CeBIT 2012

Neuer Name, neues Konzept

Die CeBIT setzt neue Schwerpunkte für ihre Gesundheitsmesse und verdeutlicht das durch einen Namenswechsel: Aus der TeleHealth wird die Health Vitality. IT-Lösungen für das Gesundheitswesen stehen weiter im Fokus, die Fachkonferenz wird hingegen themenreicher – und dadurch auch interessanter für Zahnärzte.

Zu alt für die neueste Technik? Nein, ist die Bedienung zu kompliziert, ist das Gerät nicht gut. So einfach ist das. Foto: Philips

So sieht eine Wohnung im Modell aus. Die grün markierten Flächen zeigen Bereiche, in denen Assistenzsysteme integriert sind. Quelle: Forschungszentrum Informatik, Karlsruhe
Assisted Living: Auch der Herd denkt mit. Fotos: Next Generation Media 2007
Assisted Living: Auch der Herd denkt mit. Fotos: Next Generation Media 2007

„Die Health Vitality dreht sich nicht mehr ausschließlich um Telehealth, wie das bei ihrer Vorgängerin der Fall war. Vor allem das Vortragsprogramm bezieht sich ab sofort auch auf andere, für das Gesundheitswesen relevante Aspekte, als die Prävention“, erklärt Dr. Lutz Reum, Organisator des Fachforums. Was bleibt, ist der Veranstaltungsort: Konferenz und Ausstellung sind auf dem CeBIT-Gelände in Hannover weiterhin in Halle 8 untergebracht. Mehr als 20 Aussteller präsentieren dort Produkte aus der Informations- und Telekommunikationstechnologie (ITK). Zudem bietet die Fachkonferenz täglich wechselnde Themen. Die „eGK Session“ am Dienstag beschäftigt sich etwa mit der Bedeutung der elektronischen Gesundheitskarte für die Regelversorgung und dem aktuellen Stand der Umsetzung.

Smarte Lösungen fürs Älterwerden stehen ebenfalls am Dienstag im Mittelpunkt der ersten Fachvorträge und Podiumsdiskussionen – mit tiefen Einblicken in den Bereich „Ambient Assisted Living“ (AAL), was soviel bedeutet wie „Altersgerechte Assistenzsysteme für ein gesundes und unabhängiges Leben“. Die Idee dahinter: Mithilfe moderner Technologien sollen alte Menschen alltägliche Anforderungen leichter meistern und lange selbstbestimmt und unabhängig leben können.

Smarter Senior

Welche Möglichkeiten es gibt, präsentiert unter anderem die „Smart Senior Session“, die Zwischenergebnisse des 2010 gestarteten gleichnamigen Forschungsprojekts vorstellt. Das aus 28 Unternehmen und Forschungsinstituten bestehende Konsortium entwickelt neben altersgerechten Kommunikationsmöglichkeiten, Notfallerkennungs- und Assistenzsystemen zur sicheren Fortbewegung auch neue medizinische Dienstleistungen in den Bereichen Prävention, Therapie und Rehabilitation. Wie gut die Angebote von älteren Menschen angenommen werden, prüft SmartSenior unter anderem in Testwohnungen.

Technik übernimmt Pflege

Im Anschluss stellen Unternehmen verschiedene Konzepte und Initiativen zu AAL vor. Dabei sind unter anderem das Demografie Netzwerk Linga (Landesinitiative Niedersachsen Generationengerechter Alltag) und das Braunschweiger Informatik- und Technologie-Zentrum, das sein Projekt eHealth.Braunschweig präsentiert.

In der „AAL Session“ am Freitag wird Ambient Assisted Living noch einmal zum Thema auf der Health Vitality. „Das Augenmerk richten die Referenten dabei auf die technische Assistenz in der Pflege“, kündigt Reum an. „Es wird diskutiert, ob technische Assistenzsysteme das Problem des Pflegekräftemangels lösen können.“

Einer der Referenten ist Udo Gaden, Leiter des Bereichs Forschung und Entwicklung beim Sozialwerk St. Georg, Gelsenkirchen. „In meinem Vortrag werde ich anhand von Praxisbeispielen verdeutlichen, dass durch die Verzahnung von Gebäudetechnik, intelligenter Assistenz- und automatisierter Notruftechnik zugleich Ressourceneffizienz und mehr Sicherheit und Lebensqualität für Unterstützung suchende Menschen erzielt werden können“, verriet Gaden den zm vorab.

Im Vortrag von Martin Reich, Geschäftsführer des Unternehmens Scemtec Automation, geht es gezielt um technische Assistenzsysteme. Unter anderem referiert er über ein von seinem Unternehmen entwickeltes Notrufsystem in Haushalten alleinlebender Menschen. Das Prinzip: Über Sensoren werden Abweichungen im Tagesablauf der Bewohner registriert. Falls sie sich beispielsweise ungewöhnlich lange nicht mehr bewegen, geht ein Notruf an die angegebene Vertrauensperson oder einen Pflegedienst. „Wir haben auch bedacht, dass jemand zum Beispiel vor dem Fernseher einschlafen kann“, erklärt Inge Kamenz aus der Marketingabteilung. „Falls Notrufe in solchen Fällen abgesetzt werden, haben die Bewohner die Möglichkeit, sie zu stoppen.“

Apps und Gesundheit

Die Health Vitality beschäftigt sich im Rahmen der Fachkonferenz ausführlich mit der Vermittlung von Gesundheitsinformationen via Internet und neue Medien. Nach einer Bitkom-Umfrage informieren sich rund 19 Millionen Deutsche online über Fragen zu ihrer Gesundheit. Dabei werden auch Apps für Smartphones und Tablets immer beliebter.

So erreichte der Markt für mHealth-Apps laut „Mobile Health Market Report 2011-2016“ des Berliner Marktforschungsinstituts Research2Guidance im vergangenen Jahr ein Volumen von 718 Millionen Dollar. Die Prognose für 2012 sieht eine knappe Verdopplung auf 1,3 Milliarden US-Dollar voraus. Die „mHealth App Session“ am Donnerstag stellt den entstehenden Markt vor und analysiert Apps aus den Bereichen Gesundheit und Prävention.

Chancen und Risiken der medizinischen Patientenberatung über das Internet stehen im Fokus einer Runde am Donnerstagnachmittag. Insbesondere geht es um verschiedene Geschäftsmodelle und die Qualität der Angebote. „Patienten nutzen das Internet nicht nur, um sich über Krankheiten zu informieren, sondern teilweise auch, um sich von kommerziellen Telekonsil-Dienstleistern behandeln zu lassen. Ziel der Session sind Darstellung und Diskussion der Patienten- und der Verbrauchersicht anhand praktischer Beispiele“, fasst Reum zusammen. Unter den Teilnehmern befindet sich auch der Geschäftsführer von DrEd, David Meinertz (siehe zm 01/2012).

Aus Patientensicht bewertet Susanne Mauersberg vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) den Markt. Foren für Preisvergleiche könnten eine wertvolle Ergänzung der bestehenden Angebote darstellen, beschreibt sie die Position des vzbv: „Da oft werbliche Interessen im Hintergrund stehen, ist die Ermittlung des Betreibers eine wichtige Voraussetzung, um die Seriosität der Informationen einschätzen zu können. Empfehlenswert sind Foren, die von Selbsthilfeverbänden oder Krankenkassen angeboten werden. Problematisch sind ausländische Angebote, die den Arztbesuch ersetzen sollen und auch Zugang zu verschreibungspflichtigen Medikamenten bieten.“

Die „Gesundheitsnavigator Session“ am Freitag rundet das Thema Patienteninfos im Internet ab, indem erste Erfahrungen mit den Portalen AOK-Gesundheitsnavigator und Jameda ausgewertet werden. Unter anderem nimmt Dr. Sebastian Schmidt-Kaehler, Geschäftsführer der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland, teil. Onlinebewertungen von Patienten beinhalten seiner Ansicht nach wertvolle Informationen, die bei der Wahl eines Arztes oder Zahnarztes hilfreich sein können. In der Praxis sei aber Vorsicht geboten. „Die meisten Arztbewertungssysteme sind hochgradig manipulationsanfällig. Ausgerüstet mit ein paar E-Mail-Adressen und ein wenig technischem Know-how ist es nicht schwer, eine eher schlechte Bewertung in überschwängliches Lob zu verwandeln“, sagte Schmidt-Kaehler den zm. Vor diesem Hintergrund seien Initiativen begrüßenswert, die Mehrfachbewertungen durch ein datenschutzrechtlich geprüftes Verfahren weitestgehend ausschließen.

Zum ersten Mal wird in diesem Jahr der Award „AOK-Leonardo“ verliehen. Die Krankenkasse hat den mit bis zu 200 000 Euro dotierten „Gesundheitspreis für digitale Prävention“ im April 2011 ausgeschrieben, die Gewinner werden auf der Health Vitality bekannt gegeben. Prämiert werden Projekte, die mithilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologie die Gesundheit in familiären Lebenswelten fördern. Zu den insgesamt 41 Wettbewerbsbeiträgen gehört zum Beispiel ein virtueller Trainer, der Familien bei ernährungstechnischen oder suchtabhängigen Problemen unterstützt.


Susanne Theisen

Freie Journalistin in Berlin

info@susanne-theisen.de


INFO

CeBIT in Kürze

• Termin: Dienstag, 6. März, bis Samstag, 10. März

• Öffnungszeiten: täglich 9 bis 18 Uhr

• Tagesticket: 34 Euro (Vorverkauf), 39 Euro (Tageskasse)

• Dauerticket: 79 Euro (Vorverkauf), 89 Euro (Tageskasse)

• kein Eintritt für Kinder unter acht Jahren; vom 6.3. bis zum 9.3. kein Eintritt für Besucher unter 16; am 10.3. für Kinder/Jugendliche von acht bis 15 Jahren nur in Begleitung aufsichtspflichtiger Erwachsener

• Infos für Besucher: www.cebit.de/de/besucherservice


INFO

Forum Health Vitality

• Dienstag, 6.3.: Eröffnung, 12 Uhr; Preisverleihung Leonardo, 14 Uhr

• Mittwoch, 7.3.: „Smart Senior Ses-sion“, 11 Uhr; Unternehmenspräsentationen AAL, 12:45; „eGK Session“, ab 14 Uhr

• Donnerstag, 8.3.: „mHealth App Session“, 11 Uhr; Session „Medizinische Patientenberatung im Internet“, 14 Uhr

• Freitag, 9.3.: „Gesundheitsnavigator Session“, 11.15 Uhr; AAL-Session „Technische Assistenz in der Pflege“, 14 Uhr

• weitere Infos:

www.cebit.de/de/ueber-die-messe/programm/cebit-gov/telehealth

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