Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

Sommer, Sonne, Strand und Zahnersatz? Dieses Wortquartett hat sich – trotz mannigfacher professioneller Bewerbung – hierzulande doch nur bei wenigen Menschen als sinnvolle Verknüpfung eingeprägt. Gemutmaßt wurde in den zurückliegenden Jahren viel über die künftige Bedeutung zahnärztlicher Preis-Konkurrenten an den Südstränden Europas, von den Busreisen zu den Kliniken hinter ostdeutschen oder ostösterreichischen Grenzen.

Das Institut der Deutschen Zahnärzte hat diese Befürchtungen jetzt deutlich relativiert. Was im direkten Grenzbereich Mitteleuropas vielleicht noch attraktiv, weil bequem zu handhaben scheint, hat sich als geplante Alternative zum Besuch beim heimischen Zahnarzt eigenen Vertrauens nur bei einem Prozent der Bevölkerung als wirklich attraktiv herausgestellt. Entwarnung!

Dass im global village dennoch andere Zeiten auch für Zahnärzte anbrechen, davon zeugen die Zahlen über den steigenden Import von Brücken, Kronen und Co. Zahnersatz aus Fernost ist inzwischen für jeden zweiten Zahnarzt kein Tabuthema mehr. Kommt Gutes aus Fernost, ist die Bereitschaft, bei einfach-konfektionierbaren ZELösungen auf Patientenwunsch auch Preisgünstigeres einzusetzen, inzwischen spürbar. Letztlich ist dieser Weg nicht nur patientengewollt, sondern wird seit Jahren auch seitens der Krankenkassen aktiv beworben. Aufhalten wird diesen Prozess letztlich nur ein Nachweis flächendeckend schlechterer Qualität. Der Markt wird beobachtet.

Heimische Maßarbeit ersetzen können wird die ausländische Konkurrenz aber nur da, wo keine komplex-aufwändigen Behandlungssituationen betreut werden müssen. Individuelle Feinstarbeit bleibt – auf tausende von Kilometern Entfernung – wohl auch in den kommenden Jahren eher Ausnahmewunsch als fester Wille. Qualitativ hochwertige und individualisierte zahntechnische Arbeit kann also auch in den nächsten Jahrzehnten ein erfolgreiches Heimspiel bleiben – vorausgesetzt, die Hand-in-Hand-Arbeit von Labor und Praxis bleibt auf bekannt hohem Niveau.

Endgültig trennen müssen wird man sich aber von der tradierten Vorstellung, dass künftig jede Brücke, jede Krone im eigenen Land hergestellt wird. Die Zeiten ändern sich.

Mit freundlichem Gru

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur