19. Brandenburgischer Zahnärztetag

Kinderzahnmedizin – up to date

Am Rande des wunderschönen Branitzparks in Cottbus kamen weit über 1 300 Zahnärzte, Zahntechniker und ihre Teams zusammen, um sich mit vielen wissenschaftlichen Beiträgen und Seminaren von Referenten aus dem eigenen Land auf den neuesten Stand der Kinderzahnheilkunde zu bringen. Der interkollegiale Austausch stand neben den Fachbeiträgen ganz im Vordergrund der bereits zur Tradition gewordenen Veranstaltung in der Lausitz.

Foto: transit

Kammerpräsident Herbert freut sich, dass endlich ein Arzt Gesundheitsminister ist: „Er weiß, wovon er spricht!“ Und „wir plädieren für Bürokratieabbau, den Ost-West-Angleich der Honorare und die Novellierung der GOZ. Aber lasst uns nun mit der neuen Regierung in die Hände spucken!“ Foto: LZÄK-Brandenburg
Prof. Dr. Wolfgang Sprekels, Präsident der ZÄK-HH, Dr. Gerhard Bundschuh, Vorsitzender der KZVLB, und Frank Szymanski, Oberbürgermeister von Cottbus, der das erste Mal mit von der Partie war. Foto: Michael Helbig

„Kinderzahnheilkunde ist nicht nur die Vorsorge um die Mundgesundheit der Kleinsten und Kleinen, sondern ist unter Umständen mehr, nämlich die Behandlung eines sehr zerstörten Gebisses!“ Mit diesen Worten leitete Professor Dr. Christian Splieth, Greifswald, Tagungspräsident in das Programm ein und erhielt dabei die volle Unterstützung des Kammerpräsidenten Dr. Jürgen Herbert. Herbert sieht das Fach der Kinderzahnheilkunde in Deutschland erheblich unterrepräsentiert und forderte eine weitere Verstärkung dieser sehr wichtigen Disziplin in der Ausbildung an den Universitäten. Das hier weiterhin dringender Handlungsbedarf besteht, zeigte sich deutlich an der Resonanz der Tagung. Die Teilnehmer nahmen wissbegierig die Tipps und Tricks ihrer Fachkollegen auf, wie mit der doch recht schwierigen Klientel der Kinder umgegangen werden müsse. So empfahl Splieth, Kinder schon ab dem Säuglingsalter mit der Zahnarztpraxis vertraut zu machen, allein um sie „schon an den Geruch“ zu gewöhnen. Sind sie etwas größer, dann sollte möglichst ohne die Mutter oder den Vater im Behandlungszimmer gearbeitet werden. Dr. Lutz Laurisch, Korschenbroich, plädierte dafür, jeden kariösen Milchzahn zu behandeln. Denn „wenn man erkrankte Zähne nicht behandelt, braucht man auch keine Prophylaxe zu machen“. Er empfahl weiter, bei Kindern im Alter von zwölf bis 18 Jahren im Abstand von 24 Monaten eine Bissflügelaufnahme zu machen. „Dieses Alter ist besonders anfällig für Approximalkaries!“ Ein weiterer Tipp des Kinderzahnmediziners: „Wir versiegeln bei Kariesrisikokindern den Siebener bereits beim Durchbruch mit Glasionomerzent, das einfach unter die „Kapuze“ gesetzt wird. Die richtige Versiegelung erfolgt erst, wenn der Zahn absolut trocken gelegt werden kann.“

Karies bei Kindern ist eine soziale Erkrankung

Die Referenten appellierten an die Teilnehmer, sich ganz verstärkt für die Compliance ihrer Patienten einzusetzen. „Entwerfen Sie Merkzettel und klären Sie noch mehr auf! Fangen Sie bei den Schwangeren an und bilden Sie eine Kooperation mit dem benachbarten Gynäkologen, denn die werdende Mutter muss ihre Streptococcus mutans-Bakterien loswerden, bevor sie sie an ihr Kind weitergibt. Empfehlen Sie Müttern, mehr Xylit zu konsumieren, das hemmt das Bakterienwachstum und fordern Sie sie zur Zwischenraumpflege auf!“ Nuckelflaschenkaries wird immer mehr zum Problem, derzeit liegt sie im Mittel in Deutschland bei über 15 Prozent, machte Dr. Anja Treuner aus Greifswald deutlich. Sie zeigte Fälle mit großen offenen kariösen Defekten, die nur noch unter Vollnarkose mit Vitalamputationen, Mehrfachextraktionen und Stahlkronen für Kleinkinder versorgt werden konnten. „Hier gilt es verstärkt aufzuklären!“ Wie wichtig frühkindliche kieferorthopädische Diagnostik und Therapie für die spätere Entwicklung des Kindergebisses sind, machte die Kieferorthopädin Prof. Rosemarie Grabowski aus Rostock deutlich. Eine KfO-Frühbehandlung ist immer dann indiziert, wenn Fehlfunk- tionen die weitere Entwicklung belasten. Sie muss daher kausal ausgerichtet sein, um einen langfristigen Effekt zu haben. Weitere Referenten gaben Anleitung zum Umgang mit Problemkindern und richteten den Fokus auf das Erkennen von Merkmalen von Vernachlässigung und Gewalt an Kindern, die gerade in sozialen Brennpunkten auch in der Zahnarztpraxis immer häufiger beobachtet werden können.

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