Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

Dummys, Phantome und Co haben eine bemerkenswerte Karriere gemacht: Von der spezifischen Körperteilen nachempfundenen Plastik, deren virtueller Habitus dem Studierenden stets präsent blieb, avancierten sie dank Hightech zu den akademischen „Helferleins“, die ihren „Azubis“ heute durchaus das Schwitzen lehren können.

Eigentliches didaktisches Lernziel ist das richtige Verhältnis zwischen Arzt/Zahnarzt und Patient. Und dafür reicht das Üben von Behandlungstechniken allein nicht aus. Heute dient der Schmerz des Phantoms auch dem Erlangen sozialer Kompetenz. Es ist die Probe aufs Exempel im Umgang mit den Patienten.

Soft skills, so der gebräuchliche Ausdruck für Fertigkeiten dieser Art, sind an vielen Universitäten inzwischen hochgeschätzter Lerninhalt für angehende Mediziner und Zahnmediziner. Dafür werden Schauspieler zur Simulation von Krankenhaus- oder Praxisalltag eingesetzt. Dafür wird das Phantom zum Opfer, lernen Roboter, auf Schmerz zu reagieren, dafür laufen Dummys, so es sein muss, auch mal blau an. Wer stark gefordert ist, kann hier schon mal vergessen, dass er in einer Scheinwelt steckt.

Ziel der Übung ist ein möglichst realistisches Training für den richtigen Umgang mit dem Patienten. Der Weg ist das möglichst perfekte Spiegeln von dem, was in Wirklichkeit eintreten kann. Der Vorteil: Alles kann umgesetzt werden, ohne dass Menschen gefährdet werden.

Wie perfekt die virtuelle Welt heute schon ist, zeigen 3-D-Animationshilfen, die auf Eingriffe von Außen reagieren. Wie der Pilot das Landen im Flugsimulator lernt, so wird der Heilberufler von morgen im künstlich geschaffenen Umfeld für den Umgang mit spezifischen Situationen gedrillt. Und vieles, was noch vor Jahren als Science-Fiction anmutete, ist inzwischen realer Bestandteil des Lehrplans medizinischer oder zahnmedizinischer Approbanden.

Geht es allerdings um mehr, müssen nach wie vor Schauspieler den Studierenden ihre Fähigkeiten und Grenzen aufzeigen. Letztlich sind sie nach wie vor flexibler, ist ihre Darstellung perfekter als die des noch so versierten hilfreichen Automaten.

Dass Phantom, Roboter und Freunde trotz dieser Konkurrenz bis heute auch nicht im Traum daran denken, ihre Jobs an den Unis zu quittieren, verwundert allerdings nicht: Das können Sie nämlich – trotz vielfältiger Fähigkeiten – immer noch nicht.

Informatives

Lesevergnügen wünscht

Ihr

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur