Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

wer noch am Tag der Bundestagswahl „drei Kreuze“ gemacht hat, hatte dafür – abgesehen vom profanen Problem einer ungültigen Stimmabgabe – sicherlich treffliche Gründe: Für den einen oder anderen war da doch die Genugtuung, dass der Hokuspokus eines inhaltlich wenig zufriedenstellenden Wahlkampfes endlich ein Ende hatte. Dieses Kapitel kann jetzt geschlossen werden: Also Kopf hoch, Blick nach vorn.

Die meisten werden bereits direkt am Wahlabend die berufsständischen Chancen durchdacht haben, die das Wahlergebnis „Schwarz-Gelb“ in Aussicht stellen kann. Wie groß ist die Chance der wiedererstarkten Liberalen, ihre Vorstellungen in eine Kurskorrektur des deutschen Gesundheitswesens einzubringen? Und was bedeutet das für das Gefüge des zahnärztlichen Berufsstandes? Wie handlungsbereit sind die beiden christlichen Parteien, die in einer ursprünglich ungewollten Großkoalition mitgetragenen und mitverantworteten Gesetzesreformen jetzt einer Revision zu unterziehen? Wie wird sich das freie Spiel der Kräfte im Gesundheitswesen sortieren, wenn „Schwarz-Gelb“ die nächste Reform angeht, die zwangsläufig kommen muss?

Antworten auf Fragen wie diese werden wir „zm-ler“ mit Spannung verfolgen. Der zahnärztliche Berufsstand wird gerade jetzt das Gespräch suchen, Denkmodelle vorstellen, die einen Beitrag zur Lösung der anstehenden großen Herausforderungen bieten können. Hier hat die Zahnärzteschaft einiges „in petto“, was angesichts der bevorstehenden Zwänge, verantwortlich und vor allem hoffentlich auch „nachhaltig“ zu handeln, in der Politik durchaus offene Ohren finden könnte.

Denn die meisten Bundestagsabgeordneten beginnen ihre Arbeit im Gesundheitswesen nicht bei null. Die Riege der durch langjährige Erfahrung in Gesundheitsausschüssen fachlich bewanderten Parlamentarier macht hier die Fortsetzung bekannter Argumentationslinien wahrscheinlich. Allerdings unter den umgekehrten Vorzeichen eines zumindest in Teilen ausgewechselten Machtgefüges. Wer im parlamentarischen Gerangel gestern noch der „vernachlässigbare“ Oppositionelle war, ist heute Vertreter gesetzgeberischer Mehrheit – vice versa.

Diese neuen Kräfteverhältnisse werden sich einspielen müssen, nicht zuletzt auch im Ressort des Bundesgesundheitsministeriums. Manchem dürfte gerade im gegenwärtigen Stadium die parlamentarische Gepflogenheit der „100 Tage-Regelung“ eingefallen sein. Es wird wieder spannend.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredaktion