Special Olympics Winterspiele in Inzell

Ein besonderes Wintermärchen

Ganz im Zeichen olympischer Winterspiele für Menschen mit geistiger Behinderung stand vom 2. bis 5. März 2009 der oberbayerische Wintersportort Inzell. Knapp 600 Athleten, die mit insgesamt 150 Coaches und 100 Familienangehörigen vorwiegend aus Deutschland, aber auch aus der Schweiz, Österreich und Italien angereist waren, traten in fünf sportlichen Disziplinen an. Zum ersten Mal waren bei den Winterspielen auch die Zahnärzte dabei und präsentierten sich mit einem attraktiven zahnärztlichen Erlebnisforum mit Kariestunnel, Putzbrunnen und Untersuchungsangebot.

Special Olympics Winterspiele in Inzell

Die Special Olympics wurden 1968 in den USA durch die Familie Kennedy als Sportbewegung für Menschen mit geistiger Behinderung gegründet mit der Zielsetzung, mit den Mitteln des Sports das Selbstbewusstsein und die Akzeptanz dieser Menschen in der Gesellschaft zu steigern. Mittlerweile engagieren sich weltweit Menschen in 180 Ländern für die Idee. In Deutschland sind die Special Olympics National Games seit 1991 als gemeinnütziger Verein akkreditiert. Die Spiele finden alle zwei Jahre statt, Sommer- und Winterspiele wechseln sich ab.

Nach dem sehr erfolgreichen zahnärztlichen Auftritt bei den 2008 in Karlsruhe durchgeführten Sommerspielen war nun das Ziel der Organisatoren, allen voran des Clinical Directors des unter dem Slogan Special Smiles firmierenden zahnärztlichen Gesundheitsprogramms, Dr. Christoph Hils aus Hildesheim, auch bei den Winterspielen erstmals eine zahnärztliche Betreuung im Rahmen des Programms Healthy Athletes anzubieten.

Erstmals bei den Winterspielen

Healthy Athletes, 2004 ins Leben gerufen, ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil des olympischen Rahmenprogramms geworden. Es steht für gesundheitliche Rundumversorgung. Denn Menschen mit geistiger und mit Lernbehinderung tragen ein um 40 Prozent höheres Risiko für zusätzliche Einschränkungen, zum Beispiel Übergewicht, falsche Ernährung, Vitaminmangel, mangelhafte Fitness, Hör- und Fußschäden, unbehandelte Sehschwäche, mangelhafte Mundhygiene. Hier setzt das Special Olympics Gesundheitsprogramm Healthy Athletes an: Mit Beratung, Untersuchung und Instruktion soll die Gesundheit der Athleten verbessert und ihnen auf anschauliche Weise der Präventionsgedanke für verschiedene Bereiche näher gebracht werden.

Als die Bayerische Landeszahnärztekammer (BLZK) vom Clinical Director Dr. Hils gefragt wurde, ob sie als zuständige Zahnärztekammer bei den Inzeller Winterspielen ein zahnärztliches Betreuungsangebot organisieren könne, übernahm diese Aufgabe sofort sehr gern das Referat Prophylaxe, Alterszahnmedizin, Behindertenzahnmedizin der BLZK unter Leitung des Referenten Dr. Herbert Michel.

Dabei sein ist alles

Mit drei von zwei Dentaldepots zur Verfügung gestellten Behandlungseinheiten, mit dem Kariestunnel und Putzbrunnen des Vereins für Zahnhygiene e.V. und mit dem für die Aktion umgemodelten Informationsstand der BLZK wurde ein Erlebnisforum geschaffen, das sich bald als Publikumsmagnet erwies. Nicht nur die Athleten nutzten das Betreuungsangebot während der Veranstaltungstage, sondern auch die vielen freiwilligen Helfer und die zahlreich aus dem Umkreis im Rahmen eines vom Veranstalter organisierten Fanprogramms angereisten Kindergarten- und Schulklassen.

LAGZ-Zahnärztinnen und Zahnärzte aus der Region mit ihren Helferinnen bildeten im halbtäglichen Turnus die Untersuchungsteams und hielten ihre Untersuchungsergebnisse (reiner Sichtbefund) in einem englischsprachigen und einem deutschen Screeningbogen fest – ersterer geht zur Auswertung in die USA, ein deutscher Bogen, der vom Clinical Director in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Andreas Schulte, Heidelberg, Prof. Dr. Peter Cichon, Witten-Herdecke, und Dr. Imke Kaschke, Berlin, erarbeitet worden war, wird nach Heidelberg zur Auswertung geschickt. Auch Hils war mit zwei Helferinnen aus seiner Praxis täglich in Inzell als Untersucher tätig und unterwies seine bayerischen Kollegen im Ablauf. Unterstützt wurde er dabei tatkräftig vom ehemaligen Berliner Kammerpräsidenten Dr. Christian Bolstorff und dessen Frau, die überzeugt vom Nutzen des Special-Smiles-Programms bereits zum wiederholten Mal bei den Special Olympics mitwirkten. Nach absolviertem Untersuchungs- und Putzparcours erhielt jeder Athlet eine Bestätigung über die durchgeführte Untersuchung – gegebenenfalls mit dem Hinweis auf einen festgestellten Behandlungsbedarf – und mit Tipps für gesunde Zähne. Mit einer Tüte voller Give-aways, gesponsert von den Firmen GABA und Wrigley Oral Healthcare Programs , und Infomaterial zogen dann die Athleten zufrieden weiter zu den benachbarten Untersuchungsstationen Opening Eyes, Healthy Hearing, Fit Feet oder Health Promotion.

Kaum Behandlungsbedarf

Übereinstimmend zogen alle Untersuchungsteams das Fazit, dass sie trotz vorhandener Mundhygienedefizite relativ wenig behandlungsbedüftige Befunde vorfanden. Das dürfte wohl daran liegen, dass die Athleten durch ihre Coaches und Betreuer schon besonders – auch ihre Gesundheit betreffend – betreut und gefördert werden. Somit sind sie eine herausragende Gruppe gegenüber anderen geistig Behinderten und haben als Sportler vielleicht auch ein anderes Körper- und Gesundheitsbewusstsein. Nichts desto trotz erwies sich die gemeinsame Putzinstruktion und -übung am Putzbrunnen als sehr notwendig, ebenso wie der Hinweis für die Betreuer und Familien, fluoridiertes Speisesalz im Haushalt zu verwenden und auf eine einmal wöchentliche Verwendung von Fluoridgel zu achten.

Sommerspiele 2010 in Bremen

Gemeinsames Fazit am Ende der Olympischen Spiele: Die Lebensfreude der Athleten machte die Special Olympics für alle zum eindrucksvollen Erlebnis. Im Juni 2010 finden die Special Olympics Sommerspiele in Bremen statt. Auch dann wird das Motto wieder heißen: Dabei sein ist alles, jeder ist Sieger!

Ulrike Nover
Stabsstelle Prophylaxe, Alterszahnmedizin und Behindertenzahnmedizin der BLZK
Fallstr. 34
81369 München

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