Editorial

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„Mal richtig das Maul aufreißen“ als kollektives Mannöver ist ein biologisches Muss. „Hauptsache gesund“ wäre der passende Kommentar zu dieser ja auch menschlich nicht fremden Kieferstrapaze. Foto: LOOK-foto

Liebe Leserinnen und Leser,

Essen hält Leib und Seele zusammen, manche Mitmenschen setzen sogar noch „einen drauf“ und behaupten: Der Mensch ist, was er isst. Aber was, wenn das nicht mehr richtig geht?

Oder anders: Richtiges Sprechen macht uns zu Gesellschaftswesen, die Funktion des Gähnens hat, so die mutmaßenden Thesen forschender Fachleute, biophysische wie auch kommunikativ-soziale Funktionen. Was, wenn der Körper hier nur eingeschränkt oder unter Schmerzen seine Arbeit übernehmen kann?

Jedermann geht davon aus, dass das schon „klappt“. Ernährung, Kommunikation, das alles ist unvorstellbar ohne das „Supertalent“ Kiefergelenk, anatomisch vielleicht eines der interessantesten biologischen Konstruktionen im Menschen.

Dass Störungen im weiten Funktionsbereich dieser natürlichen Meisterleistung schmerzhaft, systemisch komplex und funktionell folgenreich sind, zeigt diese Ausgabe der Zahnärztlichen Mitteilungen in aller Ausführlichkeit im Fortbildungsschwerpunkt dieses Heftes.

Dieser CME-gestützte, in Kombination mit dem zm-online-Angebot umsetzbare Fortbildungsschwerpunkt zeigt aber auch, welche systemische Relevanz Störungen im „Knackpunkt“ Kiefergelenk für den Rest des Körpers haben können. Hier kann die Zusammenarbeit von Zahnärzten mit anderen Disziplinen helfen, damit etwas wieder funktioniert, wenn richtig an einem Strang gezogen werden kann. Ein Zusammenspiel verschiedener körperlicher Funktionen ermöglicht unterschiedliche Therapieansätze und erfordert systemisches Denken und Zusammenwirken auf der Suche nach praktikablen Therapien. Ein einleuchtender Weg, der für sich selbst spricht.

Diese am biophysikalischen Beispiel gewonnene Erkenntnis, dass für gutes Funktionieren möglichst die richtigen Stränge zu ziehen sind, kann ganz aktuell auch den potenziellen Koalitionären einer künftigen Bundesregierung nicht schaden. Schon bis Redaktionsschluss ist nicht nur Gutes und Richtiges aus den Verhandlungen in die Öffentlichkeit gesickert. Darauf zu hoffen, wäre wirklichkeitsfremd. Opportun wäre, auf das, was kommt, vorbereitet zu sein. Aus zahnärzt- licher Warte sind die Weichen gestellt.

Dass auf dem Deutschen Zahnärztetag – eine umfängliche Berichterstattung folgt in zm 23 – die Einschätzungen und Aufstellungen denen gleichen, die schon vor der Wahl verkündet wurden, zeigt, dass hier ganz gezielt an Strängen gezogen wird. Das haben zumindest die Ausführungen der zahnärztlichen Spitzen auf Festakten und Pressekonferenzen deutlich gemacht. Gut aufgestellt, aber mit Spannung verfolgen Zahnärzte- und Ärzteschaft jetzt das, was an Programmatik und Personen künftig die politische Szenerie bestimmen wird.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur