Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

der Streit darum, ob Mutter Erde wirklich „Fieber“ kriegt, ist ausgiebig geführt. Die Anzeichen für die Diagnose „Erderwärmung“ verdichten sich. Ob letztlich „Homo sapiens“ selbst oder aber im Erdzeitalter wiederkehrende zyklische Klimaveränderungen Hauptursache für diese folgenschwere Entwicklung sind, bleibt akademische Sequenz.

Uns „Otto-Normal“-Erdbewohnern kann der Grund, warum der Kohlendioxid-Ausstoß reduziert werden muss, eigentlich egal sein. Entscheidend ist, dass es sein muss – und dass wir etwas tun. Maßnahmen wie beispielsweise das Energiesparen dürften sich auch im Falle einer Falsifizierung der Erderwärmungstheorie kaum als nachteilig für die Menschheit herausstellen.

Dass der Einsatz für die Erhaltung der Lebensgrundlagen auch politisch prägende Folgen haben kann, hat jüngst Friedensnobelpreisträgerin Prof. Wangari Maathai anlässlich ihres „Mund auf“-Vortrags an der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe auf beeindruckende Weise dargestellt: Die in Zentralafrika agierende „Green-Belt-Movement“ hat mit der Wiederaufforstung der Wälder wohl nicht nur Mutter Erde, sondern auch den politischen Zuständen im Kongo gut getan. Einer unserer kulturellen Altväter, der Martin Luther, der „heute noch einen Baum pflanzen würde, wenn morgen die Welt unterginge“, hätte seine helle Freude an dieser Art neuzeitlichen Engagements gehabt.

Aber egal, ob planetar bedingt oder „hausgemacht“: Auch die Medizin wird sich in den kommenden Jahren mit den Folgen auseinandersetzen müssen. Die ersten Vorboten sind, wie unsere Titelgeschichte zeigt, bereits Thema: „Ganzjahres“-Allergiker gehören heute genauso zum Normalgefüge ärztlicher Diagnostik wie die zunehmende Ausbreitung zeckenbissbedingter Krankheiten im Bundesgebiet.

Dass sich in den kommenden Jahrzehnten der Malariagürtel der Erde ausweiten wird, mutet heute noch befremdlich an. Erforderliche Abwehrstrategien müssen in der Epidemiologie aber berücksichtigt werden. Andere tropische Krankheiten, deren Übertragung hier und heute allenfalls als Folge von Aufenthalten in entfernten Ländern bekannt sind, gehören ebenfalls in das Kalkulationsraster dieser Überlegungen.

Welche Pflanzen und Tiere es auch sein mögen, die die globale Erwärmung in unsere Gefilde trägt, welche Folgen extreme Sommer und verregnete Winter auch immer haben mögen: Die Erderwärmung wird die Epidemiologie dieser Welt verändern.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur