Informationen zu Medizin und Zahnmedizin im Internet

Ungesunde Klicks

Patienten suchen verstärkt im Internet nach Informationen über Gesundheitsthemen. Doch nicht alle Angebote sind verlässlich. Darüber diskutierten jetzt Experten auf dem zweiten Kongress Gesundheitskommunikation in Berlin.

Melanie H. sitzt am PC. Ihrer Tochter tun die Zähnchen weh. Sie googelt die Begriffe „Kind“ und „Zahnschmerzen“. Unter den ersten Suchergebnissen: Seiten von Verbraucher-Communities, Familienratgebern und dem Netdoktor.

Gesundheitsinformationen im Internet sind gefragt : „Jahr für Jahr steigen die Besucherzahlen bei den Portalen“, sagt Harald Mandl, Chefredakteur Online beim Wort&Bild Verlag beim zweiten Kongress Gesundheitskommunikation in Berlin.

Qualität und Quellen

Rund 21 Prozent der Deutschen nutzen einer stern-Umfrage zufolge das Netz für die Recherche in Sachen Gesundheit. Dabei treffen sie laut Mandl auf Angebote ganz unterschiedlicher Qualität: Während bei Portalen wie gesundheitpro.de eine wissenschaftliche Fachredaktion die Inhalte prüft, verzichten andere Anbieter auf Kontrolle. Nicht jeder Tipp, den ein Nutzer in einem Online-Patientennetzwerk einem anderen gibt, ist seriös. Umstritten sind auch Bewertungsportale für Praxen (s. zm 3/09, S. 72f). Für den Einzelnen werde es immer schwieriger, die vorhandenen Informationen zu differenzieren, unterstreicht Prof. Dr. Gerd Glaeske. Der Bremer Gesundheitsexperte spricht sich für Peer-Review-Verfahren aus, um Webseiten mit medizinischen Inhalten zu prüfen. Bislang sei nur ein Viertel von ihnen qualitätsgesichert.

„Unabhängige und evidenzbasierte Informationen machen nur einen ganz kleinen Teil aus“, bekräftigt Hilde Bastian vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Sie betreut die Seite gesundheitsinformation.de und betont, dass Fakten aus der Medizin regelmäßig aktualisiert werden müssen. Experten raten Interessierten daher, kritisch zu bleiben und Quellen zu prüfen. „Das Wichtigste ist, Medienkompetenz zu entwickeln“, sagt Dr. Peter Müller von der Stiftung Gesundheit. Mit arzt-auskunft.de betreibt die Stiftung ein Verzeichnis von Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten und Kliniken, auf das auch der Online-Kartendienst Google Maps zurückgreift.

Zahnmediziner aus vielen Bundesländern lassen sich auch über den Internetauftritt der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung kzbv.de finden. Außerdem hat die Bundeszahnärztekammer unter bzaek.de aktuelle, qualitätsgesicherte Hinweise für Patienten und Kontaktdaten von Patientenberatungsstellen ins Netz gestellt. Leitlinien stellt die Zahnärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung (ZZQ) im Institut der Deutschen Zahnärzte unter zzq-koeln.de bereit. Wissenschaftliche Stellungnahmen gibt es bei der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde unter dgzmk.de. Allgemeinmedizinische Fragen beantworten Kassenärztliche Bundesvereinigung und Bundesärztekammer gemeinsam unter patienten-information.de. Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin betreut die Webseite, prüft Inhalte und Links. Wie die Patientenportale von IQWiG und Stiftung Gesundheit trägt auch diese Seite das Qualitätssiegel der Health On the Net Foundation für gute medizinische Internetangebote.

Zertifiziert ist auch die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften mit awmf.org. Dort finden sich Hinweise zu medizinischen und zahnmedizinischen Leitlinien. Prüfsiegel vergibt auch das Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem (afgis.de).

Gleichwohl ersetzt abgesichertes Wissen aus dem Netz nicht den Gang zum Arzt oder Zahnarzt. Auch nehmen Internetratgeber keine Therapieentscheidungen ab. „Wir können niemand sagen, was für ihn das Richtige ist“, erklärt Müller von der Stiftung Gesundheit. „Wir können verlässliche Information bieten.“ jr

INFO

Gesundheit kommunizieren

Der Schlosser Horst sträubt sich. Er will nicht zum Arzt. Und zur Darmkrebsvorsorge schon gar nicht. „Alarm im Darm“ heißt ein Improvisationstheaterstück, das die Stiftung LebensBlicke anlässlich des zweiten Kongresses Gesundheitskommunikation am 10. und 11. Februar dieses Jahres in Berlin präsentierte. Theater, Schaukochen oder auch begehbare Organmodelle, diese Beispiele aus der Darmkrebsvorsorge zeigen, dass Akteure im Gesundheitswesen immer wieder nach geeigneten Wegen suchen, ihre Zielgruppen zu erreichen. Raum für Diskussion und Erfahrungsaustausch über Kommunikationsaktivitäten bot Ärzten, Krankenkassen, Behörden, Fachgesellschaften, Industrie, Medien und Agenturen sowie Patienten- und Selbsthilfeorganisationen jetzt die Fachtagung.

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