Apollonia-Preis 2009

Unermüdlich im Einsatz für Praxis und Gesellschaft

Ein Festakt als Plädoyer für staatsbürgerliche Eigenverantwortung: Die diesjährige Verleihung des Apollonia-Preises an Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, einem Mitbegründer der Stiftung der Zahnärzte in Westfalen-Lippe, und die Vergabe des Förderpreises an Prof. Dr. Peter Cichon gerieten zur Feierstunde für gesellschaftliches Engagement.

„Freiheit und Verantwortung stehen in einem Komplementärverhältnis.“ Was der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Prof. Dr. Dres. h. c. Hans-Jürgen Papier in seinem Festvortrag anlässlich der Preisverleihung am 12. September im Erbdrostenhof in Münster als eine Art bürgerschaftlicher Leitidee seinen Ausführungen voranstellte, war auch wohlverstandene Warnung an eine Republik in Wahlkampfzeiten. „Zuschauerdemokratien“, die sich „von ihren Politikern unterhalten“ ließen, seien gefährlich. Papier warnte vor weiterer Überregulierung bürgerlicher Freiheiten durch die Sozialgesetzgebung. Auf diese Weise werde soziales Engagement eher verhindert, erklärte der BVerfG-Präsident im Vorfeld der Bundestagswahlen.

Deutschland brauche vielmehr „eine Stärkung der bürgerschaftlichen Leitidee“ einer individuellen Verantwortlichkeit für die Gemeinschaft. Papier rief zu mehr gesellschafts- und sozialpolitischer Nachhaltigkeit auf. „Vorsorge“ – das Attribut, auf dem der Apollonia-Preis basiere – sei Teil dieser Leitidee. Der Preisträger stehe, so Papier zum Schluss seiner Ausführungen, für die Umsetzung solcher Ideen.

Diese dem ehemaligen Präsidenten und heutigem Ehrenpräsidenten der Bundeszahnärztekammer zugeschriebenen Eigenschaften gaben den Ausschlag für die Vergabe des Apollonia-Preises 2009. Weitkamp stehe, so Landeszahnärztekammer-Präsident und Stiftungsvorsitzender Dr. Walter Dieckhoff, „für eine Zahnmedizin, die dem Vertrauen und dem Anliegen unserer Patienten gerecht wird“. Der Preisträger, der das Preisgeld für karitative Projekte spendete – sei einer der tatkräftigsten Verfechter der Prävention in der Zahnmedizin. Als „Mentor der Standespolitik“, so Dieckhoff, habe er sein Credo der Einbindung des Berufsstandes in die Gesellschaft beständig vorangetrieben.

Ein Protagonist der Patientenorientierung

BZÄK-Vizepräsident Dr. Dietmar Oesterreich bestätigte in seiner Laudatio als freundschaftlich verbundener Mitstreiter des ehemaligen BZÄK-Präsidenten Weitkamp dessen hartnäckiges Ringen um Vertrauen für die zahnärztliche Tätigkeit und die daraus resultierende professionspolitische Arbeit in der Öffentlichkeit: „Er hat den Blick der Öffentlichkeit auf den zahnmedizinischen Versorgungsalltag geöffnet.“ Weitkamp habe es geschafft, nicht nur das Bild der Zahnärzte in der Öffentlichkeit, sondern auch das Selbstbild der Zahnärzte durch sein Handeln zu prägen. Gesellschaftliche Konzepte habe der Preisträger „aus der zahnärztlichen Praxis“ heraus entwickelt. Oesterreich: „Heute sieht man Zahnärzte dank dieses Einsatzes als die Berufsgruppe, die in der Prävention erfolgreich war und ist.“ Weitkamp sei ein Protagonist der Patientenorientierung, er habe die Bereitschaft für „sprechende Zahnheilkunde“ in der Zahnärzteschaft gefördert und gestärkt.

Freiberuflichkeit, so erläuterte Oesterreich auch mit Blick auf den für seinen Einsatz für Menschen mit Morbus Down ausgezeichneten Prof. Dr. Peter Cichon (Witten/Herdecke), bedeute nicht nur, Rechte zu haben, sondern auch Pflichten wahrzunehmen. Beiden Preisträgern zollte der BZÄK-Vizepräsident seinen Respekt für ihre praktizierte Gemeinwohlorientierung.

Prävention und Kuration gehören zusammen

Weitkamp, dem der Stiftungsvorsitzende Dieckhoff nachsagte, man habe ihn zur Annahme des Preises, den er als ehemaliger Stiftungsmitbegründer mit konzipiert habe, durchaus überreden müssen, führte in seiner Dankesrede aus, dass es in den zurückliegenden Jahren Aufgabe der Zahnärzteschaft gewesen sei, die „einst getrennten Säulen Prävention und Kuration zusammenzufügen“. Mit Blick auf den Festredner und Laudator Prof. Papier stellte der BZÄK-Ehrenpräsident fest, dass die Thesen zu „Freiheit und Verantwortung exakt der Grundlage des Freien Berufes wie auch der ambulanten Ausübung der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Deutschland, insbesondere dem Zahnheilkundegesetz“ entsprächen.

Prävention bedeute, bei jeder Therapie dafür zu sorgen, dass „nicht nur der Schaden beseitigt wird, sondern auch das eingesetzte Therapiemittel die Ursachen und Risiken, die zu der Erkrankung geführt haben, beseitigt oder mindestens abmildert“. Primärprävention, also Prophylaxe, sei, so der Preisträger in seinen Ausführungen, ohne zahnärztliches Assistenzpersonal nicht professionell zu erbringen. Weitkamp: „Der Berufsstand wird seine Glaubwürdigkeit nicht aufrecht erhalten können, wenn nicht für eine objektive Qualifikation gesorgt wird.“ Heute seien die früher im Denken und Handeln getrennten Begriffe von Prävention und Kuration in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde „siamesische Zwillinge“. Der Preisträger forderte dazu auf, diese berufsständische Verantwortung anzunehmen und kontinuierlich zu pflegen: „Prävention ist ein wesentlicher Faktor zum Erhalt und zur Steigerung der Lebensqualität – im jugendlichen Alter zur Vermeidung invasiver Eingriffe und im Erwachsenenalter durch Bewahrung weitgehend natürlicher Bezahnung bis ins hohe Lebensalter.“

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