Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

Das „Alle für Einen“ als Grundsatz für die Gesundheitsberufe, sämtliche am Aufbau des Gesundheitswesens Beteiligten als gemeinsam agierende Gruppe, alle einzig und allein ausgerichtet am Wohl des Patienten: Ist das Science Fiction? Märchen? Fantasterei?

Sicherlich bieten die aktuellen Ereignisse viele Gründe, die Dinge aus anderer Warte zu betrachten. Dass dieser ethische Ansatz aber für die meisten der moralische Überbau bleibt, kann man nur hoffen: In den Mittelpunkt gehört der Patient.

Diese Maßgabe war ein Ansatzpunkt der integrierten Versorgung. Das weiß jeder, der sich mit der ihr zugrunde gelegten Argumentation befasst hat. Eine Versorgung, an der alle Bereiche gemeinsam arbeiten, jeder Bereich als Zahn eines umfassenden Räderwerks, jeder wohl eingepasst in Abläufe, die der Optimierung des Gesamtprozesses dienen. Wäre schön!

Natürlich wirkt sich das auch auf die Kosten aus. Natürlich bietet diese Verzahnung, die Integration, auch Möglichkeiten rationelleren Arbeitens, also Maßgaben zur Rationalisierung. Auch das wäre im Prinzip schön!

Als man dieses Neuland betrat, war man auch bereit, sich den Weg dahin einiges kosten zu lassen. Der Gesetzgeber hat das für die Anschubfinanzierung erforderliche Geld – und schon stecken wir wieder in der leidigen Systemfrage – für diesen Zweck allerdings nicht neu gedruckt. Er hat den gesetzlichen Krankenkassen hierfür ein Budget verordnet. Eines, das von anderen Bereichen selbstverständlich abgezwackt werden musste. Und schon gab es auch bei den Gutwilligen den bitteren Beigeschmack einer eigentlich guten Idee.

Seitdem sind mithilfe des besonderen Köders „Euro“ im Bereich der integrierten Versorgung etliche Projekte entstanden, die künftig erst beweisen müssen, ob sie ohne finanzielle Gehhilfe auskommen.

Spannend dürfte die Antwort auf diese Frage insofern sein, weil die Krankenkassen gerade in den kommenden Jahren mehr und mehr zu „klammen“ Kassen mutieren. In diesem maroden Bereich geht es längst nicht mehr um Anschublösungen, sondern um die Aufrechterhaltung des Bestehenden. Vieles, auch viel Gutes, wird sich angesichts immer schmalerer Budgets nicht mehr halten lassen. Vielleicht bleibt manches aber doch Teil eines verantwortungsvollen Umgangs im Sinne des Patienten.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur