25 Jahre LAGZ Rheinland-Pfalz

Prävention mit Nachhaltigkeit

Mit einem großen Festakt feierte die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege Rheinland-Pfalz (LAGZ RLP) im Mainzer Schloss ihr 25-jähriges Bestehen. Durch nachhaltiges, interdisziplinäres und ehrenamtliches Engagement ist es gelungen, die Karies bei Kindern und Jugendlichen in Rheinland-Pfalz drastisch zu senken und das Bewusstsein für Mundhygiene zu schärfen.

Der von den Referenten für seine Arbeit gewürdigte Sanitätsrat Dr. Helmut Stein erläuterte anschaulich die Grundlagen des auf freiwilliger Initiative von Zahnärzten, Krankenkassen und dem öffentlichen Gesundheitsdienst gegründeten Erfolgsmodells LAGZ Rheinland-Pfalz. Das Projekt sei eine echte konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, die primär vom nachhaltigen Engagement seiner Akteure gespeist worden sei und werde. Insgesamt arbeiten 13 000 Kollegen ehrenamtlich für das Projekt. Stein gab einen Überblick über die Historie und die Wurzeln des organisatorischen und fachlichen Konzepts. Er verwies auf die Pionierarbeit der ersten rheinland-pfälzischen Arbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege in Pirmasens-Zweibrücken, wo Zahnpflegemaßnahmen erstmals im Modellkindergarten Rodalben umgesetzt worden seien. Das Konzept habe schon bald überregionale Bedeutung erlangt. Ziel sei es „damals wie heute“, eine frühzeitige Integration der Zahnpflege in den Lernprozess der Kinder zu erreichen. Ausschlaggebend für den Erfolg des Projekts sei die hohe Motivation der Beteiligten. Stein: „Man muss mit den Zahnvorsorgemaßnahmen so früh wie möglich beginnen, wenn man die Zahngesundheit der Bevölkerung mittel- und langfristig verbessern will.“ Zahnbewusstes Verhalten sei das Ergebnis eines Erziehungs- und Lernprozesses. Unabhängig vom Elternhaus sollten Kinder die Chance erhalten, ihre Zähne durch nachhaltige Prophylaxe gesund zu erhalten. Zu den zukünftigen Aufgaben der LAGZ RLP gehöre laut Stein vor allem eine weitere Eingrenzung der Polarisierung der Kinder- und Jugendkaries und die Ausgestaltung eines Hebammen- und Babyprogramms.

17 Konzepte – ein Ziel

Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der BZÄK und gleichzeitig alternierender Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e.V. (DAJ) begrüßte die Erfolgsgeschichte der zahnmedizinischen Prävention. Es sei gelungen, auch unterschiedliche Ausrichtungen und Interessenlagen der einzelnen Akteure zu verbinden. Die unterschiedlichen Konzepte der 17 verschiedenen Arbeitsgemeinschaften in Deutschland verfolgten alle das gleiche Ziel – die Verbesserung der Zahngesundheit der Kinder. Dank dieser Arbeit seien die Zugangsschwelle zur Prävention gesenkt und die Chancengleichheit erhöht worden. Zudem komme die Zahnärzteschaft mit dem Engagement in der Jugendzahnpflege zielgerichtet ihrer Gemeinwohlverpflichtung nach. Oesterreich wies darauf hin, dass die Jugendzahnpflege Integrationsarbeit zwischen Individual- und Gruppenprophylaxe geleistet habe. „Vernetzung und eine langfristige Betreuung führen zum Ziel“, bestätigte Oesterreich auf dem Festakt die Arbeit der LAGZ.

Malu Dreyer, die auch für Gesundheit zuständige rheinland-pfälzische Ministerin, bezeichnete in ihrem Grußwort die Arbeit der LAGZ RLP als Vorbildprojekt, das sich vor allem durch seine Lebendigkeit und seinen ausgeprägten Spaßfaktor auszeichne. Das Projekt sei einfach, schlüssig und fachlich, betonte Dreyer: „Ein besonderes Lob gilt dem Aktiv-Programm, weil es vor allem Kinder aus sozial schwachen Familien integriert und beachtet.“ Dreyer schloss mit der Zusage zur Fortsetzung der finanziellen Förderungen für die LAGZ RLP seitens der rheinland-pfälzischen Regierung.

Walter Bockemühl, stellvertretender Vorsitzender der LAGZ RLP, sprach für die Gesetzlichen Krankenversicherungen. „Kein einziges Projekt im Bereich Zahngesundheit war so erfolgreich, wie die eigeninitiativ gegründete LAGZ RLP“, erklärte er in seiner Rede. Er betonte, dass der „bottom-up“ initiierte Inhalt der zahnmedizinischen Gruppenprophylaxe 1989 mit der Einführung des § 21 ins SGB V in einen gesetzlichen Auftrag umgewandelt wurde. Mit dieser Maßnahme seien die Strukturen aus Rheinland-Pfalz faktisch bestätigt worden. Die Krankenversicherungen in Rheinland-Pfalz hätten für die Arbeit der LAGZ RLP für das laufende Jahr 2009 2,1 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Dr. Michael Rumpf, der Präsident der Landeszahnärztekammer Rheinland Pfalz, betonte in seinem Grußwort, dass die Kinder durch die Leistung der LAGZ ein beispielloses Plus an Zahngesundheit gewonnen hätten. Aus seiner Sicht sei es wichtig, sich auf die Kinder zu konzentrieren, denn sie seien die Zukunft.

Zahnmedizin & Allgemeingesundheit

In einem Festvortrag erläuterte Prof. Dr. Brita Willershausen, Direktorin der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde an der Universität Mainz, die Bedeutung der zahnmedizinischen Prävention für die Allgemeingesundheit. Willershausen begleitet die Arbeit der LAGZ RLP wissenschaftlich. Sie beleuchtete Aspekte wie den Biofilm, Lifestyle und Ernährung sowie angewandte Prophylaxe-Konzepte. Zusammenfassend erklärte Willershausen: „Es ist ganz wichtig, Infektionsherde im Mundraum zu minimieren, um korrespondierende Krankheiten, wie etwa Herzinfarkt oder Diabetes, auszuschließen.“

Zum Ende der Veranstaltung verlieh Sanitätsrat Stein Sanitätsrat Dr. Herbert Frank die Verdienstmedaille der LAGZ RLP für sein außergewöhnliches Engagement in der Jugendzahnpflege. Frank hatte durch seine Verbindungen zu Vertragspartnern auf Landesebene maßgeblich zur erfolgreichen Gründung der LAGZ RLP beigetragen. Unterhaltsam präsentierte die Familienklasse der Martinusschule Mainz zum Ende der Veranstaltung mit einer Gesangseinlage die Premiere eines „Max-Schrubbel Songs“ unter der Moderation von Clown „Mausini“, der mit seiner erfrischenden Art durch die Veranstaltung führte.

INFO

Die Programme der LAGZ RLP

1.) Standardprogramm Grundschule

zahnärztliche Untersuchung der ersten Klassen in der Schule mit Prophylaxegespräch und Zahnputzübung (à 2 Schulstunden) - bei den Klassen 2 bis 4 findet in der Schule die Untersuchung statt (à 2 Schulstunden), gekoppelt mit einem Kontrollverweisungssystem zum Hauszahnarzt innerhalb eines Vierteljahres nach Schuljahresbeginn

2.) Standardprogramm Förderschule L

- zahnärztliche Untersuchung in der 1. bis 6. Klasse in der Schule mit Prophylaxegespräch und Zahnputzübung (á 2 Schulstunden)

3.) Aktivprogramm Zahnvorsorge – Grundlage ist § 21 des SGB V –

- für ausgewählte Schulen (Bewerbungsverfahren) stehen pro Schuljahr und Klasse jeweils 3 x 2 Schulstunden zur Verfügung. - Durchführung von Untersuchungen, Zahnputzübungen, Prophylaxegesprächen und 2 Fluoridierungen

Weitere Informationen zur Arbeit der LAGZ unter:

www.lagz-rlp.de

www.max-schrubbel.de

 


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