Sachbezüge

Tank- und Geschenkgutscheine steuerfrei

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Richter änderten Rechtsprechung aus dem Jahr 2004

Die Richter des BFH sahen dies jedoch anders und gingen in sämtlichen Fällen von steuerund sozialabgabenfreien Sachbezügen aus. Sie prüften, welche Leistung ein Arbeitnehmer vom Arbeitgeber beanspruchen kann. Kann der Arbeitnehmer nur die Sache beanspruchen und kein Bargeld, liegt ein Sachbezug vor und eine Steuerbefreiung für Sachbezüge kommt in Betracht. Für die Richter war es unerheblich, ob der Arbeitgeber selbst tätig wurde oder es dem Arbeitnehmer gestattete, auf seine Kosten die Sachen bei einem Dritten zu erwerben. Deshalb liegt auch dann ein Sachbezug vor, wenn der Arbeitgeber seine Zahlung an den Arbeitnehmer mit der Auflage verbindet, den empfangenen Geldbetrag nur in einer bestimmten Weise zu verwenden. Damit änderten die Richter ihre Rechtsprechung aus dem Jahr 2004. Damals gingen die Richter noch davon aus, dass es sich bei zweckgebundenen Zuschüssen des Arbeitgebers stets um steuerpflichtigen Barlohn handelt.

Weitere Möglichkeiten

Aber ein Tank- und Geschenkgutschein ist nicht die einzige Möglichkeit für Zahnarzt und Mitarbeiterin einander Gutes zu tun. Der Zahnarzt kann einem Mitarbeiter zum Beispiel das Handy und den Computer zur privaten Nutzung überlassen, oder er kann ihm eine Fortbildung oder den Kindergartenplatz für das Kind bezahlen. Das Prinzip ist immer das gleiche: Der Mitarbeiter hat eine Ausgabe, die er normalerweise vom bereits versteuerten Nettogehalt bezahlen muss. Nun wird die Ausgabe vom unversteuerten Bruttogehalt bezahlt. Dadurch sinken die Lohnnebenkosten. Und von sinkenden Lohnnebenkosten profitieren beide, der Zahnarzt und der Mitarbeiter.

Extras in Ausnahmefällen

Es gibt allerdings nur zwei Gelegenheiten, an denen die steuer- und abgabenfreien Gehaltsextras vereinbart werden dürfen. Das ist einmal bei einer Gehaltserhöhung oder, wenn ein neuer Praxismitarbeiter eingestellt wird. Hingegen ist es nicht möglich, Teile einer bestehenden Gehaltsvereinbarung in abgabenfreie Sachleistungen umzuwandeln. Fiskus und Sozialversicherung kontrollieren das sehr genau.

Von Vorteil ist, dass der Zahnarzt die Gehaltsextras auf freiwilliger Basis, auch unregelmäßig und mit jedem Mitarbeiter der Praxis individuell vereinbaren darf. Das gilt besonders für Minijobber, Aushilfen oder Teilzeitkräfte, für die die abgabenfreien Gehaltsextras sehr interessant sein können. Und da der Zahnarzt diese Zuwendung nicht regelmäßig gewähren muss, kann er individuell die Leistung und das Engagement von Praxismitarbeiterinnen belohnen. Hinzu kommt, dass ein Zahnarzt pro Mitarbeiter mehrere abgabenfreie oder -begünstigte Zuwendungen vereinbaren kann. Dafür steht ihm – neben dem Waren- und dem Geschenkgutschein – eine reichhaltige Auswahl zur Verfügung.

Nun einige Gehaltsextras, mit dem der Zahnarzt bei seinen Mitarbeitern punkten kann:

• Handy, Computer: Darf der Mitarbeiter ein Praxis-Handy oder einen Praxis-Computer auch privat nutzen, ist dieser Vorteil steuer- und abgabenfrei.

• Kinderbetreuungskosten: Übernimmt der Zahnarzt die Gebühren für den Kindergarten des noch nicht schulpflichtigen Kindes des Mitarbeiters, muss dieser Vorteil nicht versteuert werden.

• Gesundheitserhaltende Maßnahmen: Ein Zahnarzt darf jedes Jahr einem Mitarbeiter Gesundheitsmaßnahmen bis zu 500 Euro bezahlen, ohne dass er dafür Steuern oder Sozialabgaben abführen muss. Zu den begünstigten Gesundheitsmaßnahmen zählen Kurse zur gesunden Ernährung, Abnehmkurse, Rückengymnastikkurse, Raucherentwöhnungskurse, Kurse zur Stressbewältigung oder Massagen. Nicht begünstigt sind Beiträge für einen Sportverein oder ein Fitnessstudio.

• Rabatt: Steuer- und abgabenfrei sind Rabatte bis zu 1 080 Euro pro Jahr, die ein Zahnarzt einem Mitarbeiter gewährt. Unter die Rabattregelung fällt zum Beispiel die Zahnbehandlung der Praxismitarbeiter oder der kostenlose Einkauf der Mitarbeiter von Praxisprodukten.

• Fehlgeldentschädigung: Den Praxismitarbeitern, die die Praxiskasse führen, kann der Zahnarzt bis zu 16 Euro monatlich als Fehlgeldentschädigung abgabenfrei zukommen lassen.

• Parken: Gerade Mitarbeitern in Stadtpraxen die mit dem eigenen Auto anreisen, wissen diesen Service zu schätzen. Gut, wenn dann der Zahnarzt seinen Mitarbeitern eine Garage oder einen Parkplatz kostenlos zur Verfügung stellt. Für die Mitarbeiter ist dieser Vorteil abgabenfrei.

• Erholungsbeihilfe: Einmal jährlich kann der Zahnarzt einem Mitarbeiter eine Erholungsbeihilfe zahlen. Die muss er mit 25 Prozent pauschal versteuern. Die Beihilfe beträgt für den Praxisangestellten maximal 156 Euro, für den Ehepartner 104 Euro und für ein Kind 52 Euro. Ist der Praxismitarbeiter verheiratet und hat ein Kind, darf der Zahnarzt ihm im Jahr maximal 313 Euro als Erholungsbeihilfe zukommen lassen.

Werden die Sachbezüge richtig gestaltet, macht das sowohl den Zahnarzt als auch die Praxismitarbeiterin glücklich. Denn bei der Praxismitarbeiterin kommt der Geldwert an, den der Zahnarzt zu bezahlen bereit ist. Schließlich sparen beide sowohl die Sozialabgaben als auch die Steuer.

BFH Urteile vom 11.11.2010:
AZ: VI R 27/09, AZ: VI R 41/10 und AZ: VI R 21/09

ZÄ Dr. Sigrid Olbertz, MBA
Mittelstr. 11a
45549 Sprockhövel-Haßlinghausen

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