Oralchirurgie

Perikoronale Ostektomie als alternative OP-Methode

In dieser klinischen prospektiven Kohortenstudie wurde das eruptive Potential retinierter beziehungsweise impaktierter Weisheitszähne nach Abtragung des zirkumkoronalen Knochens untersucht. Eine dadurch bedingte Bewegung der Zähne zur Okklusionsebene, weg vom Canalis mandibulae, konnte das Risiko postoperativer Sensibilitätsstörungen reduzieren.

Fachleute präsentieren wichtige aktuelle Forschungsergebnisse aus internationalen Fachzeitschriften, die auch für den Praxisablauf relevant sind.

Panoramaschichtaufnahme mit retinierten Zähnen 18, 38 und 48; 38 und 48 apikal in Projektion auf den Canalis mandibulae
DVT mit dargestelltem Verlauf des Nervus alveolaris inferior Fotos: Schmidt-Westhausen, Charite

Die operative Entfernung von dritten Molaren der Mandibula in unmittelbarer Nähe zum Canalis mandibulae kann zu Nervverletzungen mit daraus resultierenden Sensibilitätsstörungen im Bereich der Lippe, des Kinns und der Wange führen. Um dieses Risiko zu verringern, werden alternative Behandlungsmethoden wie die Koronektomie oder die orthodontische Extraktion empfohlen. Diese Studie untersucht eine neue alternative Behandlungsmethode, die perikoronale Ostektomie. Diese soll das Risiko von Verletzungen des Nervus alveolaris inferior bei Hochrisikofällen verringern. Das Prozedere beinhaltet zwei Eingriffe.

Im ersten Eingriff wird der perikoronale Knochen so weit abgetragen, um adäquaten Platz für einen ungehinderten spontanen Durchbruch des Zahnes zu schaffen. Zudem wird durch vorsichtige Subluxation die Beweglichkeit des Zahnes untersucht. Seine Entfernung erfolgt durchschnittlich sechs bis acht Wochen danach in einem zweiten Eingriff. Zuvor wird eine Panoramaschichtaufnahme zur Überprüfung der Zahnbewegung nach okklusal angefertigt.

Für die Studie wurden 17 Unterkieferweisheitszähne von 14 Patienten im Alter von 20 bis 47 Jahren durch einen Operateur behandelt. Alle Patienten waren zuvor radiologisch zwei- und dreidimensional untersucht worden. Bei Vorliegen gering mesioangulär und vertikal verlagerter dritter Molaren der Mandibula wurde die perikoronale Ostektomie durchgeführt. Nach dem ersten Eingriff zeigten alle 17 Weisheitszähne eine Wanderung von der unmittelbaren Nähe zum Canalis mandibulae in eine okklusale Ausrichtung, dabei betrug die durchschnittliche Wanderungsdistanz zwei Millimeter. Die Zähne wurden anschließend extrahiert.

Drei Patienten wiesen eine geringe Hypästhesie auf: zwei im Versorgungsbereich des Nervus alveolaris inferior, einer im Versorgungsbereich des Nervus lingualis. Bei allen drei Patienten waren innerhalb von drei Monaten keine postoperativen Sensibilitätseinschränkungen mehr feststellbar. Damit scheint die perikoronale Ostektomie eine Alternative zur operativen Entfernung von dritten Molaren der Mandibula in unmittelbarer Nähe zum Nervus alveolaris inferior zu bieten.

Quelle: Tolstunov L, Javid B, Keyes L, Nattestad A: Pericoronal ostectomy: an alternative surgical technique for management of mandibular third molars in close proximity to the inferior alveolar nerve. J Oral Maxillofac Surg. 2011 Jul; 69(7): 1858-66.

Dr. Bettina Brungsberg
Charité-Universitätsmedizin Berlin
CharitéCentrum 3 für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Bereich Oralmedizin, zahnärztliche Röntgenologie und -Chirurgie
Aßmannshauser Str. 4-6
14197 Berlin
bettina.brungsberg@charite.de

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