Editorial

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Der Deutsche Zahnärztetag in München – hier die zentrale Festveranstaltung – war geprägt von einer gesunden Portion Skepsis, aber auch von deutlichen Signalen zu offener Dialogbereitschaft gegenüber der neuen, schwarz-gelben Bundesregierung. Foto: Lopata

Liebe Leserinnen und Leser,

der diesjährige Deutsche Zahnärztetag in München stand im Zeichen der Freiberuflichkeit des zahnärztlichen Berufsstandes. Und es war nicht allein der – nach Jahren von Ökonomisierungs-, Zentralisierungs- und Bürokratisierungstendenzen – wie ein Paradigmenwechsel in der Gesundheitspolitik anmutende Koalitionsvertrag, der diese Standortbestimmung provoziert hat. Die Konsolidierung und Abstimmung der standespolitischen Ausrichtung wurde bereits zu Zeiten der Großen Koalition vorbereitet. Das Ergebnis ist eine von den Delegierten der Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung jeweils konsentierte Aufstellung und Ausrichtung auf die Umsetzung der Versprechen dieser neuen Bundesregierung.

Die zum Teil auch divers diskutierten Beschlüsse von München – die Ergebnisse sind in dieser Ausgabe ausführlich dargestellt – mündeten im weitgehenden Konsens und zeugen von Handlungsbereitschaft. Sie sind getragen von dem Willen, die bereits unter der Großen Koalition angedeuteten Korrekturangebote einer verfahrenen Reform konstruktiv zu begleiten, die zahnärztlichen Positionierungen als Lösungsmodelle einzubringen und die fachlich durchaus richtigen Pauschalansätze der Regierenden beim Wort zu nehmen. Sie lassen aber keinen Zweifel an der kritischen Grundhaltung, die den wenig detaillierten Aussagen der Koalitionsversprechen entgegengebracht wird.

Die Beschlüsse der Bundes- und der Vertreterversammlung sind aber auch geprägt von Erfahrungen mit den früheren Reformen. Sie tragen die Handschrift gesunder Skepsis angesichts der nach wie vor bestehenden Herausforderungen. Denn Euphorie ist – gerade auch vor dem Hintergrund der demografischen Prognosen, aber auch der gesellschaftspolitischen Sachzwänge und widerstreitenden Interessenlagen – selbst in der gegenwärtigen Lage wohl kaum ein guter Berater.

Von daher ist die Besinnung auf die Grundwerte freiberuflichen Denkens, die von der Wichtigkeit beruflicher Selbstverwaltung überzeugte Ausrichtung der zahnärztlichen Standesvertretung, aber auch die Bestätigung der Aufgaben, die der Berufsstand für die Patienten und für die Gesellschaft offensiv wahrnehmen will, ein gesunder Gradmesser für den Umgang mit den leider noch nicht ausformulierten Zielsetzungen einer Bundesregierung, die bereits nach wenigen Tagen realpolitischen Alltags in altbekannte Streitigkeiten zurückzufallen droht.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur