Neue Imagestudie des IDZ

Top-Noten für die deutschen Zahnärzte

Top-Noten für die deutschen Zahnärzte: 91 Prozent der deutschen Bevölkerung sind mit ihrem Zahnarzt sehr zufrieden, hohes Vertrauen bringen dem Berufsstand 87 Prozent entgegen und eine hohe Behandlungsqualität bescheinigen ihm 89,8 Prozent. Diese und weitere Ergebnisse zeigt die neue repräsentative Imagestudie des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ). Sowohl im Fernbild als auch im Nahbild verfügt die Zahnärzteschaft über hohes Ansehen. Dennoch ist das Thema Zahnarztangst in der Bevölkerung nach wie vor präsent.

Quelle: IDZ/lfD-Studie von 2011 (vgl. IDZ, 2012)

Arztzufriedenheit, Behandlungsqualität und Vertrauen spielen bei der Bewertung der Deutschen über ihren Zahnarzt eine große Rolle, wie die Studie zeigt. So äußerten sich 91 Prozent der Befragten „sehr zufrieden“/„eher zufrieden“ mit ihrem letzten Zahnarztbesuch, „großes Vertrauen“/„eher großes Vertrauen“ gaben 87 Prozent zu Protokoll (siehe Grafik) und die Einschätzung der Behandlungsqualität ist mit 89,8 Prozent (Schwerpunkte: „sehr hoch“/„eher hoch“) ebenfalls sehr positiv. Insgesamt fällt auf, dass Frauen sich noch positiver äußerten als Männer.

Auch zur zahnärztlichen Versorgung gab es gute Ergebnisse. Rund 84 Prozent der Befragten gaben ein positives Urteil zu Protokoll (Tabelle 1), nur wenige Befragte (4 Prozent) können oder wollen in diesem Zusammenhang kein Urteil abgeben. Und im Vergleich zu einer früheren Befragung von 2002 lassen sich keine größeren Veränderungen aus dem Bewertungsbild ableiten (84 Prozent versus 81 Prozent).

Tradition

Die neue IDZ-Studie steht in der Tradition von weiteren Imagestudien zur Zahnärzteschaft und zur zahnärztlichen Versorgung in Deutschland, die von den Berufsorganisationen in der Vergangenheit wiederholt durchgeführt wurden. Die BZÄK gab 1995 eine Umfrage heraus, von der KZBV gibt es eine Befragung von 2002, sodass die Ergebnisse mit der jetzigen Studie im Rahmen einer Trendanalyse ergänzt werden können (Ein genauer Vergleich ist allerdings wegen nicht ganz identischer Fragestellungen nur punktuell möglich).

Befragt wurden 1 788 Personen, die einen repräsentativen Querschnitt der deutschen Bevölkerung ab 18 Jahre darstellen. Die Interviews wurden zwischen dem 9. und dem 22. Mai 2011 mündlich-persönlich durch geschulte Interviewer des Allensbacher Instituts durchgeführt. An der Untersuchung waren 420 Interviewer beteiligt, jeder Interviewer führte dabei maximal fünf Interviews durch. Die Fragen zum Image der Zahnärzte und zu den Erfahrungen mit der zahnärztlichen Versorgung waren eingeschlossen in eine der monatlich durchgeführten Mehrthemenumfragen (Omnibusbefragung) des Instituts für Demoskopie Allensbach.

Fernbild

Aufschlussreiche Aussagen ergeben die Betrachtungen von Fernbild („die Zahnärzte“) und Nahbild („mein Zahnarzt“). So zeigt im Fernbild das allgemeine Ansehen der Berufsgruppe im Vergleich zu 1995 und 2002 eine deutliche Stabilität (siehe Tabelle 2). Der Anteil derjenigen, die „keine gute Meinung“ äußerten, ist aber in den letzten 15 Jahren um sieben Prozent zurückgegangen. Erklärungsbedürftig ist die Zahl 31,1 Prozent mit der Position „unentschieden / teils, teils“. Das interpretiert die Studie als Hinweis darauf, dass ambivalente Erfahrungen mit Zahnärzten nicht selten sind und die Befragten sowohl positive wie auch negative Erfahrungen beim Zahnarztbesuch gemacht haben.

Was die positiven Aspekte im Fernbild angeht (siehe Tabelle 3), so wurden von den Befragten vor allem folgende als Pluspunkte herausgestellt:

• rücksichtsvoll (bei der Schmerzvermeidung)

• gut organisierte Praxen

• technisch und medizinisch auf dem neuesten Stand

• gründlich und sorgfältig

Hinsichtlich der Negativurteile wurden vor allem folgende Aspekte genannt:

• mehr Mühe bei Privatpatienten

• Anbieten nicht notwendiger Behandlungen

• zu hoher Verdienst

• zu lange Voranmeldezeiten

Im Vergleich zu den beiden Vorgängerstudien ergeben sich hier keine großen Abweichungen der Aussagen.

Interessant ist auch, dass die Selbstbeurteilung der eigenen Mundgesundheit offensichtlich stark mit der sozialen Ansehenszuschreibung der Berufsgruppe zusammenhängt. Mit anderen Worten: Wer gute Zähne hat, hat auch eine höhere Meinung vom Zahnarzt.

Nahbild

Das Nahbild, also die Wahrnehmung des eigenen Zahnarztes, fällt im Gegensatz zum Fernbild erwartungsgemäß positiver aus, da das Nahbild konkrete persönliche Erlebnisse und Erfahrungen wiedergibt. Zu den positiven Wahrnehmungsurteilen gehören:

• rücksichtsvoll (bei der Schmerzvermeidung)

• gut organisierte Praxis

• vertrauenerweckend (berufliche Kompetenz)

Negative Aspekte werden hingegen nur sehr wenige genannt und erreichen einen Anteil von lediglich 18,4 Prozent.

Im Vergleich zwischen Nahbild und Fernbild zeigt sich die sozialpsychologisch zu erwartende Verschiebung in allen Zuschreibungsaspekten. Das Nahbild des eigenen Zahnarztes fällt insgesamt deutlich positiver beziehungsweise in Einzelpunkten deutlich weniger kritisch aus als im Fernbild. Das betrifft vor allem folgende Punkte:

• sympathisch

• beruhigende Ausstrahlung

• menschlich

• vertrauenerweckend

• gründlich

• erklärt Behandlungen

Bei einer stärker theoretischen Betrachtung von Nahbild und Fernbild in der Bevölkerung scheint es – laut Studie – so zu sein, dass das Stereotyp über „die Zahnärzte insgesamt“ einer Mischung aus persönlicher Behandlungserfahrung, aus Prägungen durch die öffentliche Meinung und durch die Veröffentlichungen in den Massenmedien sowie aus Wahrnehmungen der Handlungen des Berufsstands im gesellschaftlich-politischen Raum entstammt. Solche Stereotypen neigen aber zu Verzerrungen, Vereinfachungen und Fehlinterpretationen. Insofern dient die objektive Versorgungserfahrung beim eigenen Zahnarzt als zentraler Bezugspunkt, um ein eventuell vorhandenes verzerrtes Fernbild durch das Nahbild zu korrigieren.

Zahnarztbesuch

Auch die Erfahrungen beim Zahnarztbesuch wurden in der Studie thematisiert. Im Ergebnis zeigte sich, dass der regelmäßige Kontrollbesuch beim Zahnarzt für die Mehrheit der Befragten zur Routine geworden ist. Fast zwei Drittel (63 Prozent) suchen regelmäßig den Zahnarzt auf, während rund ein Sechstel (17 Prozent) ein beschwerdeorientiertes Inanspruchnahmeverhalten zu Protokoll gab. Knapp ein Fünftel (19 Prozent) liegt zwischen diesen beiden Antwortpolen.

Insgesamt fällt auf, dass Frauen erheblich häufiger kontrollorientiert zum Zahnarzt gehen als Männer. Zudem zeichnet sich auch ein klarer sozialer Gradient ab: Personen mit hoher Schulbildung gehen deutlich häufiger zur zahnärztlichen Kontrolluntersuchung als Personen mit einfacher Schulbildung. Beide Befunde sind in der sozialepidemiologischen Forschung keineswegs unbekannt, bereits die DMS-Studien [siehe IDZ, 1999; IDZ, 2006] oder auch die DAJ-Studien [siehe Pieper, 2005; Pieper, 2010] lieferten ähnliche Ergebnisse. Ferner zeigt die soziale Zahnarztbindung in der Bevölkerung ein außerordentlich hohes Niveau: 90 Prozent gehen immer zum selben Zahnarzt.

Bonusheft

Aufschlussreich sind auch die Abfrageergebnisse zum Gebrauch des Bonushefts. Hier zeigt die Studie, dass die Mehrheit der Befragten (hier: nur GKV-Versicherte) auf die Führung des Bonushefts achtet (63 Prozent), wobei Frauen deutlich häufiger eine Heft-Compliance zeigen als Männer, und ferner, dass Personen mit höherer oder auch hoher Schulbildung der Führung des Bonushefts signifikant mehr Aufmerksamkeit schenken als Personen mit einfacher Schulbildung. Und: Personen mit einer positiven Selbsteinschätzung ihres eigenen Zahnzustands zeigten erheblich häufiger eine klare Heft-Compliance. Die Studie interpretiert das als starken Hinweis auf das Thema „oral health self care“, beziehungsweise Kontrollorientierung bei der Inanspruchnahme zahnärztlicher Dienste. Erstaunlich erscheint auch, dass immerhin ein Fünftel (20,2 Prozent) zu Protokoll gab, auf die Führung des Bonushefts nicht weiter zu achten, obwohl auf diesem Wege deutlich weniger Zuzahlungen bei Zahnersatzleistungen erreicht werden können.

Dentalangst

Nach wie vor gibt es in Deutschland eine bei 59,9 Prozent der Befragten recht hohe Angst vorm Zahnarzt (siehe Tabelle 4). Allerdings gaben nur rund 12 Prozent eine starke Angstreaktion zu Protokoll. Das deckt sich auch mit weiteren Studien aus dem internationalen Raum. Bemerkenswert ist, dass Frauen häufiger Dentalangst aufweisen als Männer und dass diese mit zunehmendem Alter abnimmt. Dentalangst ist hier zu verstehen als ein mehr emotionales Unbehagen und nicht durchgehend als heftige Gefühlsreaktion. pr

INFO

Die neue Studie

Unter dem Titel „Einstellungen und Bewertungen der Bevölkerung zur zahnärztlichen Versorgung in Deutschland – Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage 2011“ wird die neue Imagestudie als IDZ-Information Nr. 1/2012 am 23. Januar 2012 erscheinen. Autoren sind Dr. Wolfgang Micheelis, IDZ, und Werner Süßlin, IfD Allensbach. Der Text ist als Download unter www.idz-koeln.de verfügbar, weitere Exemplare können kostenlos beim Institut der Deutschen Zahnärzte, Universitätsstr. 73, 50931 Köln, Tel.: 0221/4001-146 angefordert werden.