Krebsfrüherkennung

Chancen der Darmspiegelung zur Prophylaxe besser nutzen

Per Darmspiegelung lassen sich Krebsfrühformen und Vorstufen frühzeitig entdecken und behandeln. Die Chancen der Screeninguntersuchung aber werden bislang noch viel zu wenig genutzt, klagen Experten.

Die Heilungschancen bei Krebserkrankungen sind fast immer direkt davon abhängig, wie früh der Tumor entdeckt und behandelt wird. Das trifft ganz besonders für das Kolonkarzinom zu, einen Tumor, der mit rund 70 000 jährlichen Neuerkrankungen hierzulande zu den häufigsten Krebserkrankungen des Menschen gehört. Umso unverständlicher ist es aus Sicht vieler Gastroenterologen, dass die seit Jahren bereits möglichen Früherkennungsuntersuchungen noch viel zu selten durchgeführt werden: So wird den aktuellen Hochrechnungen zufolge im Verlaufe von zehn Jahren nur jeder dritte Anspruchsberechtigte eine vorsorgliche Koloskopie vornehmen lassen, hieß es bei der III. Falk Gastro-Konferenz in Mainz. „Damit werden wertvolle Chancen vertan, die Sterblichkeit beim Kolonkarzinom zu senken, monierte dort Professor Dr. Jürgen Riemann aus Ludwigshafen.

Keine Zeit für die Darmspiegelung

Immerhin ließe sich entsprechend einer Analyse des „National Polyp Study“ (NPS) die Inzidenz des manifesten Kolonkarzinoms durch eine Polypektomie um rund 76 bis sogar 90 Prozent senken, prognostizierte der Wissenschaftler. Bereits im Jahre 2002 wurde in Deutschland ein Screeningprogramm etabliert, das eine Koloskopie ab dem 55. Lebensjahr vorsieht. Die Kosten der Untersuchung sowie einer Wiederholungsuntersuchung nach etwa zehn Jahren werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Um zu ergründen, warum die Chancen der vorsorglichen Koloskopie so wenig genutzt werden, hat die Arbeitgruppe um Riemann eine Befragung bei Anspruchsberechtigten, die bislang keine Darmspiegelung hatten vornehmen lassen, durchgeführt. Die Mehrzahl von ihnen gab als Begründung „kein Interesse“, „keine Zeit“, oder auch „Angst vor dem Eingriff“ und „Furcht vor dem Ergebnis“ an.

In fast 40 Prozent der Fälle verdächtige Läsionen

Dass andererseits am Erfolg des Programms nicht zu zweifeln ist, machte in Mainz Dr. Dirk Hartmann, Ludwigshafen, klar: Bei den bisher durchgeführten Untersuchungen wurden nach seinen Worten in 33 bis 39 Prozent der Fälle Polypen als Vorstufe des Karzinoms gefunden. Bei einem Prozent der Patienten war zudem ein manifestes Kolonkarzinom vorhanden, das sich jedoch in der Mehrzahl der Fälle noch im Frühstadium befand und mit hoher Heilungsaussicht behandelt werden konnte.

Wie Hartmann in Mainz weiter ausführte, ist die Darmkrebs-Früherkennung von besonderer Bedeutung, weil die Möglichkeiten der Primärprävention eines Kolonkarzinoms begrenzt sind. Der Tumor wird nämlich durch das Zusammenspiel verschiedener Risikofaktoren getriggert. Dazu gehören laut Professor Dr. David A. Liebermann, Portland, eine hohe Fettaufnahme bei der Ernährung, faserarme Kost sowie Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Übergewicht und Bewegungsmangel. Hier sollte die konsequente Nutzung der Früherkennung erfolgen, sagte Liebermann. Möglich ist die Früherkennung durch die vorsorgliche Koloskopie und alternativ durch einen regelmäßigen Stuhltest auf okkultes Blut (Fäkaler Okkulter Bluttest, kurz FOBT). Der Test ist einfach und nicht invasiv durchzuführen, muss aber alle ein bis zwei Jahre wiederholt werden. Die Ergebnisse sind weniger zuverlässig als bei der Koloskopie. Diese hat, so hieß es bei der Veranstaltung weiter, zudem den Vorteil, dass im Falle eines Falles verdächtige Läsionen noch in der gleichen Sitzung entfernt werden können. Geschieht dies konsequent, könnte das langfristig die Darmkrebssterblichkeit verringern.

Christine Vetter
Merkenicher Str. 224
50735 Köln

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