60 Jahre Bundesverband der Freien Berufe

Säule der Sozialen Marktwirtschaft

Zusammen mit der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und rund 800 Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Institutionen feierte der Bundesverband der Freien Berufe (BFB) sein 60-jähriges Bestehen. Die Kanzlerin brach dabei eine Lanze für die Freiberuflichkeit und unterstrich deren Rolle in der Gesellschaft. In zehn Kernthesen präsentierte BFB-Präsident Dr. Ulrich Oesingmann ein neues Leitbild der Freien Berufe.

Der Andrang war groß, die politische Prominenz zeigte sich zahlreich auf dem Festempfang des Bundesverbandes der Freien Berufe anlässlich seines 60-jährigen Bestehens. Höhepunkt war die Ansprache von Bundeskanzlerin Merkel, die das Engagement und die Verdienste der Freien Berufe in der Gesellschaft unterstrich: „Ob Sie als Ärzte, Anwälte, Architekten, als Schauspieler, Ingenieure oder in einem der vielen anderen Freien Berufe arbeiten, tätig sind und mit den Menschen in unserem Land in Kontakt sind – Sie verkörpern einen wichtigen Teil des Geistes der Sozialen Marktwirtschaft. Sie tragen ganz wesentlich dazu bei, dass diese ein Erfolgsmodell ist. Deshalb möchte ich Ihnen nicht einfach nur zum Geburtstag gratulieren, sondern ich möchte Ihnen, die Sie für die eine Million Freiberufler und ihre fast drei Millionen Beschäftigten stellvertretend hier sind, auch ein herzliches Dankeschön für das sagen, was Sie für den Aufbau dieser Republik getan haben.“ Freie Berufe seien als Teil des Mittelstandes das Rückgrat unserer Volkswirtschaft, so die Kanzlerin weiter. Sie lobte die Freiberufler dafür, dass sie sich mit ihrem Leitbild ausdrücklich zu Werten bekennen. Ohne die gesellschaftliche Einbindung könne der Freiberufler seine Existenz in einer auf harten und kurzfristigen Wettbewerb ausgerichteten Welt nicht begründen.

In ihrem Impulsreferat ging die Landesbischöfin der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Dr. Margot Käßmann, auf die Sinnhaftigkeit von Werten, Grundsätzen und Leitbildern ein. Die Gesellschaft brauche eine Neubesinnung auf ihre Wurzeln und auf Ethik, sagte sie und und verwies auf christliche Überzeugungen als ein „gewichtiges Angebot zur Orientierung“. Käßmann: „Ich bin überzeugt, wir brauchen Menschen mit Professionen, mit freien Berufen, die sich mit einer Wertehaltung einbringen in unsere Gesellschaft. Die Verantwortung übernehmen, denen man vertrauen kann, die glaubwürdig sind.“

Ein Stabilitätsfaktor

Eine Expertenrunde mit Beteiligung von Spitzenvertretern der Freien Berufe und moderiert von Heike Göbel, Leiterin des Ressorts Wirtschaftspolitik der FAZ, diskutierte über die Rolle von Freiberuflern für die Gesellschaft und über das neue Leitbild. Dort brachte Dr. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer, die Positionen der Zahnärzteschaft ein und unterstrich: „Die Freien Berufe sind ein Stabilitätsfaktor und die Stütze der Gesellschaft.“ Kritisch merkte er an, dass Deprofessionalisierung und Versozialrechtlichung immer mehr zunähmen. Der Staat solle denen die Felder überlassen, die auch die Kompetenz dazu besäßen. Der Staat habe jedoch sehr wenig getan, um die Freiberufler zu stärken – im Gegenteil: Das Vorgehen der Regierung habe die Kompetenz, die Werte und die Berufsethik des Arztberufes oft mit Füßen getreten. „Die fachliche Weisungsunabhängigkeit ist unser höchstes Gut“, fügte Engel hinzu und kritisierte zunehmende Tendenzen einer Discountmedizin, der sich der zahnärztliche Berufsstand mit Vehemenz entgegenstellen werde.

Auch der KBV-Vorsitzende Dr. Andreas Köhler kritisierte die Überbürokratisierung im Gesundheitswesen und wachsende Zwänge auf den Arztberuf durch reglementierende Gesetzgebungen. Er betonte, dass das intakte Arzt-Patienten-Verhältnis maßgeblich durch Freiberuflichkeit geprägt sei.

Qualitätsgarantie

Vertrauen, Kompetenz, Unabhängigkeit und persönliche Leistungserbringung – dies sind laut BFB-Präsident Dr. Ulrich Oesingmann die vier Achsen der freiberuflichen Tätigkeit. In seiner Festansprache präsentierte er zehn Kernthesen, die das moderne Leitbild der Freien Berufe komprimiert beschreiben sollen. Mit Blick auf die aktuelle Wirtschaftskrise sei es notwendig, die Alleinstellungsmerkmale der Freien Berufe und deren Bedeutung für die Gesellschaft gegenüber Politik und Öffentlichkeit, aber auch gegenüber dem Berufsstand selbst herauszustellen. „Das Leitbild ist Qualitätsgarantie für alle und ständiger Arbeitsauftrag, uns zu erneuern und weiterzuentwickeln“, sagte er. „Freiberufler sind tragende Säulen einer freiheitlichen Gesellschaft, die die Demokratie, wie wir sie kennen, überhaupt erst möglich machen.“ Gerade der Vertrauensaspekt sei in wirtschaftlichen Krisenzeiten Stabilitätsfaktor Nummer Eins, betonte Oesingmann. Mit ihrer Orientierung am Gemeinwohl und mit ihrer fachlichen Kompetenz erfüllten die Freiberufler Vorbildfunktion. „Wir sind mehr als eine Million Selbstständige mit fast drei Millionen Mitarbeitern. Hinzu kommen noch zirka 400 000 angestellte Freiberufler. Die Selbstständigen schaffen rund zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes. In eine Nische kann man uns nicht mehr quetschen.“

Das Leitbild der Freien Berufe ist abrufbar unter:
http://www.freie-berufe.de/fileadmin/freie-berufe.de/pdf/Sonstiges/Leitbild_Weg_Ma.pdf

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