Ein neues innovatives Studiendesign

Klinische Forschung mit Feldvorteilen

Vor dem Hintergrund der geänderten Medizinproduktegesetzgebung und der Suche nach Alternativen zu herkömmlichen Indikationen und Verfahren werden heute und in Zukunft wesentlich mehr klinische Studien zum Erhalt des Fortschrittes in der Zahnmedizin benötigt. Der Forschungsverband Community Medicine der Universität Greifswald widmet sich der bevölkerungs-, präventions- und versorgungsbezogenen Forschung in der Medizin. Auf Basis ihrer Erfahrungen haben Wissenschaftler aus Greifswald einen neuen Studienaufbau entwickelt, der die niedergelassenen Praxen mit in die klinische Untersuchung einbezieht. Der weltweit einzigartige Ansatz könnte neue Maßstäbe in der zahnärztlichen Forschung etablieren. Mit der stärker versorgungsepidemiologischen Sichtweise sind diese „Ergebnisse im Feld“ sehr aussagefähig und vor allem praxistauglich.

Dokumentation ist einer der wichtigsten Parameter bei Studien, die in der Praxis durchgeführt werden. Aber sie muß im Praxisalltag auch machbar bleiben. www.centquatre.de/Fotolia.com

Abbildung 1: klassisches klinisches Studiendesign Grafik: Prof. Biffar
Abbildung 2: klinisches Studien design im Feld auf Basis epidemiologischer Expertise Grafik: Prof. Biffar

Um seinen kurativen Auftrag zu erfüllen, ist der Zahnarzt bemüht, dem Patienten die beste Therapie zukommen zu lassen. Doch welche ist die beste? Hier hilft ihm die Erfahrung, allerdings ist bei rein subjektiven Entscheidungen grundsätzlich immer Skepsis angebracht. Einen erheblich weiteren Horizont bieten wissenschaftliche Studien, die ein gewissenhafter Arzt generell auch immer kritisch liest und an seine speziellen Fragestellungen in seiner Praxis dann adaptieren muss. Entscheidend und hilfreich sind also profunde wissenschaftliche Arbeiten, die durch eine klare Fragestellung mit einem darauf ausgerichteten Studienaufbau unter Einbeziehung der praktischen Feldsituation eine therapeutische Wirksamkeit bei möglichst weiter Reduktion systematischer Messfehler belegen helfen oder eben ablehnen können. Wirklich objektiv zu sein, ist also nicht so einfach, sondern aufwendig und teuer.

Studien im Stresstest

Den hohen Anspruch wirklich evidenzbasierter Forschung verdeutlichen die systematischen Übersichtsarbeiten der Cochrane Collaboration. Konsequent wird hier oft die Mehrheit der (zu einer bestimmten Fragestellung vorhandenen) wissenschaftlichen Studien ausgeschlossen, da sie nicht die Kriterien erfüllen, um in eine Metaanalyse eingehen zu können. Ganz oben bei der „Wahrheitsfindung“ stehen randomisierte, doppelblinde, kontrollierte, multizentrische klinische Studien. So wird quasi alles Mögliche getan, um konfundierende Faktoren auszuschließen, die eine Scheinkorrelation bewirken könnten. Im Falle der zahnärztlichen Behandlung steht aber auch im Blickfeld, ob ein Studienkonzept die Praxissituation genügend berücksichtigt. Denn in der realen Füllungstherapie („im Feld“) kommt erschwerend hinzu, dass jeder Zahnarzt individuellen Behandlungskonzepten folgt und seine spezielle, individuelle Patientenklientel behandelt. Prinzipiell ist es deshalb einfacher, die Wirksamkeit eines hochdefinierten Medikaments zu untersuchen, hier spielt nur die biologische Streubreite eine Rolle. Aber wo bleibt dann die Individualität der Praxis und der Patienten?

In Medizin und Zahnmedizin gibt es noch großen Bedarf an aussagekräftigen klinischen Studien. Sie werden überwiegend an universitären Einrichtungen durchgeführt, deren Kapazitäten aber sehr limitiert sind und die daher die notwendigen Studien jetzt und in der Zukunft in genügender Zahl gar nicht durchführen können. Um die wissenschaftliche Arbeit und damit den Erkenntnisgewinn nicht aufzuhalten, muss weitergedacht und nicht nur die Forschung vorangetrieben werden, sondern auch das Forschungsdesign weiterentwickelt werden. Im Folgenden wird ein weltweit einzigartiger Ansatz beschrieben, der neue Maßstäbe in der zahnärztlichen Forschung etablieren kann. Er wurde an der Universität Greifswald entwickelt und von GC Germany, Bad Homburg, und GC Europe, Leuven, unterstützt.

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