40 Jahre Ärzte ohne Grenzen

Gegen Not und Hoffnungslosigkeit

Médecins Sans Frontières ist die weltweit größte Organisation für medizinische Nothilfe. Vor 40 Jahren, am 20. Dezember 1971, wurde sie von zwölf französischen Ärzten und Journalisten gegründet. Im Jubiläumsjahr kann Ärzte ohne Grenzen, so der deutsche Name, auf eine bewegte Geschichte zurückblicken.

Erdbebenopfer in Afghanistan warten 1998 in Gandy vor einem Zelt der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“. Foto: picture alliance

Unterzeichnung der Gründungsurkunde 1971 in Paris
Verleihung des Friedensnobelpreises 1999 im Osloer Rathaus (v.l.n.r.): der norwegische Kronprinz Haakon, Königin Sonja und König Harald von Norwegen, der Präsident des Internationalen Rates der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“, James Orbinski, und die Vertreterin der Organisation, Marie-Eve Raguenaud
Ein Wirbelsturm verwüstete die Südküste Bangladeschs 1997. Fotos: picture alliance
Kambodschaner auf der Flucht vor den Roten Khmer Foto: Ärzte ohne Grenzen-MSF
Bilder wie dieses vom Biafra-Krieg gingen 1967 um die Welt. Foto: picture alliance
1980 erfolgte der Marsch für das Überleben Kambodschas, mit Prominenten wie Joan Baez (vorne).
Behandlung eines Verletzten im Tschad, 1981 Fotos: Ärzte ohne Grenzen-MSF
Juliette Fournot, Projektleiterin von Ärzte ohne Grenzen für Afghanistan, unterwegs im Land

„Sie gehen dorthin, wo Not, Leid und Hoffnungslosigkeit am größten, oftmals von geradezu katastrophalen Ausmaßen sind und leisten Hilfe – unabhängig davon, ob die Katastrophe von Menschenhand oder durch die Natur verursacht wurde“, hieß es in der Laudatio des Nobelpreis-Komitees, das „Médecins Sans Frontières (MSF) im Jahr 1999 mit dem Friedensnobelpreis auszeichnete. Und noch einen Grundsatz der Organisation lobte das Komitee: „Charakteristisch für MSF ist, dass sie in ihrer Arbeit – klarer als irgendjemand sonst – zwei Kriterien vereinen: humanitäre Hilfe und Engagement für die Menschenrechte.“

Wo Katastrophen durch Menschen verursacht würden, nämlich durch die Missachtung fundamentaler Grundrechte, erhebe die Organisation ihre Stimme und gebe Zeugnis davon. Bei ihrer Gründung vor 40 Jahren bedeutete diese Herangehensweise eine ideologische Revolution auf dem Gebiet der humanitären Hilfe.

Sturm und Krieg

Zwei Ereignisse führten zur Gründung von Ärzte ohne Grenzen. Eines war der Bhola- Wirbelsturm in Ostpakistan, dem heutigen Bangladesch. Im Jahr 1970 forderte die Naturkatastrophe 500 000 Todesopfer. Die Mediziner, die dort Nothilfe geleistet hatten, schlossen sich im Dezember 1971 mit einer Ärztegruppe zusammen, die gerade aus einem Kriegsgebiet zurückgekehrt war – und Wut im Bauch hatte. Die Erfahrungen, die diese Ärzte als Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) bei einem Hilfseinsatz im Biafra-Krieg von 1967 bis 1970 gemacht hatten, prägen die Prinzipien von „Ärzte ohne Grenzen“ bis heute.

Bei dem Konflikt in der nigerianischen Provinz starben zwei Millionen Menschen, drei Millionen wurden vertrieben oder flüchteten. Kriegsauslöser war die Unabhängigkeits-erklärung des ölreichen, christlich dominierten Biafra im Jahr 1967. Die nigerianische Regierung versuchte, die Sezession militärisch abzuwenden. Die abtrünnige Provinz wurde umzingelt und mit einer Blockade belegt. Da keine Nahrungsmittel mehr in die Region gelangten, brach eine Hungersnot aus.

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