen, längst erkannt und wird in verantwortlichen Kreisen wie Politik und Behörden hinein aktiv beworben. Die Botschaft: Es herrscht Handlungsbedarf.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur