Schatzbriefe

Original und Fälschung

Die Produkte der Bundesschuldenverwaltung genießen einen guten Ruf. Davon wollen besonders in Zeiten der Krise einige Banken und Versicherungen profitieren. Seit einiger Zeit preisen sie Schatzbriefe an, die aber mit den Bundesschätzen außer dem Namen nichts gemein haben, schon gar nicht die Sicherheit.

Unter Anlegern, egal ob jung oder alt, sicherheitsbewusst oder risikofreudig, gelten die Schatzbriefe der Bundesschuldenverwaltung als Hort der Sicherheit. Seit 40 Jahren investieren die Deutschen ihre Spargroschen in die mündelsicheren Papiere. Inzwischen verwaltet die Deutsche Finanzagentur rund 9,5 Milliarden Euro. Die Krise steigerte die Beliebtheit dieses Produkts noch einmal.

So viel Erfolg ruft wie immer Nachahmer auf den Plan. Sie wollen vom guten Ruf der Bundesschätzchen profitieren. Sie nennen ihre Produkte ebenfalls Schatzbriefe, auch wenn es sich eigentlich um Schuldverschreibungen oder eine Rentenversicherung handelt. Verbraucherschützer und Finanzexperte Jens Günther von der Verbraucherzentrale Sachsen in Leipzig gibt zu bedenken: „Leider ist der Name Schatzbrief nicht rechtlich geschützt. Wir können also keine Einwände erheben. Doch für mich handelt es sich um indirekten Missbrauch.“ Denn für die Rückzahlung des Bundesschätzchens garantiert die Bundesrepublik Deutschland. Für die Sicherheit der Nachahmungen sieht es bei Weitem nicht so gut aus. Dafür locken die Schatzbriefe von der Commerzbank und Morgan Stanley mit attraktiveren Renditen als Belohnung für das höhere Risiko.

Commerzbank-Schatzbrief

So bietet die Commerzbank zwei verschiedene Variationen ihres Schatzbriefes an. Der eine läuft über zwei Jahre, verspricht im ersten Jahr 1,75 Prozent Zinsen und im zweiten Jahr zwei Prozent. Die durchschnittliche Rendite beträgt 1,87 Prozent. Das fünfjährige Angebot lockt mit einer Verzinsung von 3,25 Prozent im ersten Jahr bis zu 4,25 Prozent im fünften Jahr. Im Schnitt bringt das Papier eine durchschnittliche Rendite von 3,40 Prozent im Jahr.

Damit schlägt dieser Schatz den von der Finanzagentur deutlich. So bringt der sechsjährige Brief vom Typ A im ersten Jahr eine Verzinsung von nur 0,5 Prozent. Er steigert sich auf 4,5 Prozent im sechsten Jahr. Das ergibt eine durchschnittliche Rendite von nur 2,68 Prozent.

Bei der Variante Typ B, bei dem die Zinsen nicht ausgeschüttet werden, ergibt sich eine Rendite von 2,74 Prozent pro Jahr. Der Staat kann es sich also selbst im Jubiläumsjahr des Schatzbriefes leisten, sein Produkt mit niedrigen Renditen anzupreisen. Die Anleger akzeptieren die Konditionen ohne zu Murren. Ihnen geht es vorrangig um die Sicherheit. Außerdem zahlen sie keinerlei Gebühren oder Provisionen und die Mindestanlage beträgt nur 50 Euro.

Die Commerzbank verlangt für den fünfjährigen Brief einen Aufschlag von 1,5 Prozent und für den Einstand mindestens 5 000 Euro. Den Sicherheitshinweis finden Interessenten unten rechts auf der zweiten Seite des Prospekts: „Der Commerzbank Schatzbrief ist eine Inhaberschuldverschreibung. Sie tragen das Emittentenrisiko der Commerzbank AG.“

Morgan Stanley

Mit stolzen vier Prozent im ersten Jahr stattet Morgan Stanley den hauseigenen Schatzbrief aus. Im zweiten und dritten Jahr gibt es jeweils 0,25 Prozent mehr. Diese Anleihe ähnelt dem bekannten Bundesschätzchen auf dem ersten Blick sehr. Allerdings beträgt die Laufzeit nur drei Jahre. Und auch bei der Sicherheit unterscheiden sich die Papiere deutlich. Während die Rating-Agenturen der Bundesrepublik die Höchstnote verleihen, muss sich Morgan Stanley mit einem A begnügen. Die Mindestanlage für den Morgan Stanley Schatzbrief Typ A liegt bei 100 Euro. Auf einen Ausgabeaufschlag verzichtet das Institut. Insgesamt will die Bank Briefe im Wert von fünf Millionen Euro verkaufen. Da die Nachfrage groß ist, wird es das Produkt auch in Zukunft geben.

Bei dieser Anleihe handelt es sich um eine Schuldverschreibung, die an der Börse gehandelt wird. Fällt Morgan Stanley dem Pleitegeier zum Opfer, hat der Schuldner das Nachsehen. Den Hinweis darauf findet er in der Produktinformation versteckt im Text unter „Wichtige Hinweise“: „Bei Anleihen handelt es sich um Schuldverschreibungen, bei denen die Bonität des Emittenten berücksichtigt werden sollte.“

Allianz-Schatzbrief

Einen Schatzbrief der besonderen Art hat sich die Allianz-Versicherung ausgedacht. Der Sparer zahlt einen einmaligen Betrag in eine Rentenversicherung ein. Das Geld wandert in einen Fonds nach Wahl und unterliegt damit dem Auf und Ab der Börse so wie dem Geschick des jeweiligen Managers. Um sich ein Quäntchen Sicherheit zu verschaffen, bietet die Allianz diese Variante mit einer Garantie an, die aber wiederum die Rendite drückt. Damit steht dem Versicherten zu Beginn der Rentenzahlung mindestens das eingezahlte Kapital zur Verfügung. Wer möchte, kann sich auch für die klassische Variante mit garantierter Verzinsung von derzeit 2,25 Prozent entscheiden. Beim Vergleich mit anderen Produkten, sollten Anleger die anfallenden Kosten für eine Versicherung nicht vergessen. Sie reduzieren die Rendite deutlich. Ein weiterer Nachteil: Ein vorzeitiger Ausstieg aus der Versicherung wird teuer. Denn die ersten Beiträge streicht die Versicherung für Provision und andere Kosten ein. Kauf und Verkauf der Bundesschätzchen sind kostenlos. Sie lassen sich nach einem Jahr Haltefrist wieder verkaufen – monatlich bis zu 5 000 Euro.

Marlene Endruweit
m.endruweit@netcologne.de

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