Lactose-Intoleranz

Milch kann Bauchschmerzen auslösen

Viele Menschen ahnen nicht, dass sie keinen Milchzucker vertragen. Hier steht, welche Symptome dafür typisch sind, und wie man sie in den Griff bekommt.

Mindestens jeder siebte Bundesbürger verträgt nur winzige Mengen an Milch- und Milchprodukten. Schuld daran ist der Milchzucker: Weil das zuständige Enzym Lactase fehlt, kann er im Dünndarm nicht gespalten werden, gelangt unverändert in den Dickdarm und wird von den dort ansässigen Bakterien vergoren. Diese als Lactose-Intoleranz oder auch als Milchzucker-Unverträglichkeit bezeichnete Störung hat unangenehme Folgen: Es bilden sich Gase, die den Darm dehnen, und schließlich einen Blähbauch und krampfartige Bauchschmerzen verursachen. Zudem bindet Milchzucker im Dickdarm Wasser und sorgt so schnell für Durchfälle, ebenso wie die bei der bakteriellen Vergärung entstehenden organischen Säuren. Denn Lactose wird im Dickdarm von den Darmbakterien zu Milchsäure, Essigsäure, Wasserstoff und Kohlendioxid abgebaut.

Müdigkeit, Depression und Kopfschmerzen

Viele Patienten klagen auch über Müdigkeit, Depressionen, Kopfschmerzen, Aggressionen oder innere Unruhe – Beschwerden, die meist nicht mit dem Verzehr von Milch in Verbindung gebracht werden. Weil die Symptome so unspezifisch sind, dauert es oft Jahre, bis die Patienten zum Arzt gehen und auf Lactose getestet werden. Dabei lässt sich die Störung einfach diagnostizieren, etwa mit dem Wasserstoff-Atemtest. Er beruht auf der Tatsache, dass ein gesunder Mensch keinen Wasserstoff produziert. Bei einer Lactose-Intoleranz bildet sich aber Wasserstoff durch die Vergärung des Milchzuckers, wird in die Atemluft abgegeben und kann demnach im Atem gemessen werden.

Ausprobieren, was geht

Die Lactose-Intoleranz betrifft übrigens 75 bis 80 Prozent der Weltbevölkerung: In Russland ist jeder dritte, in China, Japan und Thailand fast jeder Einwohner betroffen. Meist ist die Unverträglichkeit genetisch bedingt. Mit drei bis fünf Jahren lässt dann die körpereigene Produktion des Milchzucker spaltenden Enzyms Lactase nach, so dass schon ein kleines Glas Milch Durchfälle verursacht.

Auch andere Ursachen sind möglich

Bei einer zweiten Gruppe Patienten steckt hinter dem Enzymdefekt eine schwere Darmerkrankung, wie Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Rota-Viren. Diese Krankheiten schädigen die Darmschleimhaut – und da die Lactase in den äußeren Schleimhautschichten gebildet wird, reichen kleine Entzündungsherde, um die Enzymaktivität zu reduzieren. Heilt die Grundkrankheit aus, ist die Lactose-Intoleranz quasi ausgeheilt.

Umstellung erforderlich

Nach der Diagnose ist klar, was zu tun ist: Der Patient streicht für etwa zwei Wochen alle Milchzuckerquellen aus seinem Speiseplan. Danach lotet man langsam die individuelle Verträglichkeit aus. Je nach Restaktivität der Lactase vertragen die Patienten durchaus kleine Mengen an Milchzucker. Die Quellen zu finden, ist allerdings Detektivarbeit: Milchzucker versteckt sich in vielen Lebensmitteln, sei es in abgepackter Wurst, Fertigsoßen, Tütensuppen, Paniermehl oder paradoxerweise sogar manchmal in Medikamenten gegen Durchfall. Deshalb gilt es, die Zutatenliste genau zu studieren: Begriffe wie „Lactose, Milchzucker, Molken-, Milch- oder Vollmilchpulver“ weisen auf einen hohen Lactosegehalt hin.

Je fetter, desto besser

Im Gegensatz zu frischer Milch sind Sauermilchprodukte wie Joghurt, Quark und saure Sahne meist besser verträglich. Das liegt vor allem daran, dass Milchsäurebakterien den Milchzucker teilweise zerlegt haben. Je höher die Fettstufe, desto besser, denn desto niedriger ist der Lactosegehalt. Auch für manche Käsesorten gilt grünes Licht – Edelpilzkäse, Emmentaler, Raclett-, Trappisten- und Schafskäse enthalten nur Spuren an Lactose. Da Milch und Milchprodukte wichtige Calciumquellen sind, ist es gut, Sauermilchprodukte mit im Boot zu haben. Die Calciumversorgung sichern außerdem mit Calcium angereicherte Sojadrinks oder Fruchtsäfte sowie lactosefreie Spezialmilch, Butter, Joghurt, Quark und mehr. Sesam, Brokkoli, Spinat und manche Wintergemüse sind ebenfalls calciumreich. Generell lässt sich eine Laktose-Intoleranz mit Diät gut in den Griff bekommen. Und falls man mal nicht auf milchzuckerhaltige Speisen verzichten kann oder will, gibt es Lactasepräparate, die das fehlende Enzym ersetzen.
 
Dorothee Hahne
Diplom-Oecotrophologin / Journalistin
Mozartstraße 9
50674 Köln
edhahne@aol.com

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