Ärztlicher Einsatz in Kurdistan

Humanitäre Arbeit schafft Hoffnung

In Flüchtlingslagern herrscht ein riesiger Bedarf an medizinischem Support. Um humanitäre Hilfe zu leisten, reiste ein fünfköpfiges deutsches Ärzteteam in ein Camp nach Südkurdistan. Ziel der Reise: Neben ärztlicher Hilfe auch Versorgungsdefizite vor Ort zu identifizieren und neue Projekte anzustoßen. Mit im Team: Kieferorthopäde Dr. Cihat Yildizhan aus Wermelskirchen im Bergischen Land (Nordrhein-Westfalen).

Mit wenig Mitteln viel leisten: Dr. Cihat Yildizhan versorgte die Patienten im Camp.

Die hygienischen Missstände wurden mit Tricks (Betaisadona) überwunden. Fotos: Kurdischer Ärzteverein im Ausland

Durch die vom Kurdischen Ärzteverein im Ausland und der Barzani-Stiftung organisierte und finanzierte humanitäre Hilfsaktion konnten auch Medikamente aus Deutschland mitgebracht werden. Mit den ersehnten Arzneien konnten die bedürftigen Menschen vor Ort behandelt werden. In dem aus Vereinsmitgliedern bestehenden Ärzteteam waren fünf Fachärzte aus den Bereichen Gynäkologie, Urologie, Kardiologie, Innere Medizin und Kieferorthopädie.

Das Team konnte innerhalb einer Woche ungefähr 2 000 Patienten ambulant medizinisch versorgen. Die Behandlungen konzentrierten sich besonders auf die unterversorgten ländlichen Gebiete in Mergasor, Coman und Maxmur.

Zahnmedizinisch besonders problematisch waren die medizinischen Verhältnisse im Flüchtlingscamp Maxmur. Hier leben ungefähr 11 800 Menschen, darunter 3 200 Kinder und Jugendliche, die aus Nordkurdistan stammen und aus der Türkei vertrieben wurden. Die im Camp vorhandene Einrichtung ist so desolat, dass dort keine Behandlung nach heutigem zahnmedizinischen Standard durchgeführt werden kann. Die Instrumente waren größtenteils verrostet, weder Sterilisationsmöglichkeiten noch Desinfektionsmittel waren vorhanden.

Yildizhan besorgte aus der Apotheke Betaisadona. Ein Hilfsmittel, um die Instrumente zumindest in einem Joghurtbecher zu desinfizieren. Die vorhandene dentale Behandlungseinheit war nicht voll funktionsfähig. Auch in anderen medizinischen Bereichen herrschten defizitäre Zustände.

Mit aufsuchender Medizin Missstände abbauen

Erkenntnis der einwöchigen Reise: In Südkurdistan sind die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung und die technisch-materielle Ausstattung der Einrichtungen insbesondere in unterversorgten Gebieten unzureichend. Die Kenntnisse für den richtigen Umgang mit den medizinischen Geräten sind lückenhaft. Medizinische Not herrscht insbesondere im Camp Maxmur.

Der Verein konnte zwischenzeitlich einen Autoklav, UV-Lampen, Kunststoff-Füllungsmaterial, Instrumente und pflegende Des infektionsmittel besorgen und nach Südkurdistan schicken. Zudem ist geplant, im Camp Maxmur und in Mergesor zuerst etwa 2 000 Kinder und Jugendliche mit einem zahnprophylaktischen Start-Kit auszustatten. Der Umgang mit den medizinischen Geräten und deren Pflege muss von den Menschen vor Ort erlernt werden. Zu diesem Zweck werden Mitglieder des Vereins erneut nach Südkurdistan reisen, um die Einarbeitung in den Umgang mit den zahn-/ medizinischen Geräten und Instrumenten zu begleiten. Sachspenden wie Verbrauchoder Füllungsmaterialien werden dringend benötigt. Kollegen, die das Projekt unterstützen wollen, werden gebeten, Kontakt aufzunehmen. sf/pm

Ansprechpartner:
Dr. Cihat Yildizhan, Kieferorthopäde
Kölner Str. 11
42929 Wermelskirchen
Tel.: 02196/973703
praxis@kfo-wermelskirchen.de

INFO

Der Verein

Der „Kurdische Ärzteverein im Ausland e.V.“ wurde am 28.09.2008 in Berlin ins Leben gerufen und ist eine über - parteiliche Vereinigung mit dem Ziel, die kurdische Bevölkerung in und außerhalb Kurdistans im medizinischen Bereich aufzuklären und zu unterstützen.

Kurdischer Ärzteverein im Ausland e.V.
Tel.: 030/54715862
Karl-Marx-Str. 27
12043 Berlin
info@kurdish-doctors.com

www.kurdish-doctors.com

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