IDZ-Information 2/2011

Ursachen für Zahnverlust

Die neue IDZ-Studie mit dem Titel „Ursachen des Zahnverlusts in Deutschland“ greift die Gesamtthematik Zahnverlust auf und analysiert auf der Grundlage bundesweiter Stichproben bei 599 niedergelassenen Zahnärzten aus allen Bundesländern insgesamt 12 517 Extraktionen. Als Autoren für die Feldstudie zeichnen Prof. Eike Glockmann (Jena) et al. verantwortlich.

Studienvergleich Vergleich der Untersuchungsergebnisse zu Extraktionsursachen von Reich (1993) in den alten Bundesländern (nur bleibende Zähne), Glockmann und Köhler (1998) in den neuen Bundesländern und der Studie in allen Bundesländern im Jahr 2007 Quelle: IDZ Köln/zm-Grafik

Die epidemiologische Dokumentation der Gründe von Zahnverlust in der Bevölkerung Deutschlands hat am Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) Forschungstradition. Denn zweifellos stellt das Ausmaß von Zahnverlusten innerhalb der zahnmedizinischen Versorgungsforschung einen robusten Gradmesser für den oralen Gesundheitszustand dar.

Bereits 1993 wurden für die alten Bundesländer (vergleiche IDZ-Information Nr. 1/93) und 1999 für die neuen Bundesländer (vergleiche IDZ-Information Nr. 1/99) die Ergebnisse aus entsprechenden umfassenden Feldstudien zu den Ursachen zahnärztlich vorgenommener Zahnentfernungen veröffentlicht.

Im Rahmen der Erhebung für die aktuelle Studie waren die teilnehmenden Zahnärzte gebeten worden, über einen Zeitraum von vier Arbeitswochen die zahnmedizinischen Extraktionsursachen zu dokumentieren (eingeschränkt prospektives Studiendesign). Bei den 12 517 Zähnen handelte es sich um 11 260 Zähne beim bleibenden und 1 257 Zähne beim Milchgebiss.

Karies und Parodontitis als Hauptextraktionsursachen

Bei Berücksichtigung der Zähne beider Dentitionen – also Milchzähne und bleibende Zähne – waren nach den durchgeführten Erhebungen im Jahr 2007 Karies (29,7 Prozent) und Parodontitis (28,5 Prozent) die häufigsten Extraktionsursachen.

Jeweils weniger als fünf Prozent der Zahnverluste waren auf kieferorthopädische Behandlungen (4,7 Prozent), Traumata (2,9 Prozent) und prothetische Behandlungsplanungen (2,9 Prozent) zurückzuführen. 8,8 Prozent der Zahnverluste beruhten auf Entfernungen retinierter/verlagerter Weisheitszähne.

Sowohl unter den bleibenden Zähnen als auch unter den Milchzähnen wurden im gesamten Beobachtungszeitraum mehr Zähne im Oberkiefer entfernt. Konkret waren es im bleibenden Gebiss 5  966 Oberkieferund 5  294 Unterkieferzähne. Im Milchgebiss waren die Unterschiede noch deutlicher ausgeprägt: 727 extrahierte Zähne im Oberkiefer zu 530 Zähnen im Unterkiefer.

Bei der Betrachtung der Extraktionen nach Geschlecht ab 18 Jahre fällt auf: Die Ursache Parodontitis veranlasste gegenüber der Karies sowohl bei Frauen (32,5 zu 28,8 Prozent) als auch bei Männern (33,2 zu 31,4 Prozent) etwas häufiger den Zahnverlust.

Auffällig war zudem: Bei Berücksichtigung der errechneten Residuen hinsichtlich der Entfernungen retinierter/verlagerter Weisheitszähne lag die Häufigkeit bei den männlichen Zahnärzten deutlich über und bei den weiblichen Zahnärzten dagegen unter den Erwartungswerten. Hinsichtlich der anderen Extraktionsursachen gab es keine gravierenden Unterschiede.

Im Vergleich zu den früheren Studien aus 1993 beziehungsweise 1999 zeigt sich eine erstaunlich hohe Stabilität hinsichtlich der klinischen Extraktionsursachen. Ab dem 40. Lebensjahr dominiert die Parodontitis als zahlenmäßiger Hauptgrund einer Zahnextraktion.

Insgesamt fügt sich das aktuelle Ergebnisbild zu den Gründen des Zahnverlusts in Deutschland in das entsprechende Ergebnisbild aus diversen internationalen Erhebungen in anderen Ländern zu dieser Gesamtthematik ein. Die ausführliche Studie (34 Seiten) steht auf der Homepage des IDZ zum Download bereit und kann auch in gedruckter Fassung angefordert werden.

www.idz-koeln.de