Einkommen im Ruhestand

Mit und ohne Risiko

Kurz vor dem Ruhestand flattert bei vielen Zahnärzten der Bescheid der Lebensversicherung über die anstehende Überweisung des in Jahrzehnten zusammengetragenen Kapitals ins Haus. Nun stehen sie vor der Frage, wie sie eine größere Summe sinnvoll anlegen. Soll diese das monatliche Einkommen aufbessern, gibt es mehrere Alternativen: Sofortrente, Bankauszahlplan, Fonds-Entnahmeplan oder eine eigene Konstruktion. Für die Wahl entscheidend sind die eigenen Bedürfnisse und der Mut zum Risiko.

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Ein Erbe für die Enkel? Eine steuergünstige Schenkung macht’s möglich. Foto: MEV
Wer sich im Ruhestand auch einmal gern lang gehegte Träume erfüllen will ... Fotos: MEV
...tut gut daran, die Angebote zu vergleichen, mit denen man das notwendige Kleingeld hierfür zusammen bekommt.

Für das monatliche Einkommen eines Zahnarztes im Ruhestand bildet die Rente vom Versorgungswerk die Basis. Im Durchschnitt können alle, also auch Steuerberater, Anwälte oder Architekten, die für ihren Ruhestand ihre Beiträge in ein Versorgungswerk einzahlen, mit etwa 2 000 Euro Monatsrente rechnen – so die Auskunft der Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungswerke ABV. Der Satz für Zahnärzte liegt bei vorangegangener höherer Beitragsleistung wahrscheinlich deutlich darüber. Mit diesem Betrag kann der Dentist verlässlich kalkulieren. „Denn“, so Wolfgang Prange, Leiter der Beitrags- und Leistungsabteilung des VZN-Versorgungswerks der Zahnärztekammer Nordrhein in Düsseldorf, „bei uns darf die Rente während der gesamten Rentenphase nicht unter die Höhe der Eingangsrente sinken.“ Das heißt, der zu Beginn gezahlte Betrag bleibt bis zum Ende gleich. Reicht diese Summe nicht, um den gewohnten Lebensstandard zu halten, lässt sich das Einkommen mithilfe des Kapitals aus der Lebensversicherung oder aus dem Verkauf der Praxis aufbessern. Die Frage ist nur, wie? Selbstverständlich hat das jeweilige Versicherungsunternehmen auch ein paar Vorschläge parat. Doch man möge sich nichts vormachen: Dabei geht es in der Regel vor allem darum, dass das Geld bei der Gesellschaft bleibt.

Bilanz ziehen

Bevor Entscheidungen getroffen werden, sollte zunächst eine Bilanz gezogen werden:

■ Wie sieht die bisher geplante Altersvorsorge aus?

■ Mit welchen regelmäßigen Einkünften kann im Ruhetand gerechnet werden?

■ Wie viel bleibt nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben übrig?

■ Sind noch Schulden zu tilgen?

■ Welche Ausgaben sind davon (sonst noch) zu bestreiten?

Kommt man zu dem Schluss, dass man den Betrag für die lang ersehnte Weltreise oder einen anderen, lang gehegten Wunsch ausgeben kann – wunderbar, dann ist die Entscheidung gefallen. Will man das Geld vererben, kann man sich Gedanken über eine steuergünstige Schenkung machen. Legt man Wert auf ein komfortables regelmäßiges Einkommen, hat man die Wahl unter verschiedenen Möglichkeiten:

Bei der Sofortrente zahlt der Versicherte eine größere Summe auf einmal ein und bekommt ab sofort eine regelmäßige Rente bis an sein Lebensende ausgezahlt. Sie gehört zu den Vorschlägen, die die Versicherung als erste Wahl zur Wiederanlage der ausgezahlten Lebensversicherung macht. Für die Gesellschaft ein lukratives Geschäft. Für den Zahnarzt sollte es nur einen Grund geben, weshalb er sein Geld in eine Sofortrente steckt. Er braucht ein dauerhaftes, zusätzliches Einkommen zu seinen sonstigen Bezügen im Ruhestand.

Zu den Vorzügen einer solchen Lösung gehört, dass der Versicherte fest mit der monatlichen Zahlung kalkulieren kann. Eine Rentabilitätsrechnung sollte er dabei lieber nicht aufmachen. Denn Berechnungen der Stiftung Warentest haben ergeben, dass 65-jährige Männer erst nach 20 Jahren in die Pluszone kommen, Frauen, die wegen ihrer höheren Lebenserwartung nur geringere Renten erwarten dürfen, erst nach 22 Jahren. Auf keinen Fall sollte der Zahnarzt das Angebot seiner Versicherung blind annehmen. Ein Blick in eine Vergleichstabelle (siehe Kasten) zeigt die deutlichen Unterschiede bei der Höhe der Renten, die die Gesellschaften zahlen.

Die Renten bestehen aus einem garantierten Teil und einem schwankenden Anteil, der aus den Überschüssen gespeist wird. Wie hoch die Rente ausfällt, hängt auch vom Eintrittsalter ab. So können Interessenten ihre Police auch mit 70 Jahren noch abschließen. Die monatliche Unterstützung fällt dann üppiger aus, weil die Gesellschaft nicht mehr so lange zahlen muss. Um einer Entwertung durch Inflation vorzubeugen, empfiehlt es sich eine volldynamische Rente zu wählen. Diese Variante startet mit einem niedrigeren Betrag und steigt im Normalfall entsprechend der festgelegten Steigerungssätze. Eine konstante Rente aber leidet unter der Inflation, die in der Vergangenheit im Schnitt bei zwei Prozent gelegen hat.

Damit die Erben nicht leer ausgehen

Wer sich für eine Sofortrente entscheidet, muss wissen, dass bei seinem Tod der Rest des Kapitals an die Versicherung fällt, eventuelle Erben haben das Nachsehen. Um auch für Ehepartner oder Kinder vorzusorgen, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Eine Rentengarantiezeit von fünf, zehn oder mehr Jahren sorgt dafür, dass die Rente wie vereinbart ausgezahlt wird, auch wenn der Kunde innerhalb dieser Frist verstirbt. Einige Gesellschaften überweisen je nach Vereinbarung die Rente bis zu dessen Tod an den Partner ihres verstorbenen Kunden weiter. Damit zum Beispiel die Kinder wenigstens einen Teil des verbliebenen Kapitals oder den Teil der Beiträge, der noch verblieben ist, nach dem Tod von Vater oder Mutter beanspruchen können, lohnt es sich, die Auszahlung bei Vertragsabschluss zu vereinbaren. Einige Gesellschaften gewähren auch die Option, einen Teil des Kapitals zu entnehmen.

Doch umsonst sind diese Sonderrechte nicht. Die lässt sich die Versicherung mit einem Abzug von der monatlichen Rente bezahlen. Wie viel das sein kann, sollte unbedingt bei Vertragsabschuss behandelt werden. Die Stiftung Warentest ermittelte je nach Vereinbarung Abzüge zwischen 0,5 und 13 Prozent.

Nicht unbesehen annehmen sollte der Zahnarzt das Angebot der aufgeschobenen Rente. Dabei legt die Versicherung das Kapital für ihn an, wenn die Rentenzahlung erst später starten soll. Für ihre Dienste zieht die Gesellschaft erst einmal eine bisweilen saftige Gebühr ab. Deshalb lohnt es sich, alternative Möglichkeiten wie zum Beispiel die Investition in einen Fonds zu prüfen und den Betrag erst später in eine Sofortrente einzuzahlen. Ein Vorteil der Sofortrente ist die steuerliche Behandlung. Hat der Versicherte beim Start bereits die 65 Jahre erreicht, zahlt er nur auf den Ertragsanteil von 18 Prozent seiner Rente Einkommenssteuer.

Wem die hohen Kosten einer Sofortrente nicht passen, kann sein Geld auch in einen Bankauszahlplan investieren. Diese Anlage ist kostenlos und garantiert eine feste Laufzeit sowie angepasste monatliche Auszahlungen. Dabei hat der Kunde die Wahl zwischen Verträgen mit Kapitalerhalt und Verträgen mit Kapitalverzehr. Bei der ersten Variante werden nur die Zinsen ausgezahlt. Derzeit dürfte dabei nicht viel herauskommen, dümpeln die Zinsen doch je nach Laufzeit im niedrigen Bereich um zwei bis drei Prozent herum. Nach Abzug der Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätsbeitrag und eventueller Kirchensteuer bleibt nicht mehr viel übrig. Geht das eingezahlte Kapital mit in die Rentenzahlungen ein, ist der Topf nach Ablauf der vereinbarten Laufzeit leer. Für die Erben bleibt dann nichts übrig. Verstirbt der Anleger allerdings vorher, steht den Erben das nicht verbrauchte Kapital zu. Der Nachteil dieser Konstruktion: Das Geld liegt fest, der Kunde kann nicht mehr frei darüber verfügen.

Deshalb und wegen der derzeit niedrigen Zinsen empfiehlt Eberhard Beer, Berater und Mitglied der Alten Hasen GmbH, ein Netzwerk ehemaliger führender Banker, sich einen eigenen Auszahlplan zu gestalten. So etwa könnte man das Kapital aufteilen: Ein Teil bleibt zur Verfügung auf einem Tagesgeldkonto, einen Teil investiert man in Festgeld und einen weiteren Teil in möglichst attraktive und sichere Angebote der Banken mit kurzer Laufzeit, da man ja von steigenden Zinsen ausgeht. Die Alternative Bundesschatzbriefe bietet derzeit keine attraktive Verzinsung, doch kann der Anleger nach einer Sperrfrist von einem Jahr jeden Monat über maximal 5 000 Euro verfügen.

Gebührenfreie Wachstumszertifikate

Niels Nauhauser, Anlageexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart, hält noch mehr Varianten bereit. So schlägt er vor, nur einen Teil des Kapitals in einen kurz laufenden Auszahlplan zu investieren. Der Rest des Geldes wandert für diese Zeit in sogenannte Wachstumszertifikate. Diese von Geschäftsbanken angebotenen Papiere haben mit den üblichen Zertifikaten nichts zu tun. Es sind normal geschützte Sparanlagen und keine Inhaberschuldverschreibungen. Sie sind ähnlich wie Bundesschatzbriefe aufgebaut und es fallen keine Gebühren an. Doch manche Banken bieten bessere Renditen als die Finanzagentur des Bundes. Am Ende der Laufzeit entscheidet der Zahnarzt wieder neu, wie er den Betrag anlegt. Vielleicht sind die Zinsen bis dahin gestiegen und ein Auszahlplan lohnt sich wieder eher.

Bei einer anderen Variante fließt das Kapital komplett oder zum Teil in einen sogenannten Fondsentnahmeplan. Dabei versprechen Aktienfonds die höchsten Renditen, bergen aber auch die größten Risiken. Deshalb ist es hierbei besonders wichtig, für die Wahl eines oder mehrerer Fonds den Rat eines vertrauenswürdigen und unabhängigen Beraters einzuholen. Eine feste Planung der monatlichen Auszahlungen über einen längeren Zeitraum gestaltet sich bei einem Fonds schwierig. Denn die Erträge schwanken entsprechend der Aktienlage.

Ein großer Vorteil dieser Entnahmepläne ist ihre Flexibilität. Anders als beim starren Bankplan, kann der Anleger die Auszahlraten je nach Börsenlage variieren. So schöpft er bei steigenden Kursen mehr ab als in der Baisse. Außerdem kann er die Intervalle der Auszahlung selbst bestimmen und im Notfall seine Fondsanteile verkaufen. Unter der schier unendlichen Auswahl an Fonds eignen sich vor allem solche, die breit und international anlegen und so Risiken streuen. Mit entscheidend für den Erfolg der Anlage sind möglichst geringe Kosten.

Für aktiv gemanagte Fonds fällt beim Kauf erst einmal ein Ausgabeaufschlag von meist fünf Prozent an. Hinzu kommt eine jährliche Verwaltungsgebühr zwischen 1,2 und 1,5 Prozent. Günstiger sind Indexfonds. Für sie fallen kaum Gebühren an. Wer sich aber gut informiert hat und sich für einen gemanagten Fonds entscheidet, für den hält Experte Beer noch einen Tipp bereit: „Es gibt fast jeden Fonds auch als Nettofonds. Dafür zahlt man keinen Ausgabeaufschlag aber eine höhere Verwaltungsgebühr. Wenn man das Geld nur kurzfristig anlegt, fährt man mit dem Nettofonds besser.“

Entscheidend ist das Interesse des Anlegers

Der Anleger entscheidet, wie er sein Geld anlegen will. Dabei hilft ihm eine ehrliche Beurteilung seiner finanziellen Situation. Maßstab für die Entscheidung sollen allein seine Bedürfnisse sein. Niels Nauhauser warnt davor, jede Prognose über Zinsentwicklung, Inflation und Kurssteigerungen mit einzubeziehen: „Viele Studien haben gezeigt, dass die meisten Prognosen nicht eintreffen. Es kann jederzeit zu einer neuen Krise kommen. Entscheidend für die Anlage ist allein das persönliche Interesse des Anlegers.“

Marlene Endruweit
Wirtschaftsjournalistin
m.endruweit@netcologne.de

INFO

Die Alten Hasen GmbH

Bei der Alten Hasen GmbH handelt es sich um ein Dutzend ehemaliger Bankmanager im Ruhestand, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Menschen im Alter von 50 Jahren an aufwärts in Sachen Geldanlage zu beraten. Sie haben alle mindesten 25 Jahre in leitender Funktion in einer Bank gearbeitet. Das Honorar beträgt für die erste halbe Stunde 65 Euro, eine eingehende Beratung kostet zwischen 160 und 270 Euro je Stunde.

Im Internet sind sie unter www.diealtenhasen.de zu finden.

Gesellschaft

Tarif

Garantierte

Rente in Euro*

Mögliche Rente im

1. Jahr in Euro*

Mögliche Rente im

5. Jahr in Euro*

Mögliche Rente im

10. Jahr in Euro

M&M LVUnternehmensrating

Ergo Direkt

Maxi Rente

447

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***

Mamax Leben

RE

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Cosmos Direkt

R3

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WGV

L3E

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Hannoversche Leben

R1

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Europa

E-R1

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Huk-Coburg

RSGT

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429

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Asstel

RMAS 12PA

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Debeka

S1

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426

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Generali

RE 09 Tarifstufe N

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Swiss Life

600

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424

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Ergo Leben

RSN

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Zürich Dt. Herold

Sofort Rente classic

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421

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Oeco Capital

Rent 31

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Allianz

R3

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Das Analysehaus Morgen & Morgen hat die Angebote der Versicherungen für Sofortrenten verglichen. Die Vorgaben waren: Ein Mann, geboren am 1. Februar 1946, zahlt 100 000 Euro in eine Sofortrente ein. Die Rentengarantiezeit beträgt zehn Jahre, Versicherungsbeginn war der 1. Februar 2011. Das Unternehmensrating rangiert von * bis zur Bestnote *****. (* auf 1 Euro gerundet, sortiert nach der garantierten Rente)

Quelle: Morgen & Morgen GmbH, Stand LV-Win 8.01 Februar 2011, ID L11011

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