3. Zahnärztinnenkongress

Frauen bleiben die Zukunft der Zahnmedizin

Mit rund sechzig Teilnehmerinnen war der diesjährige Kongress für Zahnärztinnen gut besucht. Der zentral gelegene Veranstaltungsort Frankfurt hatte doch vielen Teilnehmerinnen ermöglicht, auch nur tageweise die Vorträge zu hören und mit den Kolleginnen intensiven Austausch zu pflegen. Schließlich gab es nicht nur Fachfortbildung auf dem Programm, sondern auch jede Menge Informationen und Tipps zu so verschiedenen Themen wie Niederlassung, Praxisformen oder Finanzierung einer neuen Existenz, die speziell auf Zahnärztinnen und ihren Arbeitsalltag mit Doppelbelastung zugeschnitten waren.

Dr. Cornelia Panthen, Geschäftsführerin der Fortbildungsakademie Hessen, war mit der Organisation der Tagung vor Ort beteiligt.

Sie tun was (v.l.): Dr. Kerstin Blaschke, FVDZ, Prof. Marianne Schrader, Deutscher Ärztinnenbund, Dr. Antje Köster-Schmidt, im Vorstand ZÄK Hessen, Dr. Brita Petersen, Vorsitzende des Ausschusses der Belange von Zahnärztinnen der BZÄK, und Birgit Dohlus, Dentista Club
”Man kann es sich nicht erlauben, dass gut und teuer ausgebildete Zahnärztinnen nur halbtags arbeiten. Wir brauchen lebensphasenbegleitende Berufsperspektiven! PD Dr. Dr. Christiane Gleissner, Mainz Foto: Paul-F1online
Beispiele für starkes „weibliches“ Engagement in der Berufspolitik (v.l.): Sabine Steding,im Vorstand ZÄK Niedersachsen, Dr. Anja Seltmann, Referentin Zahnärztinnen in Hamburg, Dr. Ingrid Buchholz, ZÄK Mecklenburg- Vorpommern Fotos: B. Dohlus

Auf Initiative des Ausschusses der Belange von Zahnärztinnen der Bundeszahnärztekammer, der bereits 1992 gegründet wurde, hatte die Landeszahnärztekammer Hessen den Kongress federführend durch die Geschäftsführerin der Fortbildungsakademie Hessen, Dr. Cornelia Panthen, organisiert und ein Potpourri von Vorträgen ausgewählt, das sich durchaus sehen lassen konnte. So gab die Vorsitzende des Ausschusses der Belange von Zahnärztinnen der Bundeszahnärztekammer, Dr. Brita Petersen, Bremen, einen Rückblick auf die vergangenen Jahre der Ausschussarbeit. „Wir haben es erreicht, über die Ländergrenzen hinaus bekannt zu sein.“ Sie berichtete von ihrer Mitarbeit im Weltärztinnenbund, betonte, wie wichtig die Bedeutung der Zahnärztinnen zukünftig für den Berufsstand sein wird, und freute sich besonders auch über die Anwesenheit vieler junger Kolleginnen, die zur Meinungsfindung über ihren späteren Berufsweg nach Frankfurt gereist waren. Mit von der Partie war auch Prof. Dr. Marianne Schrader. Sie ist Fachärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie aus Lübeck und begrüßte die Teilnehmerinnen im Namen des Deutschen Ärztinnenbundes. Sie berichtete über das von ihr initiierte Mediatorinnennetzwerk und die innerkollegialen Erfolge, die damit erzielt werden konnten. „Selbstkritik, Organisationstalent, Teamgeist, Pragmatismus und soziale Kompetenz – das sind die Fähigkeiten, die Frauen mitbringen. Diese Kompetenzen muss man bündeln, Erfahrungen austauschen, diskutieren und schließlich in die Politik tragen!“ So bringt es Dr. Kerstin Blaschke, 2. Vorsitzendes des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte und Begründerin des Frauennetzwerks „ZoRA“, dar und traf dabei ins Schwarze. „Unser aller Bestreben ist doch der Erhalt der Freiberuflichkeit! Also: Trauen Sie sich!“ machte sie Mut und schloss mit den Worten: „Kompetenz durch Verbundenheit wird auch von Männern unterstützt!“

Tief ins Fachgebiet der Kieferorthopädie und CMD-Thematik stieg dann Prof. Dr. Stefan Kopp, Frankfurt, ein und traf dabei „ganz nebenbei“ genau den Nerv einer jeden Frau. Denn er machte den Zusammenhang zwischen Schuhwerk, Rückenschmerzen und Kiefergelenksproblemen deutlich und sprach nicht nur von den High Heels der Behandlerinnen und ihrer Teams, sondern auch von Patientinnen.

High Heels mit Folgen

„Wenn eine Patientin mit unklarem Gesichtsschmerz zu Ihnen kommt, schauen Sie auf ihre Schuhe!“ „Noch besser: Lassen Sie drei paar Lieblingsschuhe mitbringen!“ Er berichtete, dass er kein Kind und keinen Jugendlichen kieferorthopädisch behandelt, ohne vorher für gesundes Schuhwerk gesorgt zu haben. Ein weiterer wichtiger Tipp: „Begrüßen Sie im Stehen, dann sehen Sie gleich die Haltung des Patienten.“ Der Physiotherapeut Wolfgang Stelzenmüller, Neu-Isenburg, öffnete den Zahnärztinnen die Augen: „Wenn der Stoff Ihrer Hose zu glatt ist, rutschen Sie und versuchen, sich krampfhaft auf dem Stuhl zu halten – mit späteren Rückenschmerzen.“ Er gab viele hilfreiche Tipps zur ergonomischen Behandlungsposition. Der komorbide Patient und die mit seiner Multimedikation verbundenen Nebenwirkungen waren Thema von Dr. Doris Seiz, Frankfurt. Ihr Fazit: „Ganzheitliches Betrachten des Patienten ist notwendig – denn, auch wenn ein Implantat perfekt inseriert ist, kann es eventuell wegen einer Niereninsuffizienz verlustig gehen.“ Ihr Tipp: „Kein chirurgischer Eingriff sechs Monate nach einem Myokardinfarkt!“

Pluspunkt Aktives Zuhören

Aktives Zuhören ist eine Methode, mit der jeder noch so schwierige Patient „geknackt“ werden kann, wie die Kommunikationstrainerin Dr. Annekathrin Behrendt an vielen anschaulichen, gut griffigen Beispielen aus dem Lebens- und Praxisalltag erläuterte. Sie erklärte diese Methode genau und empfahl jeder Teilnehmerin, sie in Alltagssituationen oder im familiären Umfeld einzuüben, damit sie dann in der wichtigen Situation flüssig und überzeugend funktioniert.

Giesbert Schulze-Freiwald, Vizepräsident der Zahnärztekammer Hessen, überbrachte die Grüße des Kammerpräsidenten Dr. Michael Frank, ging in seinem Vortrag auf die Weiterbildungsordnung ein und forderte die Teilnehmerinnen auf, diese genau „unter die Lupe“ zu nehmen, um für sich etwas Gewinnbringendes daraus zu entnehmen. Sämtliche juristischen Aspekte der Gestaltung einer zahnärztlichen Berufsausübung waren Gegenstand der Ausführungen des Vorsitzenden des Vorstands der KZV Hessen, Stephan Allroggen. Er berichtete über die nicht nur in Hessen stets steigenden Zahlen der angestellten Zahnärztinnen, weil sie oft Unkenntnis darüber haben, welche Niederlassungsformen es heute gibt. Denn es ist durchaus möglich, dass einer sich in einer Familiensituation befindenden Zahnärztin durchaus eine selbstständige Tätigkeit in eigener Praxis offen steht. Themen wie Übernahme, Neuniederlassung, Teilzulassung, Standortfragen, Vertretungssituationen, Zweigpraxis und mehr wurden angesprochen und diskutiert. Seine Empfehlung: Mögliche Kinderbetreuungssituationen am besten in der eigenen Praxis schaffen und mit externen Betreuungspersonen auf 400-Euro-Basis regeln. Und: „Lassen Sie sich, bevor Sie einen Zulassungsantrag stellen, umfassend beraten, und seien Sie wachsam, was in Ihrem Umfeld passiert!“

Häusliche Übergriffe, bei denen der Zahnarzt zur Aufdeckung betragen kann, waren Thema von Dr. Antje Köster-Schmidt. Sie berichtete über eine umfangreiche Studie, die bereits in den zm 8/2011 vorgestellt wurde, und verwies darauf, dass es sehr hilfreich ist, im Wartezimmer Infobroschüren zu diesem Thema auszulegen. Sie machte deutlich, wie wichtig es ist, darauf zu achten, dass die Dokumentation solcher Beobachtung auch gerichtsverwertbar ist. Sie machte Mut: „Überwinden Sie Ihre Scheu und sprechen Sie die betreffende Patientin an. Aber achten Sie dabei auf Ihr Bauchgefühl, viele Betroffene reagieren aggressiv und wollen den Täter schützen!“ Sie berichtete zusammen mit Kathrin Rinke über ein Zahnarzt/Zahntechniker-Netzwerk (Projekt: „Wieder Lachen“), das Opfer aus Frauenhäusern mittels einer kostenlosen oralen Rehabilitation unterstützt.

Finanzmodelle offengelegt

Rund ums Geld ging es bei Petra Knödler von der Apobank und Peter Wittmann, Deutsche Ärzteversicherung. Knödler, selbst von der Doppelbelastung betroffene Top- Managerin, stellte das Finanzierungsmodell Niederlassung versus Angestelltenverhältnis vor mit dem Fazit: Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, ist die Niederlassung die Entscheidung für mehr Selbstständigkeit. Gender-Medizin, ein Thema, das PD Dr. Dr. Christiane Gleissner, selbst Klinikzahnärztin mit Drillingen, vorstellte, brachte spannende Details, bei denen aus Platzgründen auf die Titelstory in zm 19/2010 verwiesen werden soll. Die Zahnärztinnen konnten mit viel Mehrwert im Gepäck abreisen.

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