Braunlage 2009

Winterfortbildung im Märchenwald

Strahlend blauer Himmel, schneebedeckte Berge und Pisten und breit gefächerte Themen eines Fortbildungsangebotes für Zahnärztinnen, Zahnärzte und ihre Teams zum Thema Zahnmedizin für Jung und Alt – das war der 56. Winterkongress Braunlage. Diesmal hatten es die Referenten schwer, die Teilnehmer auf ihren Plätzen zu halten, schafften es aber doch immer wieder, wie die zum Teil ausgebuchten Seminare und Vortragsräume zeigen konnten.

Mit der Wahl dieses Kongressthemas hatten die Organisatoren genau ins Schwarze getroffen, sind doch das genau die Themen, die den täglichen Praxisalltag prägen. „Fortbildung in Implantologie und anderen Spezialthemen gibt es genug“, äußerte sich der Kammerpräsident Dr. Michael Sereny in seinen Begrüßungsworten... „wir wollen hier nicht dem Zeitgeist nachjagen!“

Braunlage ist Kult

Ganz besonders begrüßte er die stete Teilnahme der Zahnärztinnen und Zahnärzte und der vielen Praxisteams. Während Sereny sagte: „Braun lage ist Kult“, gab der Ehrenpräsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, zum Besten: „Für mich ist es alljährlich eine Ehre, hierher zu kommen, so wie es für meinen Vater zum alljährlichen Fortbildungsprogramm gehörte. Daran kann ich mich noch aus meiner Kinderzeit erinnern.“

In ihrem Einführungsvortrag in das Thema Seniorenzahnmedizin zeigte Professorin Frauke Müller, Genf, dass Alterszahnheilkunde durchaus „Spaß“ macht. Sie legte die derzeitige Situation dar: Alte Menschen sind allein durch ihre manuelle Einschränkung nicht mehr in der Lage, selbst oder gar mit Aufwand zu kochen, altersbedingte Veränderungen der Geschmackspapillen nehmen den Genuss am Essen. Mundtrockenheit, verursacht durch Einnahme diverser Medikamente, behindert den und Kau- und Schluckvorgang und schließlich macht es auch oft keinen Spaß, alleine vor dem Teller zu sitzen. Hinzu kommt die altersbedingte Muskelatrophie, die Wangen und Prothesen „hängen“ lässt. Die Folgen sind Malnutrition und damit verbundene orale Probleme. Diese beginnen bei der Wurzelkaries, parodontalen Läsionen, Schleimhautveränderungen, verursacht durch schlecht angepassten Zahnersatz und vieles mehr. Hier zu beginnen, das ist die Aufgabe, so die Wissenschaftlerin, und zwar zusammen mit dem Team, das den betagten Patienten pflegt. Dass wir derzeit die „reichsten Alten aller Zeiten“ haben, berichtete Professor Dr. Detlef Heidemann, Frankfurt, und wies darauf hin, dass diese Altersgruppe besonderen Wert auf ästhetische und möglichst festsitzende Lösungen legt. Er erinnerte an die Polimorbidität dieser Patienten und forderte bei jedem größeren Eingriff eine intensive Rücksprache mit dem behandelnden Arzt. Der Wissenschaftler wies auf einen weiteren Aspekt hin: „Nicht das physiologische Alter ist entscheidend, sondern das Versorgungsalter, das heißt, wie oft der Patient in früheren Jahren an wie vielen Zähnen therapiert wurde.


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